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Simon Stickls Alpin-Karriere scheiterte wegen eines Schienbeinbruchs © imago

Simon Stickl gewann als erster Deutscher einen Ski-Cross-Weltcup. Im Interview spricht er über seine Olympia-Ziele.

München - Simon Stickl verschaffte der jungen Disziplin Ski Cross durch seinen Weltcup-Sieg in St. Johann unverhoffte Aufmerksamkeit. Nun will er auch beim Olympia-Debüt der Sportart für Furore sorgen.

Im zweiten Teil des Interviews der Woche bei Sport1.de erklärt er, wie er sich für Vancouver vorbereitet.

Außerdem spricht der junge Draufgänger über die Bedeutung seines Sieges für die Popularität des Ski Cross und beschreibt, was den Reiz am Kampf Mann gegen Mann ausmacht.

Sport1.de: Wie sieht Ihre Vorbereitung bis Vancouver aus?

Stickl: Im französischen Les Contamines stehen jetzt erst mal noch zwei Weltcups an. Dann geht es heim, bevor wir in die USA und nach Kanada fliegen, wo ebenfalls zwei Weltcups warten. Danach bleiben uns noch zwei Wochen zum regenerieren, bis es in Vancouver ernst wird.

Sport1.de: Haben Sie für die bevorstehenden Wettkämpfe einen Favoriten oder sehen Sie sich selbst in dieser Rolle?

Stickl: Das ist schwer zu sagen. Top-Favorit ist sicherlich wieder Mike Schmid, der schon die ersten beiden Weltcups für sich entscheiden konnte. Außerdem bin ich überzeugt, dass Thomas Kraus zurückschlagen wird. Die Schmach von St. Johann lässt er nicht auf sich sitzen.

Sport1.de: Verstecken brauchen Sie sich aber auch nicht. Ist mit Ihrem Überraschungssieg der Anspruch an Ihre eigene Leistung gewachsen?

Stickl: Auf jeden Fall - gerade was das Selbstvertrauen angeht. Wir waren gerade vor der Saison extrem nervös, weil das Jahr zuvor gar nicht gut lief. Ziel war es, zumindest einmal die Top 16 zu erreichen. Dass jetzt ein Weltcup-Sieg rausgesprungen ist, ist voll geil. Im Bus nach Frankreich haben wir die ganze Zeit nur gesungen.

Sport1.de: Der Erfolg ist die eine Sache, das Preisgeld eine andere. Finden Sie es nicht ungerecht, dass Sie privat viel Geld in diesen Sport investieren, als Gewinner aber nur ein Preisgeld von 4000 Euro kassieren, während Ihre Ski-Alpin- oder Skisprung-Kollegen ein Vielfaches mehr verdienen?

Stickl: Ja, natürlich finden wir das ungerecht. Aber wir sind halt neu im Geschäft, haben noch keine Medaillen vorzuweisen. Deshalb interessieren wir bisher kaum jemanden. In Deutschland steht und fällt alles mit dem Erfolg. Aber je besser wir fahren, desto größer wird die Resonanz und Popularität sein.

Sport1.de: Hat Ihr Sieg dieser Popularität einen Schwung gegeben?

Stickl: Ja, mit Sicherheit. Nach Olympia war das das für uns das wichtigste Rennen in dieser Saison. Schließlich ist St. Johann von Deutschland nicht weit entfernt und das Rennen wurde live im österreichischen Fernsehen übertragen.

Sport1.de: Sind Siege der einzige Weg, um Ski Cross aus seinem Schattendasein zu heben?

Stickl: Da bin ich mir sicher. Erfolg ist alles, was zählt.

Sport1.de: Was machen Sie, wenn Sie nicht gerade die Piste herunterheizen?

Stickl: Ich bin bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr angestellt. Dort trainiere ich viel. Und wenn Not am Mann ist, helfe ich meinen Eltern in ihrer Berggaststätte.

Sport1.de: Warum sollte sich jeder ein Ski-Cross-Rennen ansehen?

Stickl: Weil es Adrenalin und Action pur ist. Da geht es Mann gegen Mann. Das ist doch das, was die Leute wollen.

Hier geht es zurück zum ersten Teil des Interviews

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