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Martin Schmitt gewann 2002 in Salt Lake City Olympisches Gold im Team © imago

Den früheren Leistungsträgern droht das Aus. Auch jahrelanges Hungern raubte den beiden viermaligen Weltmeistern die Kraft.

Val di Fiemme - Ausgebrannt, müde, erschöpft - den beiden langjährigen Leistungsträgern Martin Schmitt und Ronny Ackermann droht einen Monat vor Olympia in Vancouver das Aus.

Ein Grund dafür ist das jahrelange Hungern, das den beiden viermaligen Weltmeistern die Kraft geraubt hat.

Bei Skispringer Schmitt stellte der Arzt bereits ein "schleichendes Erschöpfungssyndrom" (>> zum ausführlichen Artikel) fest, bei Kombinierer Ackermann sind die Symptome ähnlich.

"15 Jahre Leistungssport und Gewicht machen, das zehrt", sagt Kombinierer-Bundestrainer Hermann Weinbuch.

Irgendwann bricht das System zusammen, wenn vor jeder Saison fünf Kilo abgespeckt werden und gleichzeitig das Training forciert wird.

In seinem finalen Olympia-Winter wollte es der kantig aussehende Ackermann besonders gut machen - und wurde von Stürzen, zu viel Training und einer Erkältung gestoppt.

Kampf um das letzte Ticket

"Einem so ehrgeizigen Menschen wie dem Ronny fällt es schwer, sich zu bändigen. Aber er ist halt keine 18 mehr und steckt das Training nicht mehr so gut weg", sagt Weinbuch.

Seiner Meinung nach hat der einstige Topmann momentan die "schlechtesten Olympia-Chancen im Team", weil er lediglich einen 22. Platz als bestes Weltcup-Resultat zu Buche stehen hat.

Ausgerechnet mit dem ebenfalls ausgebrannten Olympiasieger Georg Hettich kämpft Ackermann um das letzte Ticket.

Der Weltcup am Wochenende in Chaux-Neuve (DATENCENTER: Der Skisprung-Weltcup) ist die vorletzte Chance für den 32-Jährigen, doch noch den Flug nach Vancouver zu buchen.

Sein oder Nichtsein

"Es geht um Sein oder Nichtsein", sagt Ackermann. Immer wieder klagt er darüber, dass "ich mich einfach nicht spritzig fühle".

Martin Schmitt nennt das gleiche Empfinden "nicht frisch sein", nun diagnostizierte Mannschaftsarzt Dr. Mark Dorfmüller nach ausgiebigen Bluttests ein massives Defizit im Energiestoffwechsel.

Vizeweltmeister Schmitt hat zwar die Olympia-Norm in der Tasche, aber ob er rechtzeitig fit wird, steht in den Sternen.

"Er hat den Energie-Haushalt eines 80-Jährigen", sagt Dieter Thoma dazu.

Substanzverlust durch stetiges Abnehmen

Jedes Kilogramm weniger Gewicht bringt ein paar Meter Weite, und Schmitt als eher kräftiger Typ muss vor jeder Saison abnehmen.

Das geht mit einem "relativ großen Substanzverlust" einher, wie Bundestrainer Werner Schuster zugibt.

Im Sommer musste Schmitt, der am 29. Januar 32 Jahre alt wird, deshalb schon das Training drosseln.

Trotz allem: Schuster plant mit Schmitt

An seinem Geburtstag könnte er jedoch auf die Schanze zurückkehren: Schuster plant für die Team-Tour vom 29. Januar bis zum 7. Februar in Oberstdorf, Klingenthal und Willingen mit dem Vize-Weltmeister.

"Ich plane schon, dass er bei der Team-Tour zurückkommt", sagte der Österreicher in der Sendung "Blickpunkt Sport" im Bayerischen Fernsehen und bezeichnete die derzeitige Situation als "unbefriedigend".

Schmitt habe zuletzt, wenn man ihm ins Gesicht geschaut habe, "nicht die Farbe gehabt, die man braucht, um erfolgreich zu sein".

Deswegen lautet jetzt die Devise: Beine hochlegen und Energiespeicher auffüllen. An Weltcup-Starts ist derzeit jedenfalls nicht zu denken.

Tritt nicht nur Hettich zurück?

Daran, dass die ganze Sache mit Olympia schiefgehen könnte, will Martin Schmitt noch gar nicht denken.

Ronny Ackermann deutet dagegen bereits mögliche Konsequenzen an: "Eines ist klar: Wenn ich solche Leistungen bringe, diene ich weder mir noch dem deutschen Team."

Hettich wird in jedem Fall nach diesem Winter zurücktreten.

Der letzte große deutsche Wintersportheld Sven Hannawald hatte seine Karriere übrigens ebenfalls nach einer Serie von Misserfolgen beendet. Diagnose seinerzeit: Burn-Out-Syndrom.

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