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Seit Olympia zu Beginn des Jahres ist die Rodelbahn in Whistler in der Kritik © getty

Der Weltcup kehrt auf die Olympia-Todesbahn zurück. Manche Passagen sind entschärft, doch Stürze überschatten das Training.

Berlin/Whistler - Bei fast 150 Stundenkilometern verlor selbst Europameisterin Cathleen Martini die Kontrolle über ihren Zweierbob und stürzte im olympischen Eiskanal von Whistler.

Die Hochgeschwindigkeitsbahn erlangte vor neun Monaten traurige Berühmtheit, als der georgische Rodler Nodar Kumaritaschwili wenige Stunden vor der Eröffnungsfeier der Winterspiele von Vancouver tödlich verunglückte.

Ausgerechnet dort startet am Donnerstag (Ortszeit) die Weltcup-Saison der Bob- und Skeletonfahrer, bei denen aufgrund einiger Trainingsstürze die Angst wohl wieder mitfährt.

Minus 15 Grad im Sliding Center

"In erster Linie war es ein Fahrfehler von mir, aber durch die Kälte ist das Eis verdammt schnell geworden. Da wird es fast zu einem Glücksspiel", sagte Martini.

Bei ihrem Sturz wurde im Sliding Center eine Temperatur von Minus 15 Grad gemessen, die die ohnehin sehr schnelle und anspruchsvolle Bahn selbst für Spitzenathleten wie Martini vor Probleme stellte.

Für die Wettkampftage kündigt der Wetterbericht zwar etwas höhere Temperaturen an, doch das allein dürfte die Probleme mit der 1450 Meter langen Eisrinne nicht aus der Welt schaffen.

Der Präsident geht auf Distanz

Dass die Entscheidung, den Weltcup in Whistler zu starten, nicht unumstritten ist, zeigt die Reaktion des neuen Weltverbands-Präsidenten Ivo Ferriani.

"Ich wurde erst im September gewählt und habe den Wettkampfkalender vom früheren Präsidium mitgenommen. Es war zu spät, etwas zu ändern. Jetzt müssen wir das Beste daraus machen", sagte der Italiener.

Man habe viel Zeit und Geld investiert, um die vom deutschen Architekten Udo Gurgel entworfene Bahn sicherer zu machen. Für die Rennen sei man sehr zuversichtlich, erklärte Ferriani: "Die Sicherheit geht vor, aber wir verfallen nicht in Panik. Alles ist unter Kontrolle."

"Zwangseinfahrt" soll Gefahr mindern

Im Vorfeld wurde der Hebel vor allem beim Eisausbau angesetzt, um Stürze möglichst zu verhindern.

Dabei half auch der deutsche Bahnexperte Markus Aschauer aus Königssee mit. Unter anderem wurde der Kurvenradius in den schwierigen Passagen so verändert, dass die Schlitten in eine Art "Zwangseinfahrt" gelangen, die als weniger gefährlich gilt.

"Es gibt eine neue Führung im Weltverband, und die wird alles tun, nicht mit einem Skandal zu starten. Deswegen wird die Bahn für den Weltcup sicher sein", sagte der inzwischen zurückgetretene viermalige Olympiasieger Andre Lange: "Auf lange Sicht muss sich dort aber sicher etwas Grundlegendes verändern."

Langen hofft auf Spaß

Zumindest für die Olympiabahn in Sotschi haben die Verantwortlichen bereits Konsequenzen gezogen: Hier wurden bereits ein Geschwindigkeitslimit von 135 Stundenkilometern sowie zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen wie Sturzbarrieren beschlossen.

Bob-Cheftrainer Christoph Langen will in Whistler nicht in Panik verfallen.

"Wenn viele Stürze passieren, die nicht an den Fahrern liegen, dann kann man immer noch überlegen, ob man die Athleten starten lässt", sagte der zweimalige Olympiasieger vor seiner Premiere als Cheftrainer: "Wenn man aber ein paar Passagen entschärft, ist die Bahn sicher und macht Spaß."

Mit voller Wucht gegen einen Stahlträger

Allerdings ist der Unfalltod von Kumaritaschwili eine stete Warnung. Der Rodler hatte in der Zielkurve mit einer Geschwindigkeit von 144,3 km/h die Kontrolle über seinen Schlitten verloren und war aus der Bahn katapultiert worden.

Tödlich war der Unfall für den damals 21-Jährigen ausgegangen, weil er mit voller Wucht gegen einen Stahlträger geprallt war.

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