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Ein trostloses Bild: Raupen vor der Kulisse von Sotschi © imago

Anwohner-Frust, Bauverzögerungen, Chaos! Das IOC setzt den Organisatoren der Winterspiele 2014 die Messer auf die Brust.

Sotschi - Anwohnerfrust, Infrastrukturprobleme und Bauverzögerungen - die Fragezeichen in Sotschi im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele 2014 werden größer.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) warnt immer lauter vor einem drohenden Debakel bei dem Event am Schwarzen Meer, das eigentlich Russlands Rolle als Großmacht in der Welt untermauern sollte.

"Wir dürfen keinen Tag, keine Stunde, keine einzige Sekunde mehr verlieren", sagte Jean-Claude Killy, Chef der IOC-Koordinierungskommission, nach seinem jüngsten Besuch in der Olympia-Region.

Das einflussreiche IOC-Mitglied Gianfranco Kasper wurde mit Blick auf die Potemkinschen Dörfer in Sotschi noch deutlicher: "Es gibt auf dem Papier jeden Lichtschalter in den Hotels, aber es sind noch nicht einmal die Straßen dahin gebaut."

Neuer Krisenmanager

Wie ernst die Lage ist, verdeutlichte die von Staatspräsident Dimitri Medwedew persönliche vorgenommene Berufung von Dimitri Kosak zum Krisenmanager für Sotschi.

Der zum stellvertretenden Ministerpräsidenten ernannte Kosak machte sich in den letzten Tagen erstmals persönlich vor Ort ein Bild - und ließ wegen der gewaltigen Infrastruktur-Probleme extra eine neue Olympia-Transportverwaltung gründen.

Der Hafen, von dem aus Baumaterial wie Stahl oder Zement in die abgelegene Region gebracht werden muss, ist derzeit noch zu klein für große Schiffe.

Massive Probleme

Massive Probleme gibt es zum Beispiel auch bei der Verbindung zwischen Sotschi am Meer und der Bergregion rund um Krasnaja Polana, wo die meisten Schneewettbewerbe stattfinden sollen.

Die Eisenbahnstrecke soll nur ein- statt wie geplant zweispurig ausgebaut werden, die Autobahn mit insgesamt drei statt vier Fahrbahnen. Längst murren nicht nur beteiligte ausländische Firmen über Verzögerungen bei der Olympia-Baufirma Olympstroj.

"Herr Putin ist ein sehr starker Mann, er kann 100.000 Leute in die Region bringen. Aber für die geplanten Baumaßnahmen wie Eisenbahnen sind zum Beispiel auch geologische Erkundungen notwendig, und die Zeit ist knapp", merkt Kasper an.

Investitionskosten viel höher

Auch beim Sportstättenbau hat es bereits diverse Änderungen gegeben. Nach Bedenken von Naturschützern wird die Bob- und Rodelbahn jetzt an anderer Stelle gebaut.

Auch das Olympische Dorf in den Bergen, die Wettkampfstätten für Freestyle und Snowboard und das Biathlon-Stadion mussten verlegt werden. Längst ist klar, dass die ursprünglich angesetzten Investitionskosten von 8,6 Milliarden Euro am Ende viel höher sein werden.

Bei den einfachen Leuten in Sotschi wird von dem vielen Geld nichts ankommen, mindestens 300 müssen stattdessen um ihre Häuser und Grundstücke am Meer fürchten.

Hausbesitzer enteignet

Zum Beispiel in der Imeriti-Bucht werden die Hausbesitzer nach dem sogenannten Olympiagesetz 310 enteignet und mit Ersatzwohnungen im Inland oder Geldzahlungen entschädigt.

Nicht nur beim IOC macht man sich inzwischen Gedanken darüber, ob die Vergabe der Spiele nach Sotschi wirklich eine gute Idee war. Auch, weil jüngst im georgisch-russischen Konflikt nicht weit von Sotschi entfernt die Panzer rollten. Kasper: "Abchasien ist gleich um die Ecke. Es wird noch viele Diskussionen um Sotschi geben."

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