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Severin Freund wurde 2008 in Zakopane Junioren-Weltmeister © getty

Norwegen plant ein Gold-Festival bei der Heim-WM, der DSV peilt sechs Medaillen an. Große Hoffnungen ruhen auf Freund.

Oberstdorf - Die Langläufer kommen nach einer Seuchensaison nur schleppend in Form, die Kombinierer haben seit fast fünf Wochen keinen echten Wettkampf mehr bestritten.

Vor den 48. nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Oslo hofft der Deutsche Skiverband (DSV) mehr denn je auf einen neuerlichen Höhenflug seiner "Adler" um den neuen Vorflieger Severin Freund.

"Sechs bis acht Medaillen" lautet die Vorgabe von Sportdirektor Thomas Pfüller für die WM im "Mekka des Skisports".

Nur: Einige Athleten zweifeln - und die Konkurrenz scheint übermächtig.

Freund einziger Saisonsieger

Severin Freund ist der einzige deutsche Weltcup-Sieger in diesem Winter - doch selbst der Shooting-Star der Skisprungszene zählt sich in Oslo nicht zu den Favoriten.

"Das ist meine WM-Premiere, ich sehe mich eher als gefährlichen Außenseiter." (DATENCENTER: Ergebnisse Skispringen)

Gefährlich - das immerhin.

Dieses Prädikat tragen bei der WM ab dem ersten Wettkampf am Donnerstag (bis 6. März) nur wenige deutsche Athleten. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

"Wir sollten uns als Verband trotzdem immer hohe Ziele setzen", sagt Pfüller fast trotzig. Das Rekordaufgebot mit 31 Startern habe großes Potenzial, an den erfahrenen Trainern Behle, Schuster und Weinbuch sei es nun, dieses auch abzurufen.

Ein "Seuchenwinter" für die Langläufer

Jochen Behle, Bundestrainer Langlauf, hat nach einer von vielen Krankheiten geprägten Saison jedoch Bedenken.

"So etwas habe ich noch nie erlebt", sagt er über den "Seuchenwinter", der alle Topläufer zweitweise flachlegte.

"So wie es bisher gelaufen ist, müssen wir doch froh sein, dass wir fast alle rechtzeitig gesund bekommen haben", sagt Behle. Seine gebeutelten Langläufer will er daher dosiert einsetzen, der Fokus liegt auf den Team-Entscheidungen.

Sorgenkind Sachenbacher

Das gilt insbesondere für die Frauen um Evi Sachenbacher-Stehle. Die zweimalige Olympiasiegerin selbst spricht von einer "absolut verteufelten Saison" mit einigen Infekten und einer Nahrungsmittelunverträglichkeit, die aber mittlerweile behoben ist.

Bei der Generalprobe am Samstag in Drammen reichte es gleichwohl nur zu Platz 50. (DATENCENTER: Ergebnisse Skilanglauf)

Ausgerechnet die nach dem Rücktritt von Teamsprint-Olympiasiegerin Claudia Nystad erfahrenste Athletin ist "unser größtes Sorgenkind", sagt Behle: "Es bleiben viele Fragezeichen."

Das gilt auch für Axel Teichmann und Tobias Angerer, die nach kranheitsbedingten Ausfällen zuletzt immerhin aufsteigende Form zeigten. "Ich fahre nicht nach Oslo, um Fünfzehnter oder Zwanzigster zu werden", sagt Teichmann kämpferisch.

Schuster will eine Medaille

Einkalkulieren kann der DSV eine Langlauf-Medaille aber kaum, umso mehr kommt es deshalb auf die Skispringer an.

"Das Minimalziel ist eine Medaille", sagt Werner Schuster, obwohl Edelmetall in beiden Teamwettbewerben realistisch ist.

Dazu hat Michael Uhrmann gute Chancen auf der Normalschanze - und dann ist da ja noch Freund. "An guten Tagen kann er alle schlagen", sagt Schuster über den zweimaligen Saisonsieger.

Hoffen auf "Mister WM"

Pfüller allerdings warnt: "Man sollte Severin nicht den Rucksack mitgeben, Medaillenkandidat Nummer eins zu sein. Da gibt es andere."

Auch Martin Schmitt?

"Martin ist Mr. WM, in Oslo kann der Knopf aufgehen", sagt Schuster.

Die erste Springer-Medaille könnte der DSV schon am zweiten WM-Tag gewinnen - bei den Frauen. Bei 17 Springen flogen sie fünfmal aufs Podium, Bundestrainer Daniel Vogler aber meint: "Uns fehlt eine absolute Siegspringerin."

Kombinierer mit Kaltstart

Auch die Kombinierer standen in dieser Saison noch nicht ganz oben - dass sie nicht mit den größten Erwartungen an den Holmenkollen kommen, liegt aber an der erzwungenen Wettkampfpause.

"Das ist gerade für unsere junge Mannschaft nicht einfach: Es fehlen die Erfolgsbestätigungen aus den Wettbewerben", sagt Hermann Weinbuch. (DATENCENTER: Ergebnisse Nordische Kombination)

Zwei Teammedaillen und eine im Einzel sollen es aber sein.

Norwegen hofft auf Goldregen

Ganz andere Ansprüche haben die Gastgeber. Mit neun Goldmedaillen soll bitteschön ein neuer Rekord her, fordern die Medien.

"Das norwegische Volk erwartet Gold nicht, es verlangt Gold", sagt die dreimalige Olympiasiegerin Marit Björgen.

Sie und Doppel-Olympiasieger Petter Northug sind die größten Hoffnungen der langlaufverrückten Nation, die sich die WM-Anlagen rund 250 Millionen Euro hat kosten lassen.

Der Anspruch ist simpel, aber hoch: Oslo soll die besten Ski-Weltmeisterschaften der Geschichte austragen.

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