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Den Schanzenrekord am Holmenkollen hält der Österreicher Andreas Kofler mit 139,5 m © imago

Es soll die beste Ski-WM aller Zeiten werden. Doch schon bei der Einweihung kommt es zu einem Eklat - dank einem Norweger.

Oslo - Am Anfang stand ein Eklat.

"Verräter" nannten Norwegens Zeitungen den Skispringer Björn Einar Romören, er habe "den heiligen Holmenkollen" entweiht.

Romören, immerhin Olympia-Dritter von 2006, hatte einen Tag vor der offiziellen Eröffnung ohne Ankündigung den ersten Sprung auf der renovierten Schanze gewagt.

Eine Ehre, die eigentlich einer Frau vorbehalten war:

Skispringerin Anette Sagen hatte sich in einer eigens durchgeführten Abstimmung durchgesetzt - knapp vor Romören.

Feministinnen liefen Sturm, Romören entschuldigte sich wortreich, doch da war es bereits zu spät. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

"Das Mekka des Skisports"

Auf keiner anderen Schanze der Welt hätte diese Episode einen solchen Wirbel verursacht. Doch der Osloer Hausberg ist den Norwegern so heilig wie die Gemälde von Edvard Munch oder der Brunost, der braune Ziegenkäse mit Karamellgeschmack.

"Der Holmenkollen ist das Mekka des Skisports", sagt nicht nur DSV-Generalsekretär Thomas Pfüller vor der nordischen Ski-WM (alle Wettkämpfe im LIVE-TICKER), die am Mittwoch eröffnet wurde und bis 6. März dauert.

Die Veranstalter sprechen gar von der bekanntesten Sportanlage der Welt nach Wimbledon und Wembley.

Die beste Ski-WM der Geschichte

Seit 1892 wird auf dem Hügel mit dem atemberaubenden Blick über den Oslofjord schon gesprungen.

1952 fanden hier Olympische Winterspiele statt, nun stehen die vierten Weltmeisterschaften nach 1930, 1966 und 1982 an.

In der Wiege des Skisports ist die Tradition spür- und greifbar. Und doch ist seit März 2010 alles neu an der ältesten Schanze der Welt: 250 Millionen Euro hat die Komplett-Renovierung der Anlage gekostet, Unmengen an Stahl und Beton wurden seit Oktober 2008 verbaut.

Viel Geld für ein ehrgeiziges Ziel: Die beste Ski-WM der Geschichte soll es werden, heißt es immer wieder selbstsicher.

Uhrmann verlängert Karriere

Stolze 300.000 Zuschauer werden an elf Wettkampftagen erwartet, die Gastgeber hoffen auf die Rekordzahl von neun Goldmedaillen. Schon jetzt ist klar: Oslo steht nicht nur ein Sport-, sondern ein wahres Volksfest bevor.

"Diese Begeisterung ist einmalig. Es herrscht einfach eine besondere Atmosphäre", sagt der deutsche Skisprung-Oldie Martin Schmitt, für den es die letzte Großveranstaltung werden könnte: "Diese WM hat trotz der langen Karriere einen hohen Stellenwert für mich."

Auch andere Top-Athleten wie Schmitts Teamkollege Michael Uhrmann oder Titelverteidiger Andreas Küttel (Schweiz) haben ihr Karriereende extra wegen Oslo verschoben. Nach Olympia in Vancouver blieben die sonst üblichen Abschiede weitgehend aus, jeder will das Highlight in Norwegen noch mitnehmen.

"Die Wiege der Nordischen Kombination"

Neu gestaltet sind am Holmenkollen auch die Loipen, die sich rund um die berühmte Großschanze und ihre 500 Meter entfernte kleine Schwester Midtstubakken schlängeln. Längere Anstiege gibt es, das Profil ist insgesamt anspruchsvoller geworden.

"Es wurde viel Erde bewegt", sagt Tino Edelmann, der als Kombinierer sämtliche neuen Anlagen erleben wird und seine Vorfreude kaum verheimlichen kann: "Oslo ist das Wimbledon des nordischen Skisports, die Wiege der Nordischen Kombination."

"Vergleichbar mit einer Fußball-WM"

Den WM-Start kaum erwarten können auch die Fans. Bei Temperaturen von minus 14 Grad haben die ersten Hartgesottenen bereits ihre Zelte im Schnee aufgeschlagen, geheizt wird mit kleinen Öfen.

"Das ist vergleichbar mit einer Fußball-WM in Brasilien oder einer Etappe der Tour de France hinauf nach L'Alpe d'Huez", sagt Olympiasiegerin Evi-Sachenbacher-Stehle.

Oslo ist bereit - jetzt kann nur noch der Wettergott das erhoffte Spektakel verhindern. Am Dienstag titelte die Tageszeitung "Dagbladet": "Nebel-Gefahr zum WM-Start."

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