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Wolfgang Maier ist Alpindirektor des Deutschen Skiverbandes (DSV) © imago

Sechs neue Disziplinen, davon drei Team-Wettbewerbe, wird es in Sotschi geben. Nur die Alpinen haben kaum Grund zur Freude.

München/London - Als Horst Hüttel die frohe Botschaft aus London erreichte, "habe ich gejubelt".

Mit der Aufnahme des Frauen-Skispringens in das Programm der Olympischen Winterspiele hat der sportliche Leiter des Deutschen Skiverbandes nach jahrelanger Frustration endlich das Ziel erreicht:

Ab 2014 sind seine Athletinnen olympisch.

"Das hat bei uns für große Freude gesorgt. Diese Perspektive haben wir uns über Jahre gewünscht", sagte Hüttel.

In einer wahren Frischzellenkur hat die Exekutive des Internationalen Olympische Komitees in London neben dem Frauen-Skispringen fünf weitere Disziplinen für Sotschi 2014 aufgenommen:

Kein Ski-alpin-Mannschaftswettbewerb

Ski-Halfpipe Männer und Frauen, Biathlon-Mixed-Staffel, die Rodel-Staffel und den Mannschaftswettbewerb im Eiskunstlauf.

Der alpine Mannschaftswettbewerb sowie Slopestyle (Snowboard und Ski) blieben zunächst außen vor, könnten bis Anfang Juni aber noch dazukommen.

Nordische Kombi auch für Frauen

Nach der Aufnahme des Skispringens der Frauen ist die Nordische Kombination nun die letzte olympische Winter-Disziplin, die den Männern vorbehalten bleibt. Das muss aber nicht ewig so bleiben.

"Wir haben im Schüler-Cup deutschlandweit 15, 20 Mädchen, die mitkombinieren. Frauen sind im Langlauf und im Skispringen olympisch. Warum also nicht irgendwann auch in der Kombination?", sagt Hüttel.

Deutsche Dominanz weg

IOC-Präsident Jacques Rogge kündigte eine Prüfung der Aufnahme für künftige Spiele - womöglich schon 2018 - bereits an. Frauen-Kombination sei Zukunftsmusik, betonte Hüttel jedoch, die Gegenwart heiße Frauen-Skispringen.

"Wir müssen schnellstmöglich die Weichen stellen, damit wir in Sotschi um die Medaillen mitspringen", sagt er.

In Kürze will Hüttel einen Runden Tisch einberufen, "um das gemeinsame Vorgehen" zu besprechen. Im vergangenen Winter sei klar geworden, "dass unsere Dominanz verlorengegangen ist".

Genau das aber hat beim IOC den Ausschlag gegeben für die Aufnahme: Dass nicht mehr nur ein paar Nationen die Wettkämpfe bestimmen.

[kaltura id="0_l53lhbz2 " class="full_size" title="Wir sagen Ja zu M nchen 2018 "]

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Olympia ist nicht gut genug"

Seit 2006, als das IOC die Aufnahme für 2010 ablehnte, ist die Zahl der Springerinnen im Continentalcup von 83 aus 14 Ländern auf 182 aus 18 Nationen gestiegen.

Bei der WM in Oslo waren zwei Länder und sieben Athletinnen mehr dabei als bei der Premiere 2009.

Im kommenden Winter wird es zudem erstmals einen Sprung-Weltcup geben, auch das Fernsehen soll so im Entwicklungsprozess mitgenommen werden.

"Olympia ist schön und gut - aber nicht genug", sagt Hüttel: "Wir brauchen auch TV-Zeiten, um weiterzukommen."

Falsche Prioritäten gesetzt?

DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier ist immer mal wieder im Fernsehen zu sehen - der alpine Teamevent wird es 2014 in Sotschi vorerst nicht sein.

"Da bin ich schon ein bisschen enttäuscht. Von allen Wettbewerben, die zur Auswahl standen, ist der Mannschaftswettbewerb der attraktivste", sagte Maier.

Dass künftig in der Halfpipe auch Ski gefahren wird, nahm er mit gemischten Gefühlen auf.

"Das ist eine trendige Sportart, mit der sie gewisse Verkrustungen rausnehmen und die jungen Leute ansprechen wollen. Aber diese Disziplinüberhäufung ist für einen Verband, der nicht durch die öffentliche Hand gefördert wird, heftig. Wir müssen uns genau überlegen, wo wir Prioritäten setzen wollen."

Umkämpfte Entscheidungen bei Mixed-Staffel

Biathlon-Cheftrainer Uwe Müßiggang begrüßte die Aufnahme der Mixed-Staffel dagegen vorbehaltlos. Wer den Wettkampf bei der letzten WM erlebt habe, "weiß, wie spektakulär er sein kann", sagte er. 359851(DIASHOW: Die Bilder der Biathlon-WM)

Auch bei den Athleten sei die Staffel "sehr beliebt und hat einen hohen Stellenwert. Die Medaillen werden sehr hart umkämpft sein, weil auch kleinere Nationen eine Chance haben."

Teamgeist wird gestärkt

Ähnlich begeistert nahm Rodel-Olympiasieger Felix Loch die Aufnahme der Staffel auf. "Das ist eine super Sache. Die Staffel hat mir immer Spaß gemacht. Außerdem ist das für mich eine weitere Chance auf eine Medaille bei Olympia", sagte er.

Beim jüngsten WM-Teamwettbewerb gab es jedoch eine technische Panne, wegen der die Staffel abgebrochen werden musste.

Die Eiskunstläufer haben ihren Mannschaftswettbewerb noch gar nicht bei einer WM getestet. Der deutsche Meister Peter Liebers aber hält ihn nach einem Test 2009 in Tokio für "eine gute Sache, besonders deshalb, weil so der Teamgeist gestärkt wird".

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