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Jan Bokloev war der erste Schwede, der ein Weltcupspringen gewann © imago

Revolutionär Jan Boklöv kehrt zur Vierschanzen-Tournee zurück. Der Erfinder des "V-Stils" wird neue Galionsfigur.

Oberstdorf - Der V-Mann kehrt bei der Vierschanzentournee nach über 15 Jahren ins Skispringen zurück und er freut sich wie ein kleines Kind auf den großen Moment.

"Es ist wie Weihnachten für mich. Ich weiß überhaupt noch gar nicht, was mich erwartet", sagt Jan Boklöv mit zitternder Stimme dem "Sport-Informations-Dienst".

Der Flug-Revolutionär, der einst per Zufall den modernen V-Stil entdeckte, unterstützt das schwedische Skisprung-Team mit dem deutschen Trainer Wolfgang Hartmann.

Zwischen Glücksbringer und Teammanager

Für die neue Aufgabe "zwischen Glücksbringer und Teammanager" bringt Jan Boklöv viel Herzblut, aber keine Ahnung vom modernen Skispringen mit.

Die Weltcups vor der Tournee konnte er im Fernsehen nicht sehen, "weil ich daheim kein Eurosport empfangen kann".

Er freut sich, alte Weggefährten wie Jens Weißflog ("Boklöv hat eine Revolution zu verantworten") zu sehen, vermag aber keine Favoriten für den Gesamtsieg zu nennen: "Der beste Mann wird gewinnen. Und alle springen noch in dem Stil, den ich einst erfunden habe."

Mit der Sportart abgeschlossen

Nicht mal seinen Söhnen Joel (13) und Jonas (10) hat er Videos von seinen spektakulären Flügen gezeigt, mit denen er vor über zwei Jahrzehnten die Skisprung-Welt verändert hat.

Der ehemalige Gesamtweltcupsieger, der am 4. Januar 1989 in Innsbruck auch ein Tourneespringen gewann, hatte nach seinem stillen Rücktritt mit seiner Sportart abgeschlossen. Ohne Kompromisse, wie Boklöv sein ganzes Leben gelebt hat.

Mit zehn trat bei dem rothaarigen Jungen erstmals eine Epilepsie auf, doch das konnte ihn nicht von seinem geliebten Skisprung-Sport abhalten.

Ein "V" aus Angst

Er war eher mittelmäßig, doch eines Tages spreizte er bei einem Training in Falun die Beine - wohl aus Angst vor einem Sturz zu einem V. "Es ist mir einfach so passiert. Und ich bin viel weiter als erwartet geflogen", erzählt Boklöv von dem großen Moment.

Er entschloss sich, immer so zu springen, und weil es keine Erfahrungen mit dem V-Stil gab, stürzte er oft. Immer wieder rappelte er sich auf, überwand den Widerstand der traditionellen Regelhüter im Internationalen Skiverband und bekam mit fünf Weltcup-Siegen eine kleine Belohnung für all seine Mühen.

Als der junge Finne Toni Nieminen 1992 im "Boklöv-Stil" in Albertville zweimal Olympiasieger wurde, landete der Erfinder nur auf Platz 47 und beendete ein Jahr später seine Karriere.

Von der Schanze in den Kindergarten

Boklöv arbeitete danach lange als Kindergärtner ("Ich liebe es, mit Kindern zu arbeiten, weil sie nie lügen"), denn im schwedischen Skiverband wollten sie von ihrem ersten Skisprung-Weltcupsieger der Geschichte nichts mehr wissen.

"Vielleicht waren sie zu stolz, vielleicht war ich zu ihnen zu ehrlich oder vielleicht war es ihnen einfach egal", meint Boklöv. Erst der Deutsche Wolfgang Hartmann brach das Eis.

"Jan ist eine der größten Figuren der Skisprung-Geschichte, er soll unsere Jungs mit Tipps aufbauen", sagt Hartmann. Sein Team springt der Weltspitze regelmäßig weit hinterher, die Springer sind Amateure mit 400-Euro-Jobs. Hartmann: "Im Prinzip sitzen die Sonntag auf dem Balken und wissen nicht, wie sie Montag das Essen bezahlen sollen."

Galionsfigur Boklöv

Nun soll die Galionsfigur Boklöv helfen, schließlich hat er es einst von ganz unten nur mit seinen verrückten Ideen bis an die Weltspitze geschafft.

Nach Weihnachten mit seiner Frau Jorun und den beiden Söhnen in Luxemburg wird Jan Boklöv am 27. Dezember in Oberstdorf zur Tournee anreisen: "Dann kommt die Bescherung. Ich freue mich unglaublich - endlich bin ich in meinem Skispringen zurück."

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