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Björn Kircheisen (r.) gewann bislang bei Olympia zwei Silbermedaillen © imago

In Whistler schneiden die DSV-Starter gut ab. Dennoch hagelt es Kritik von Jochen Behle am Austragungsort von Olympia 2010.

München - Vier Podestplätze für das deutsche Team, aber viel Kritik an den Olympia-Organisatoren:

Bei der Generalprobe für die Winterspiele 2010 im kanadischen Whistler gab es Licht und Schatten.

Kombinierer Björn Kircheisen jubelte über die Plätze drei und zwei, obwohl er seinen dritten Saisonsieg nur um 0,4 Sekunden verpasst hatte.

Bei den Langläufern erreichten Stefanie Böhler und Nicole Fessel Platz zwei im Teamsprint.

So weit vorne in dieser Disziplin waren in einem Weltcup nur Manuela Henkel und Evi Sachenbacher-Stehle als Zweite am 24. Oktober 2004 in Düsseldorf gelandet.

Und Josef Wenzl bestieg als Dritter im Sprint zum zweiten Mal in seiner Karriere das Podest.

"Für Olympia reicht das nicht"

"Sportlich ist die Bilanz mehr als zufriedenstellend", sagte Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle und schimpfte über die Anlage im landschaftlich wunderschönen gelegenen Whistler Olympic Park:

"Für einen Weltcup mag das gehen, aber für Olympia reicht das nicht. Das ist alles ein bisschen zu klein angelegt, und wenn noch mehr Zuschauer kommen, wird das hier alles sehr kompliziert."

John Furlong, Chef des Olympia-Organisationskomitees VANOC, hatte den Wettkampfort für alle nordischen Disziplinen und Biathlon zuvor als einen der "besten in der ganzen Welt" gelobt.

"Wir wollen 2010 die besten Olympischen Spiele anbieten", sagte Furlong.

Massive Finanznöte

Vancouver befindet sich allerdings gerade in der größten Krise in der Olympia-Vorbereitung, weil die Stadt wegen eines drohenden Baustopps im Olympischen Dorf einen Kredit von 485 Millionen Euro aufnehmen muss.

Kircheisen durfte dennoch 9500 Schweizer Franken Preisgeld mitnehmen.

Der Kombinierer aus Johanngeorgenstadt hat nach seinen beiden Podestplätzen nur noch einen Wunsch: "Es wäre super, wenn ich bei Olympia dann Erster werde - aber so einfach ist das leider nicht."

Kircheisen meinte trotz des knapp verpassten dritten Saisontriumphs zufrieden: "Das passt schon alles."

Irrer Sprint von Kircheisen

Schließlich hatte sich auch für seinen extra angereisten Vater Steffen der teure Trip nach Übersee gelohnt, denn sein Sohn zeigte zwei großartige Laufleistungen.

Beim zweiten Wettbewerb stürmte er mit der besten Zeit des gesamten Feldes noch von Platz elf auf zwei nach vorn.

Im Zielspurt unterlag Kircheisen um eine Skilänge gegen seinen Erzrivalen Magnus Moan (Norwegen).

Tags zuvor hatte der als Zwölfter in den Langlauf gestartete Kircheisen im Sprint um Platz drei noch die Nase gegen Moan vorn gehabt.

Edelmann und Haseney unter Top 10

Den starken deutschen Auftritt in Kanada komplettierten Tino Edelmann auf den Plätzen sechs und sieben, der läuferisch ebenfalls überragende Sebastian Haseney als Neunter und Zehnter.

"Das gibt Hoffnung für die WM, da hoffen wir dann auf Gold mit dem Team an", meinte Bundestrainer Andreas Bauer mit Blick auf die in einem Monat beginnenden Titelkämpfe in Liberec.

Ackermann und Teichmann fehlen

Weltmeister Ronny Ackermann fehlte in Whistler genau wie Langlauf-Champion Axel Teichmann.

So standen vor allem Böhler/Fessel im Mittelpunkt.

"Einfach sensationell", meinte die mit 4000 Schweizer Franken belohnte Böhler nach Platz zwei 9,9 Sekunden hinter Italien:

"Das waren Supertage hier. Sonne, ein Podestplatz und das in diesem schönen Land Kanada."

Ein vergleichbares deutsches Weltcup-Resultat im Frauen-Teamsprint hatte es nur am 24. Oktober 2004 gegeben, als Manuela Henkel und Evi Sachenbacher-Stehle in Düsseldorf auf Platz zwei gelandet waren.

Böhler landet auf Rang fünf

Wenzl war er eine Zehntelsekunde hinter Iwan Iwanow zunächst auf Platz vier gelandet, doch dann wurde der Russe wegen verbotener Skatingschritte disqualifiziert.

Ein weiteres Topresultat für das deutsche Notquartett ging auf das Konto von Stefanie Böhler, die nach ihrem fünften Platz im 15-km-Jagdrennen mit der Sonne um die Wette strahlte.

Behle hat mit Blick auf Olympia in einem Jahr allerdings Bedenken: "Bei anderen Winterspielen war alles dreimal so groß."

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