Hohe Ambitionen in der Nach-Neuner-Ära
Aus Herzogenaurach berichtet Rainer Nachtwey
Herzogenaurach - Sie stach allein optisch aus der Menge heraus.
In Strickjacke und Jeans nahm Magdalena Neuner die Auszeichnung mit dem Goldenen Ski inmitten ihrer ehemaligen Teamgefährten im neuen DSV-Dress entgegen - ein letzter Auftritt, der mit der aktiven Biathlon-Karriere verbunden ist.
Bei der Einkleidung des Deutschen Skiverbandes wurde die zurückgetretene langjährige Frontfrau im deutschen Biathlon geehrt.
"Sie hat eine Abschiedsvorstellung hingelegt, die ihres Gleichen sucht", lobte DSV-Präsident Alfons Hörmann die vergangene Saison der Gesamtweltcupsiegerin und Doppelweltmeisterin.
Neuner genießt "neue Lebensqualität"
Neuner, die nachwievor die Kameraobjektive auf sich zog, sagte: "Ich mache immer noch viel Sport. Wenn auch nicht mehr in den gleichen Umfängen wie vor einem Jahr."
Vielmehr genießt sie die Normalität: "Das ist schon eine Art neue Lebensqualität."
Neben ihr zeichnete Hörmann auch Viktoria Rebensburg, Fritz Dopfer (beide Ski alpin), den Biathleten Andreas Birnbacher, Katrin Zeller und Tobias Angerer im Langlauf, Kombinierer Tino Edelmann, im Skispringen Ulrike Gräßler und Richard Freitag sowie die Ski Crosserin Julia Eichinger aus.
DSV setzt hohe Ziele
Aber auch ohne die einstige Vorzeigedame im deutschen Wintersport meldete der DSV für die kommende Saison mit den Weltmeisterschaften im Ski alpin in Schladming (4. bis 17. Februar 2013), im Biathlon in Nove Mesto (7. bis 17. Februar 2013) und der nordischen WM in Val die Fiemme (20. Februar bis 3. März 2013) anspruchsvolle Ziele an.
"15, 16 Medaillen sind das Ziel", gab Generalsekretär Thomas Pfüller die Erwartungshaltung für den vorolympischen Winter vor ( DATENCENTER: Der Weltcup-Kalender 2012/13).
Neuners Lücke schwer zu füllen
Dabei entfielen sechs auf die Biathlon-Wettbewerbe, sechs für die nordischen Wettkämpfe Kombination, Langlauf und Skispringen, sowie vier im alpinen Bereich mit Ski Cross.
Die ambitionierten Ziele sind für Pfüller nicht zu hochgegriffen.
"Leistungsmäßig sind wir so aufgestellt, dass wir perspektivisch sogar bis 2018 in der Lage sein sollten, mit unseren aktuellen Athleten das Niveau in der Weltspitze mitzubestimmen", sagte der Generalsekretär und Sportdirektor Nordisch in einer Person.
Allerdings weiß er auch, dass es gilt, bei den Biathlon Damen eine "Lücke schließen, die durch den Rücktritt von Magdalena Neuner entstanden ist. Wir sind uns alle im Klaren, dass dies sicher nicht vollständig gelingen wird".
Neu-gegründetes Nationalteam
Zudem gab der Verband die Kooperation mit der freien Freeski-Szene bekannt, die den Aktiven in der neu gegründeten Nationalmannschaft Freeski eine bessere Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Sotschi ermöglichen sollen.
"Es ist alles strukturierter, professioneller. Dadurch wird der ganze Sport vorangetrieben", sagte Freeskier Bene Mayr.
Das Herausstellungsmerkmal, Skisportland Nummer eins zu sein, hat der DSV auch im kommenden Winter inne.
"Mit 31 Weltcup-Tagen in sechs unterschiedlichen Disziplinen behält Deutschland seine internationale Spitzenstellung als Gastgeber von Weltcupveranstaltungen", sagte Hörmann.
Erfolge als "Lebensnerv"
Trotz der gescheiterten Bewerbung für die Nordische Ski-WM 2017 in Oberstdorf, kündigte Hörmann an, Großevents des Skisports in Deutschland voranzutreiben.
Allerdings spannte Hörmann sofort wieder den Bogen zu den Athleten.
Die wichtigste Voraussetzung für gelungene Wettkämpfe sei nicht die Organisation allein: "Die Erfolge unserer Sportler sind der Treibstoff und Lebensnerv unseres gesamten Verbandes."
Am besten hilft dabei ein Athlet oder eine Athletin, die auch nach ihrem Karriere-Ende die Kameraobjektive scharenweise auf sich zieht.


