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Ronny Ackermann wurde 2005 und 2007 Kombinations-Weltmeister © imago

Zwei DSV-Asse dürfen zum Auftakt der Nordischen Ski-WM nicht ran. Eine Skispringerin stürzt, eine andere ist krankenhausreif.

Liberec - Im nordböhmischen Wintermärchen von Liberec träumen die deutschen Ski-Asse mit Kombinations-Titelverteidiger Ronny Ackermann an der Spitze von einem glanzvollen WM-Auftakt.

Die Organisatoren gerieten angesichts der Schneemassen am Tag der Eröffnungsfeier noch einmal mächtig ins Schwitzen, sorgten aber auch dank einer Nachtschicht der Einsatzfahrzeuge für ordentliche Verhältnisse auf Straßen und Loipen.

An der Schanze wirbelte der böige Wind das Trainingsprogramm freilich mächtig durcheinander.

Stürze und eine Schutzsperre

Die Frauen brachten an zwei Tagen gerade mal einen von sechs geplanten Durchgängen über die Bühne, und der dauerte bei nur 37 Springerinnen gleich mehr als zwei Stunden.

Erneut gab es durch eine erst 15-jährige Tschechin einen Sturz bei der peinlichen Weite von 38 Metern, Lucie Mikova musste wegen Knieschmerzen sogar ins Krankenhaus gebracht werden.

Ebenfalls unschön: Die Schwedin Britta Norgren fiel als erste Läuferin mit überhöhtem Hämoglobinwert auf und wurde mit der üblichen Schutzsperre von fünf Tagen belegt.

Denkpause für Sachenbacher und Nystad

Die erste deutsche WM-Überraschung war die Nichtnominierung der Skilanglauf-Olympiazweiten Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Nystad für das 10-km-Klasssikrennen am Donnerstag.

Den Startschuss für die von Sportdirektor Thomas Pfüller geforderten "sechs bis acht Medaillen" soll am ersten Finaltag Ackermann geben.

"Ronny fühlt sich gut, alle vier Burschen sind nah am Stockerl dran", sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch vor der WM-Premiere des Massenstartwettbewerbs: "Ein starker Auftakt wäre natürlich ein schönes Signal. Bei Ronny steht noch immer ein Fragezeichen hinter seiner Leistungsfähigkeit im Langlauf."

"Hier klappt alles perfekt"

Der lange von einem Virus geplagte Ackermann und Skilangläufer Axel Teichmann, dem die Ehre des Fahnenträgers zuteil wurde, sind die beiden deutschen Titelverteidiger und größten Hoffnungsträger zugleich.

"Die Devise heißt volle Attacke", meinte der viermalige Champion Ackermann. Zu ernsthaften Zweifeln an einer reibungslosen WM gibt eigentlich nur die windanfällige Schanze Anlass.

"Trotz des Schnees wird der organisatorische Ablauf klappen. Ich bin sicher, dass wir eine sehr schöne WM erleben", sagte Sarah Lewis.

Die Generalsekretärin des Ski-Weltverbandes Fis zog Parallelen zu den Alpinen: "Dort gab es im Vorfeld auch Riesenprobleme, der OK-Präsident wurde abgelöst. Und dann wurden es unglaubliche Tage. Hier in Liberec klappt alles perfekt, seit die Regierung die finanziellen Garantien übernommen hat."

Opfer der Einsatzkonzeption

Ein kleines Problem gab es durch die Schneemassen aber doch. "Wir hatten kein TV-Signal, die Satellitenschüssel war über Nacht zugeschneit, aber der Hausmeister hat das gelöst", berichtete Weinbuch.

Ansonsten war er froh, dass er seine Schützlinge im Gegensatz zu anderen Nationen am Montag beim ersten Sprungtraining nicht geschont hatte: "Wir haben doch die Erfahrung, dass dann schnell mal was ausfällt - und wir brauchen jeden Sprung."

Beim Auftakt der Skilangläuferinnen ist mit deutschen Medaillen nicht zu rechnen.

Angeblich Magen-Darm-Infekt

Cheftrainer Jochen Behle gibt für die beiden einzigen Starterinnen Steffi Böhler und Katrin Zeller Top-Ten-Plätze als Ziel aus.

Sachenbacher-Stehle und Nystad sind zwar gesund, müssen laut Einsatzkonzeption aber zuschauen. "Wachs und Glück werden bei dieser WM eine große Rolle spielen", so Behle.

Die Gesamtweltcup-24. Norgren schob derweil den hohen Anteil der roten Blutkörperchen über der erlaubten Grenze von 16,0 Gramm pro Deziliter Blut auf den Flüssigkeitsverlust durch einen Magen-Darm-Infekt. Ein zu hoher Hämoglobinwert kann aber auch ein Hinweis auf Blutdoping mit Epo sein.

Gute Aussichten auf Edelmetall

Optimistisch dürfen die Skispringerinnen vor der erstmaligen Medaillenvergabe in der Geschichte am Freitag sein.

Im ersten Training landeten Anna Häfele (97 Meter) und Ulrike Gräßler (94,5) auf den Plätzen zwei und drei hinter der zur Bestweite von 99 Meter geflogenen Französin Coline Mattel.

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