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Tobias Angerer (2. v. r.) war mit drei Medaillen erfolgreichster DSV-Athlet in Liberec © getty

Mit neun WM-Medaillen beweist der DSV, dass er weiter zu den Großmächten im nordischen Skisport gehört, auch wenn es zum großen Wurf nicht reicht.

Liberec - Erstmals seit zwölf Jahren ohne WM-Gold, aber dafür die historische Rekordbilanz von achtmal Silber und einmal Bronze für Tobias Angerer beim großen Finale - die deutschen nordischen Skiasse sind für Olympia in Vancouver gerüstet.

Neben dem fehlenden Sieger-Gen im "Schwarz-Rot-Silber-Team" trübten vor allem der "Stinkefinger"-Eklat um Claudia Nystad und der Trainerstreit im Frauen-Skilanglauf die Bilanz der Tage im Dauerschneefall von Liberec.

"Natürlich hätten wir auch achtmal Gold ausgehalten. Aber das sind die silbernen Spiele und wir können bestens damit leben. Wir haben bewiesen, dass wir eine nordische Großmacht sind. Wir sind fit für Olympia", sagte Präsident Alfons Hörmann. Sein Sportdirektor Thomas Pfüller fügte hinzu, dass "wir achtmal Silber gewonnen und nicht achtmal Gold verloren haben".

Halbe Skilänge fehlt zu Gold

Allerdings hatte es bei der letzten WM 2007 in Sapporo ebenfalls neunmal deutsches Edelmetall gegeben, davon zweimal Gold.

Es war wie verhext: Kombinierer Tino Edelmann fehlten in Liberec als Schlussläufer im Teamwettbewerb eine halbe Skilänge, Martin Schmitt im Skispringen gar nur 22 Zentimeter zum Triumph.

Schmitt sorgt für Jubelstürme

Trotzdem war der Erfolg des Routiniers nach acht Jahren ohne deutsche WM-Einzelmedaille der emotionale Höhepunkt der Titelkämpfe aus deutscher Sicht. Hörmann jubelte über "das Comeback des Jahrzehnts", Pfüller über die "wichtigste Medaille seit Jahren", weil das Skispringen das meiste Geld in die Kasse spült.

Auch wegen der Silbermedaille für Ulrike Gräßler bei der WM-Premiere der fliegenden Frauen erfüllten die Skispringer trotz des Debakels im Team ihr Soll.

Die Kombinierer bewiesen mit dreimal Silber, dass sie trotz der Formschwäche des viermaligen Weltmeisters Ronny Ackermann zur absoluten Weltspitze gehören.

Erfolgreiste Disziplin das Sorgenkind

Zur Problemdisziplin avancierten dagegen die Langläufer trotz vier Medaillen, die eine WM zwischen Trainerstreit, Technikproblemen und Stinkefinger-Eklat ablieferten.

Immerhin sorgte Tobias Angerer über 50 km für ein Happyend - 2,0 Sekunden hinter dem zum dritten Gold gelaufenen "WM-König" Petter Northug aus Norewgen, das die Nationenwertung gewann.

Stinkefinger sorgt für Aufregung

"Bei einer WM stehen Trainer und Athleten unter Spannung, da passieren auch Dinge, die man lieber vermeiden sollte. Man muss sich nicht lieben, aber man sollte einen ordentlichen Umgangston pflegen", sagte Pfüller.

Die emotionale Entgleisung von Nystad mit dem Mittelfinger gegen Bundestrainer Jochen Behle folgte ausgerechnet auf den Silbergewinn in der Staffel, der vor allem der überragenden Biathletin Miriam Gössner zu verdanken war.

Trainersystem wir überarbeitet

Dauer-Querulant Behle hatte zuvor immer wieder den wohl vor der Entmachtung stehenden Frauen-Cheftrainer Ismo Hämäläinen ("Zu weich") demontiert.

Pfüller will nach den Chaostagen von Liberec und ein Jahr vor den Olympischen Winterspielen das ganze Trainersystem beim schwachen Geschlecht ändern: "Da geht es nicht um eine Person sondern die ganze Struktur. So kann es nicht weitergehen."

Ebenso in der Kritik gerieten die Techniker, die erst in der zweiten Woche in Sachen schnelle Ski die Kurve kriegten. Pfüller: "Es fehlte eine Schleifmaschine. Aber die kann doch nicht der Generalsekretär persönlich nach Liberec transportieren".

Großes Lob für Ausrichter

Gian-Franco Kasper, Präsident des Internationalen Skiverbandes FIS, lobte die ersten nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Osteuropa seit 39 Jahren als "Meilenstein in der Geschichte".

Trotz ständigen Schneefalls und weiterer Wetterkomplikation sahen knapp 200.000 Zuschauer die Rekordzahl von 20 Wettbewerben. "Die WM war weit, weit besser als alle erwartet haben", sagte Kasper: "Nur Deutschland hätten wir noch einen Titel gewünscht."

Dafür wurde dem "Silberland" ein bisschen spöttisch der Titel als "Weltmeister der Herzen" verliehen.

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