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MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Magdalena Neuner nimmt in Vancouver eine Medaille in Angriff © getty

Im zweiten Teil des Interviews der Woche mit Sport1.de spricht Magdalena Neuner über Vancouver und immer wiederkehrende Doping-Anwürfe.

Von Rainer Nachtwey

Im zweiten Teil des Interviews der Woche mit Sport1.de spricht Magdalena Neuner über ihre Vorbereitung auf Vancouver.

Dabei ist die 22-Jährige nicht nur auf Skirollern unterwegs, sondern fährt auch häufig zwischen 70 und 90 Kilometern Rennrad.

"Die Abwechslung ist gut fürs Gemüt", gibt die Biathletin zu. Weniger hebt Neuners Stimmung dagegen die ständige Auseinandersetzung mit Doping-Vorwürfen:

"Man denkt die ganze Zeit nach, kann nicht richtig schlafen. Man hat das Gefühl, dass die ganze Welt auf einen blickt, und man kann sich nicht dagegen wehren. Das ist ein verdammt schlechtes Gefühl."

Überzeugt vom deutschen Team

Für das deutsche Team bricht Neuer eine Lanze - sie sei überzeugt, dass sich niemand unlauterer Mittel bedient.

Sport1.de: Die Olympischen Winterspiele sind in der anstehenden Saison das Highlight. Sie hatten in Vancouver mit Platz vier im Einzel, Rang zwei im Sprint und dem Sieg in der Staffel bereits sehr gute Ergebnisse. Liegt Ihnen die Strecke?

Neuner: Ich denke schon. Sie ist nicht ganz so schwer, wie ich es mir erhofft hatte, schließlich mag ich schwierige Strecken sehr gerne, aber ich habe dort gut geschossen. Das ist sehr positiv, vor allem für den Kopf. Das war eine perfekte Woche, und ich freue mich schon auf Olympia.

Sport1.de: Wie weit sind Sie mit den Vorbereitungen auf Vancouver?

Neuner: Ich trainiere bereits seit einigen Wochen. Der Urlaub war dieses Jahr sehr kurz, weil die Saison erst so spät zu Ende gegangen ist. Ich hatte nur drei Wochen Zeit, zu entspannen.

Sport1.de: Wie sieht Ihre derzeitige Vorbereitung aus?

Neuner: Die ist sehr unterschiedlich. Wir fahren viel Rennrad zwischen 70 und 90 Kilometer, dazu Krafttraining und Schießtraining, gehen viel Joggen. Also alles, was man im Sommer so machen kann. Wir sind da sehr flexibel. Es ist auch gut, dass wir nicht die ganze Zeit auf Skirollern unterwegs sind. Die Abwechslung ist gut fürs Gemüt.

Sport1.de: Bleibt einem dann mehr Freizeit?

Neuner: Es geht. Ich habe zwei freie Tage, eigentlich zwei halbe und ein ganzer. Ansonsten wird trainiert.

Sport1.de: In der abgelaufenen Saison ist das Thema Doping durch die beiden überführten Russinnen Albina Achatowa und Jekaterina Jurjewa wieder hochgekommen. Wie nimmt man das als Sportler wahr?

Neuner: Das war zu Beginn ein Schock. Es ging ja bereits die ganze Zeit hin und her. Bereits im Vorjahr sind wir Deutschen im Fokus gewesen und wurden verdächtigt. So groß der Schock auch war, so gut war es auch, dass endlich die geschnappt wurden, die auch betrügen.

Die Deutschen wurden beschuldigt, aber am Ende waren es dann doch andere, die etwas genommen haben. Ich hoffe, dass sie ihre gerechte Strafe erhalten. Für den Biathlon-Sport ist das natürlich sehr schlecht, aber es ist auf der anderen Seite gut, dass die WADA, die NADA und die IBU gute Arbeit geleistet haben und endlich jemanden rausgeholt haben.

Sport1.de: Wie sind Sie damals damit umgegangen, als die deutsche Mannschaft in Verdacht geriet?

Neuner: Das war schwierig, weil man sich nicht dagegen wehren konnte. Wir können schon sagen, wir machen nichts, wir sind sauber, ihr könnt uns jederzeit kontrollieren, aber wir hatten immer das Gefühl, uns wird eh nicht geglaubt. Man hat keine Chance, sich freizusprechen. Aber es gibt bei uns keinen Fall. Und ich behaupte auch, dass keiner von uns etwas nimmt. Die Arbeit der Anti-Doping-Agenturen ist mittlerweile sehr gut, und sie ziehen diejenigen heraus, die dopen.

Sport1.de: Belasten solche Behauptungen das Team?

Neuner: Auf jeden Fall. Es gab letztes Jahr bei der WM Situationen, bei denen bestimmte Leute verdächtigt wurden. Und das auch noch an Wettkampf-Tagen. Da kann man sich dann schon vorstellen, wie die Wettkämpfe gelaufen sind - nicht besonders gut. Man denkt die ganze Zeit nach, kann nicht richtig schlafen. Man hat das Gefühl, dass die ganze Welt auf einen blickt, und man kann sich nicht dagegen wehren. Das ist ein verdammt schlechtes Gefühl.

Sport1.de: Mit welchen Erwartungen gehen Sie nun in die anstehende Saison?

Neuner: Bis jetzt habe ich noch nicht so große Erwartungen. Die letzte Saison ist ja gerade erst vorbei. Natürlich möchte ich wieder eine erfolgreiche abliefern, mit guten Platzierungen im Weltcup. Diese Saison steht Olympia im Mittelpunkt. Es wäre falsch zu sagen, ich möchte nur einfach dabei sein. Dabei sein, ist viel, aber nicht alles. Ich möchte schon gerne eine Einzelmedaille holen. Am besten natürlich die goldene.

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