vergrößernverkleinern
Andreas Birnbacher wurde 2008 Weltmeister in der Mixed-Staffel © getty

Ein Trio sorgt für Zoff im deutschen Biathlon-Lager. Im Interview bestätigt Andi Birnbacher Konflikte mit dem Bundestrainer.

Von Wolfgang Kleine und Michael Spandern

München - Die Extratour überraschte und offenbarte Zerwürfnisse in der seit Jahren harmonischen deutschen Biathlon-Welt.

Olympiasieger Michael Greis, Andreas Birnbacher und Daniel Graf weichen in der Vorbereitung dem Training mit der Mannschaft und Bundestrainer Frank Ullrich aus.

Von zwischenmenschlichen Problemen des starrköpfigen Ullrich und seiner Schützlinge war zu hören.

"Es gab Ärger"

Im Sport1.de-Interview verrät Birnbacher die Gründe. "Es gab Ärger", sagt der 26-jährige Mixed-Staffel-Weltmeister von 2008. Beim Volksfest in Erding legt er sich im Zelt der dortigen Brauerei auch auf seine Saisonziele fest.

Wie Olympiasieger Michael Greis und Daniel Graf hat sich Andreas Birnbacher vom Training mit dem Bundestrainer abgespalten. Im Sport1.de-Interview nennt er die Gründe.

Sport1.de: Herr Birnbacher, es hat Probleme in der Mannschaft gegeben. Sie haben sich mit Daniel Graf und Michael Greis von der Trainingsgruppe abgespalten und trainieren jetzt alleine. Wie hat der Bundestrainer Frank Ullrich von Ihrer Extratour erfahren?

Andreas Birnbacher: Wir haben ihm das in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt. Er war nicht so begeistert, hat es aber gefasst aufgenommen. Es hat schon immer ältere Athleten gegeben, die ihren eigenen Weg gehen wollten.

Sport1: Wie sieht die Finanzierung für diesen Weg aus?

Birnbacher: Der DSV finanziert die Lehrgänge vollständig.

Sport1: Welche Gründe waren für Sie ausschlaggebend für die getrennte Vorbereitung?

Birnbacher: Es ist so, dass wir an unserem Stützpunkt eine andere Trainingsphilosophie verfolgen, die wir die letzten Jahre auch versucht haben durchzusetzen. Aber das ist mit so einer großen Mannschaft natürlich schwierig. Man kann oft nicht so trainieren, wie man das möchte. Wir haben uns deshalb ein wenig von der Gruppe abgespalten. Wir sind erst wieder beim letzten Lehrgang vor dem Weltcup, also beim Schnee-Lehrgang in Finnland, bei der Mannschaft.

Sport1: Gab es auch persönliche Differenzen mit dem Bundestrainer? Auch von höherer Stelle wurde versucht, das zu regeln.

Birnbacher: Dazu möchte ich jetzt nichts sagen, weil es mir in erster Linie um die sportliche Seite geht. Aber es gibt immer wieder mal Probleme in der Mannschaft. Da gibt es eben auch Ärger und das war der Fall. Aber ich glaube nicht, dass das im Winter ein Problem wird. Wir werden sehen, wie es dann läuft. Ich denke jedoch, wir haben geklärte Fronten.

Sport1: Was ist der Unterschied zwischen der Trainingsmethode die Frank Ullrich bevorzugt und der Methode, die sie vorziehen? Sie sagten, es wäre in der Dreiergruppe auch ruhiger.

Birnbacher: Wir sind ja eigentlich nicht zu dritt, sondern sechs Leute. Es sind noch mehr Leute von unserem Stützpunkt dabei. Wir finden die Ruhe, die wir gesucht haben, mit wenigen Leuten einfach besser. Von der Trainings-Philosophie ist es so, dass wir mehr auf Grundlagen setzen und nicht auf die hohen Intensitäten, die oft im Lehrgang trainiert werden. Wir wollen einfach mehr Qualität ins Training bringen.

Sport1: Haben sie mit dieser Methode persönlich schon Erfahrungen gemacht, oder ist das eher ein Test?

Birnbacher: Wir erfinden nicht das Rad neu. Es sind Kleinigkeiten, die wir versuchen zu ändern. Wir haben auch schon in den letzten Jahren bei den Lehrgängen unterschiedlich trainiert. Aber das ist schwierig in der Mannschaft, weil man immer von den Trainern und auch von den nötigen Fahrzeugen abhängig ist.

Sport1: Welche Chancen rechnen sie sich in der kommenden Saison aus und worauf richten sie hauptsächlich ihr Augenmerk?

Birnbacher: Grundsätzlich ist es so, dass ich im Weltcup in jedem Rennen gut sein möchte. Aber das Hauptaugenmerk ist dieses Jahr natürlich auf die WM in Korea gerichtet. Da ist es mein Ziel, eine Medaille zu holen. Und auch im Gesamtweltcup will ich mich verbessern.

Sport1: Die Trainingsumfänge sind bei ihnen größer, wenn mehr auf Grundlagen und Ausdauerarbeit gesetzt wird. Wie sieht so ein Trainingstag aus?

Birnbacher: Wir beginnen morgens mit 40 bis 50 Kilometer "Rollern". Das Training am Nachmittag ist individuell auf jeden abgestimmt. Man joggt, fährt Rad oder absolviert Krafteinheiten.

Sport1: In welchem Wettbewerb erhoffen sie sich in Korea die größeren Chancen auf das Podest? Auf der längeren Distanz oder beim Sprint?

Birnbacher: Im Biathlon ist es nicht so, dass man sich auf eine Disziplin spezialisiert, weil doch alles ziemlich identisch ist. Der 20-km-Lauf ist zwar doppelt so lang wie der Sprint, aber man bewegt sich fast in der identischen Geschwindigkeit. Mir persönlich liegen jedoch die Verfolgung und der Massenstart am meisten.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel