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Ungeachtet seiner angeblichen Verstrickung ins DDR-Dopingsystem bleibt Ullrich im Amt © getty

Trotz angeblicher Verstrickung ins DDR-Dopingsystem belässt der DSV Frank Ullrich im Amt. Dafür geht ein Stützpunktcoach.

Leipzig - Persilschein für Biathlon-Bundestrainer Frank Ullrich:

Der 51-Jährige bleibt nach Abschluss einer Überprüfung durch die Untersuchungskommission des Deutschen Skiverbandes (DSV) auf seine Verstrickung in das DDR-Dopingsystem im Amt.

Damit kann Ullrich die Vorbereitung mit dem Männer-Team auf die Olympischen Winterspiele in Vancouver im Februar 2010 fortsetzen.

Das fünfköpfige Gremium unter Vorsitz von DSV-Vizepräsident Franz Steinle entlastete den Thüringer und sprach sich laut einer vom Verband am Sonntag veröffentlichten vierseitigen Erklärung für eine Weiterbeschäftigung aus.

Stützpunkttrainer muss gehen

Der im sächsischen Altenberg als Stützpunkttrainer tätige und "geständige" Wilfried Bock (62) scheidet demnach allerdings zum 31. Oktober aus dem Trainerstab aus.

Das DSV-Präsidium will laut Mitteilung alle Empfehlungen umsetzen.

In künftigen Fällen soll so letztendlich nur ermittelt werden, wenn Gesundheitsschädigungen, Minderjährigen-Doping oder ein bisher noch nicht behandelter dringender Tatverdacht einer aktiven Beteiligung vorliegen.

Laut DSV-Präsident Alfons Hörmann könne dank der Kommission die Aufarbeitung der "DDR-Vergangenheit" nicht nur im aktuellen Fall, sondern auch künftig "verantwortungsbewusst" durchgeführt werden.

Es gibt keine "Opferdebatte"

Das Prüf-Gremium stützte sich neben den Anhörungen von Betroffenen auf frühere Untersuchungen.

Bei Ullrich, der auch heute daran festhält, er sei davon ausgegangen, dass es sich lediglich um trainingsunterstützende Mittel im legalen Bereich gehandelt hat, wird von einem unbewusst gesteuerten Verdrängungsmechanismus ausgegangen.

Bei dem einstigen Weltklasse-Athleten wurde auch berücksichtigt, dass kein Athlet gegen ihn einen Vorwurf der Gesundheitsschädigung erhoben hat.

Es würde somit auch keine "Opferdebatte" geben.

Kronzeuge findet's "beschämend"

Die Kommission kam also zu dem Ergebnis, dass Ullrich ab 1986 als verantwortlicher Lauf-Trainer der DDR-Biathleten die Einnahme von Dopingmitteln weder angewiesen noch selbst welche an Athleten verabreicht, beziehungsweise die Einnahme überwacht habe.

Entsprechende Vorwürfe hatte der frühere DDR-Biathlet Jürgen Wirth gegen Ullrich und den damaligen Verbandstrainer Bock erhoben.

Kronzeuge Wirth, Staffel-Weltmeister von 1987, nannte Ullrichs fehlendes Geständnis und den Kommissionsbeschluss gegenüber dem Deutschlandfunk "beschämend".

Bock aktiv beteiligt

Schon vor einigen Tagen hatte Wirth über Post von Ullrichs Anwalt berichtet. In dem Papier sei er aufgefordert worden, die Doping-Vorwürfe zurückzunehmen.

Dazu gab es den Hinweis, dass eine außergerichtliche Einigung noch möglich sei.

Bock wurden die blauen Pillen von vor über 20 Jahren nun zum Verhängnis.

Er war aktiv in die Verabreichung von Dopingmitteln involviert, heißt es in dem Bericht. Dies habe er bei seiner Vernehmung auch eingeräumt.

Nur noch Ehrenamt-Job

Nicht glaubhaft erscheine in diesem Zusammenhang seine Relativierung, dass er es jedem Athleten freigestellt habe, ob er die Mittel nehme oder nicht.

Indes: Nach Medien-Informationen war eine Weiterbeschäftigung des vor der Rente stehenden Coaches sowieso nicht vorgesehen.

Künftig soll er aber nicht mal mehr für ehrenamtliche Aufgaben auf DSV-Ebene geeignet sein.

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