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Bei der WM 2007 in Antholz gewann Michael Greis (r.) den Massenstart vor Andi Birnbacher (l.) © imago

Im Sport1.de-Doppelinterview sprechen Andreas Birnbacher und Michael Greis über den Fall Jaroschenko und ihre Vorbereitung.

Von Rainer Nachtwey

Erding - Auch in der Vorbereitung auf die anstehende Saison reißen die negativen Schlagzeilen im Biathlon nicht ab.

Die drei Russen Albina Achatowa, Jekaterina Jurjewa und Dimitri Jaroschenko wurden wegen EPO-Dopings bis Dezember 2010 gesperrt, das Nationale Olympische Komitee Österreichs hob dagegen den lebenslänglichen "Olympia-Bann" für Biathlon-Sportdirektor Markus Gandler auf.

Auch die Vorwürfe gegen Bundestrainer Frank Ullrich, in seiner Zeit als DDR-Assistenztrainer Dopingmittel an die Athleten weitergegeben zu haben, hielten sich hartnäckig. Zwar sprach die Kommission den Chefcoach frei, dennoch beharrte der ehemalige Biathlet Jens Steinigen auf seinen Anschuldigungen.

Dennoch ist Andreas Birnbacher und Michael Greis beim Erdinger Volksfest die gute Laune nicht zu nehmen.

Querelen sind vergessen

Und das liegt nicht am Bier: "Da is nur alkoholfreies drin", erklärt Birnbacher nach Blicken auf seinen Maßkrug. "Wir sind ja vom Team Erdinger Alkoholfrei!"

Die Querelen mit Bundestrainer Frank Ullrich aus der vergangenen Vorbereitung, als Greis und Birnbacher "ihr eigenes Ding durchzogen", und ihr Trainingsprogramm selbst zusammenstellten, sind vergessen.

"Das war alles halb so wild", relativiert Birnbacher die Auseinandersetzung. "Das wurde von den Medien hoch gepusht."

Im Sport1.de-Doppelinterview sprechen die beiden über den Stand der Vorbereitung, Bundestrainer Ullrich und die drei überführten Russen.

Sport1.de: Herr Birnbacher, Herr Greis, wie ist der Stand der Vorbereitung?

Birnbacher: Ich bin sehr zufrieden mit der Vorbereitung. Wir trainieren hart und das wird auch weiterhin so sein. Ich fühle mich hervorragend.

Greis: Ich denke, ich bin ganz gut in Form, aber bis es los geht müssen wir noch Einiges tun. Wir hatten zwar ein paar Wettkämpfe auf Rollskiern, die einen kleinen Anhaltspunkt bieten, aber es ist schwer zu beurteilen, wie man im Vergleich zu den anderen Nationen steht. Ich muss auf jeden Fall noch am Schießen arbeiten.

Sport1.de: Sie haben letztes Jahr immer wieder separat von der Mannschaft trainiert. Welche Rückschlüsse haben Sie aus der letzten Vorbereitung gezogen?

Greis: Generell fand ich die Vorbereitung im letzten Jahr sehr gut. Dieses Jahr haben wir einen Lehrgang mit der Mannschaft gemacht, dann wieder einen mit dem Stützpunkt Ruhpolding. Es ist ja nicht so, dass man die ganze Zeit separat trainiert.

Birnbacher: Man lernt aus allem und versucht die kleinen Details, die nicht gepasst haben, zu ändern. Wir haben es recht ähnlich wie im vergangenen Jahr gemacht. Ich habe gute Berater und kann mich voll auf die verlassen.

Sport1.de: Dadurch entstanden letztes Jahr aber Querelen und Unstimmigkeiten. Sind die dieses Jahr endgültig ad acta gelegt?

Birnbacher: Es gehört dazu, dass man sich auch mal in die Haare gerät. Aber wir haben auch gemerkt, dass das keinen Sinn hat, gegeneinander zu arbeiten. Dieses Jahr konzentriert sich jeder auf sich selbst.

Sport1.de: Was sind Ihre Ziele für die anstehende Saison? Liegt das Hauptaugenmerk auf Olympia?

Greis: Olympia ist etwas Besonderes. Ich werde sicherlich nicht alles dafür tun, dass ich bei den Weltcups zu Beginn topfit bin. Gleichzeitig versuche ich aber, dass ich in der Weltspitze dabei bin.

Birnbacher: Ich bin total auf Olympia fokusiert. Aber dazu gehört auch sich in den Weltcuprennen das Selbstvertrauen zu erarbeiten. Zudem hängt die Startnummernvergabe vom Weltcupstand ab. Von daher will ich von Anfang an gut dabei sein.

Sport1.de: Herr Greis, Sie fahren als Titelverteidiger nach Vancouver. Ist das eine zusätzliche Motivation?

Greis: Ich hoffe. Es wäre schlecht, wenn ich mich dadurch unter Druck setzen würde. Dann kann es eigentlich nur in die Hose gehen.

Sport1.de: Herr Birnbacher, die Konkurrenz im deutschen Team ist groß. Wie sehen Sie Ihr Standing im deutschen Team?

Birnbacher: Ich habe meinen Fixplatz für die ersten Weltcups. Aber dennoch gibt es eigentlich kein Standing, weil die Saison bei null gestartet wird. Jeder muss seine Leistung bringen und da zählt nicht, was im Vorjahr war. Bei uns kann man sich nicht auf den Lorbeeren vom Vorjahr ausruhen.

Sport1.de: Wie wirkt sich die Konkurrenzsituation auf die Stimmung im Team aus?

Birnbacher: Es gibt keine richtige Rivalität. Klar, jeder will den anderen im Team schlagen, schließlich sind wir eine Einzelsportart.

Sport1.de:Die DDR-Doping-Affäre um Bundestrainer Frank Ullrich hat zum Ende der letzten Saison für Aufsehen gesorgt. Wie haben Sie als seine Schützlinge die Anschuldigungen aufgenommen?

Greis: Bei uns war die Saison fast schon vorbei. Ich habe mich zu der Zeit noch auf meine letzten zwei Rennen konzentriert und dann in meinen wohl verdienten Urlaub verabschiedet. Die Kommission hat entschieden und ihn im Amt bestätigt. Das muss der DSV entscheiden. Ich freue mich, dass er als Trainer weiter mit uns arbeiten kann. Er ist ein guter Mann. Er hat sich in den letzten Jahren für uns sehr engagiert.

Birnbacher: Ich war zu der Zeit aufgrund meiner Krankheiten und dem Saisonendspurt mit mir selbst beschäftigt. Ich habe das zwar nebenbei mitbekommen, aber mir war wichtiger, mich nach meiner Krankheit in den Weltcup zurückzukämpfen und gute Rennen abzuliefern.

Sport1.de: Albina Achatowa, Jekaterina Jurjewa und Dimitro Jaroschenko sind des EPO-Dopings beschuldigt worden und bis Dezember 2010 gesperrt worden. Jaroschenko behauptet weiterhin unschuldig zu sein, geht aber nicht vor den CAS aus Angst vor einer längeren Sperre. Glauben Sie ihm?

Birnbacher: Nein.

Sport1.de: Sie sind überzeugt, dass er etwas genommen hat?

Birnbacher: Die Fakten sprechen dafür. Mir kommt das auch recht komisch vor, dass drei Leute aus der gleichen Nation zur gleichen Zeit (beim Weltcup in Östersund, Anm. d. Red.) mit dem EPO-Mittel der neuesten Generation erwischt werden.

Greis: Was soll man dazu sagen? Dafür gibt es NADA, WADA und die Gerichte. Die müssen das entscheiden. Und dem muss sich auch ein Jaroschenko fügen. Und ich kann da nur sagen: Jawohl, so ist es. Schließlich sieht es so aus, als hätte er gedopt.

Sport1.de: Haben die ?

Greis: Ja, der hat natürlich gedopt. Sonst hätte er nicht so komische Werte.

Birnbacher: Ich muss sagen, ich fühle mich betrogen. Es geht dabei schließlich auch um jede Menge Preisgelder und Sponsorengelder, die einem verloren gehen, nur weil einer meint, mit unerlaubten Mitteln nachhelfen zu müssen.

Sport1.de: Im letzten Jahr gab es große Kritik am Kontrollsystem ADAMS. Haben Sie sich mittlerweile daran gewöhnt, ihren Aufenthaltsort für drei Monate im Voraus anzugeben oder fühlen Sie sich immer noch eingeschränkt?

Greis: Es fühlt sich an, als müsste man sich Tag täglich von der Mutti daheim abmelden: 'Du Mama, ich geh da und da hin.' Das macht keiner gerne.

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