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Simone Hauswald gewann bei der WM 2009 in Pyeongchang Silber im Sprint © getty

Simone Hauswald setzt sich bei Sport1.de hohe Ziele: Sie hofft auf eine Olympia-Medaille - und baut auf Konstanz.

Von Michael Spandern

München - Nach WM-Silber im Sprint und Bronze in der Staffel bei Ihrem "Heimspiel" in Pyeongchang hat Simone Hauswald noch längst nicht genug (DATENCENTER: Der Biathlon-Weltcup).

Auch in der anstehenden Olympia-Saison mit dem Weltcup-Auftakt in Östersund (ab 17 Uhr LIVE) hat die Tochter einer Südkoreanerin und eines Schwaben hohe Ziele, wie sie im Interview der Woche mit Sport1.de verrät.

Die 30-Jährige - 2008/09 Neunte im Gesamtweltcup - hofft auf eine Olympia-Medaille. Eine "bittere Lektion" wie vor vier Jahren erwartet sie nicht: Nach ihren drei Einzelsiegen in der letzten Saison glaubt sie fest an ihre Teilnahme.

Sport1.de: Frau Hauswald, Sie starten in Ihre achte Weltcup-Saison. In der abgelaufenen Saison haben Sie mit 29 Jahren Ihre größten Erfolge eingefahren. Wie erklären Sie sich den Leistungsschub?

Simone Hauswald: Ich habe in den Jahren zuvor auch gute Leistungen gezeigt, vor allem im Training. Nur ist es mir bei den Höhepunkten nicht gelungen, das umzusetzen. Diesmal war einfach die Konstanz da. Außerdem war ich weder verletzt noch krank.

Sport1.de: Vor der Saison plagten Sie aber Achillessehnen-Probleme. Wie haben Sie die in den Griff bekommen?

Hauswald: Ich habe mehr auf meine Ernährung geachtet, um die Entzündung loszuwerden. Auch habe ich alternativen Behandlungsmethoden genutzt und bin froh, dass es funktioniert hat.

Sport1.de: Und wahrscheinlich entsprechend angriffslustig für die Olympiasaison?

Hauswald: Klar, die Ansprüche sind gestiegen, aber nicht nur bei mir. Dennoch versuche ich die Lockerheit aus der vergangenen Saison mitzunehmen.

Sport1.de: Wer stellt die hohen Ansprüche?

Hauswald: Leistungssportler müssen sich selbst hohe Ziele setzen und dürfen sich, wenn sie etwas erreicht haben, auch vor noch höheren nicht scheuen. Und auch Fans und Medien setzen uns unter Druck: Wenn keine Deutsche auf dem Stockerl steht, ist das schon schlecht. Das finde ich schade.

Sport1.de: Heißt das, sie machen Ihre Ziele nicht an Platzierungen fest?

Hauswald: Wenn ich mein Bestes an diesem Tag bringe, und es reicht nur zu Platz vier, bin ich auch zufrieden. Dennoch will ich so oft wie möglich auf dem Treppchen stehen.

Sport1.de: Konstanz schlägt sich vor allem im Weltcup nieder: Ist der für Sie wichtiger als eine Topplatzierung bei Olympia?

Hauswald: Erst einmal muss man sich ja über gute Weltcup-Ergebnisse für Olympia qualifizieren und einen Startplatz erringen. Dann aber gilt es, auch topp drauf zu sein.

Sport1.de: Die Quali-Kriterien - zweimal unter die Top 15, einmal unter die besten Acht - werden wohl mehr Deutsche schaffen, als nach Vancouver dürfen. Entscheidet dann Bundestrainer Uwe Müssiggang oder die bessere Weltcup-Platzierung?

Hauswald: Ich hoffe, dass der Weltcup-Platz den Ausschlag gibt.

Sport1.de: Sie waren 2006 in Turin nur Ersatzläuferin, sind dann zurückgereist. Haben Sie Angst, dass es wieder nicht reicht?

Hauswald: Gar nicht. Turin war für mich eine bittere Lektion. Aber diese Erfahrung hat mich vorwärts gebracht und bis zu den Erfolgen bei der WM getragen. 2010 werden meine letzten Olympischen Spiele und das Highlight meiner Karriere. Ich wünsche mir eine Medaille.

Sport1.de: Alle schauen auf Olympia. Wird die Saison eine Kopfsache?

Hauswald: Ja, man muss kühlen Kopf bewahren und Schritt für Schritt machen.

Sport1.de: Was tun Sie, um einen kühlen Kopf zu bewahren?

Hauswald: Vieles ist mit den Jahren Routine geworden, und ich sehe einiges gelassener. Mittlerweile fühle ich mich wohl, auch wenn ich viel unterwegs bin. Das war früher anders.

Sport1.de: Wird Ihr Ehemann Steffen als Trainer an Ihrer Seite sein?

Hauswald: Nein, im Winter gehen wir getrennte Wege. Er ist jetzt C-Kadertrainer im DSV und betreut die Junioren.

Sport1.de: Und wie meistert er im Sommer die Doppelrolle Ehemann und Trainer?

Hauswald: Als ich jünger war und meinen Kopf durchsetzen wollte, gab es da schon Konflikte, weil er mich beim Training bremsen musste. Aber mittlerweile bin ich eine gereifte Athletin und weiß, welches Pensum ich brauche.

Sport1.de: Es gab im Februar den Dopingskandal um die Russen Dmitri Jaroschenko, Albina Achatowa und der Weltcup- Gesamtersten Jekaterina Jurjewa. Läuft nun das Misstrauen mit?

Hauswald: Ich bin jemand, der auch das Gute im Menschen sieht. Man darf jetzt nicht der gesamten Biathlon-Familie misstrauen. Jeder muss das mit seinem Gewissen vereinbaren, wenn er uns saubere Athleten betrügt. Selbst wenn es nicht herauskommt, ist das eine Last, die sie zu tragen haben. Ich hoffe trotzdem, dass die Dopingkontrollen verschärft werden und die schwarzen Schafe herausgezogen werden.

Sport1.de: Würden Sie die Hand dafür ins Feuer legen, dass Ihre Teamkolleginnen sauber sind?

Hauswald: Ja, auf jeden Fall!

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