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Simon Schempp feierte sein Weltcup-Debut mit einem 24. Rang in Whistler © getty

In Hochfilzen gelingt der Herren-Staffel der erste Podest-Platz der Saison, die Damen bleiben erneut unter ihren Möglichkeiten.

Hochfilzen - Ausgerechnet Michael Greis und Co. haben in Hochfilzen die mäßige Bilanz der deutschen Biathleten mit ihrem ersten Podestplatz im Olympiawinter gerettet. Nach drei vierten Plätzen für die Frauen um die in der Staffel nicht aufgebotene Magdalena Neuner fiel Schlussläufer Simon Schmepp überglücklich als Dritter ins Ziel.

Ein kleiner Trost für die Einzelrennen, in denen nach dem zweiten Weltcup ohne Treppchenplatz der schwächste Saisonstart aller Zeiten zu Buche steht.

"Endlich das erste Podium", sagte der dreimalige Olympiasieger Greis. Bundestrainer Frank Ullrich war nach dem Debakel im Sprint, als Greis auf Platz 26 bester Deutscher beim Sieg des Norwegers Emil Hegle Svendsen gewesen war, sichtlich erleichtert:

"Die Jungs haben nach den schwachen Einzelresultaten Charakter und Mumm gezeigt. Das wird jetzt so weitergehen." (DATENCENTER: Der Weltcup-Kalender)

Heimsieg für Österreich

Das deutsche Quartett kam 32,0 Sekunden hinter dem umjubelten Heimsieger Österreich ins Ziel.

Ausgerechnet der unerfahrene Schempp machte bei seinem Debüt mit einer Topleistung den einzigen deutschen Treppchenplatz im Winterwunderland perfekt: "Gottseidank habe ich das hingekriegt."

"Zu viel gewollt"

Frauen-Bundestrainer Uwe Müssiggang war nicht so zufrieden: "Wir hätten auch schon gern jemanden auf dem Podest gehabt. Mich ärgert, dass die Mädchen wieder zu viel gewollt haben."

Erstmals seit drei Jahren fehlte sein Frauen-Quartett auf dem Podest, trotzdem verteidigte er den Verzicht auf den Einsatz der sechsmaligen Weltmeisterin Neuner:

"Magdalena hat nach ihrer Krankheit noch Probleme und konnte noch nicht voll zum Angriff blasen."

Zwölf Nachlader beim Schießen

So mussten die vier Siegerinnen des ersten Saison-Staffelrennens von Östersund - dem bislang einzigen deutschen Frauen-Podestplatz des Winters - die Verantwortung übernehmen und scheiterten mit insgesamt zwölf Nachladern beim Schießen an ihren Nerven.

Schlussläuferin Kati Wilhelm kam völlig erschöpft 19,5 Sekunden nach Sieger Russland ins Ziel, nachdem sie im Vierkampf um den Sieg nach dem letzten Schießen die Niete gezogen hatte.

Ein Siegerpodest ohne deutsches Quartett hatte es zuletzt am 17. Dezember 2006 an gleicher Stelle gegeben.

"Schlussrunde hat mich zerstört"

"Ich wollte den Podesplatz unbedingt haben, aber die Schlussrunde hat mich zerstört. Ich bin unendlich kaputt", sagte Doppel-Weltmeisterin Wilhelm.

Es war wieder nur Platz vier für die deutschen Frauen wie schon bei den beiden Einzelrennen an den Tagen zuvor.

Im Jagdrennen hatten Martina Beck beim Sieg der schwedischen Gesamtweltcup-Spitzenreiterin Helena Jonsson 4,2 Sekunden zum ersten deutschen Einzel-Podestplatz gefehlt.

Hauswald Siebte

Die Sprint-Vierte Simone Hauswald war bis zum letzten Schießen sogar auf der Siegerstraße, leistete sich dann aber drei Fehler und und lief als traurige Siebte ins Ziel:

"Das waren wohl die Nerven. Es ist ärgerlich, wenn man gewinnen kann, und dann passiert das." Andrea Henkel schaffte mit einem Sturmlauf von Platz 17 auf sechs als fünfte Deutsche die Olympianorm.

Magdalena Neuner muss dagegen nach Platz 28 im Sprint in Österreich auf die Qualifikation für Vancouver warten.

"Muss einfach Geduld haben"

"Wenn ich zwei Wochen auf der Couch liege und nicht mal schießen kann, darf man nicht erwarten, dass ich in die Weltspitze reinlaufe. Das war ein gutes, hartes Training, ich muss einfach Geduld haben", sagte Neuner.

Chefcoach Müssiggang sieht Neuner mit Blick auf die schnellste Schlussrunde aller Läuferinnen bislang trotzdem im Plan: "Lena braucht noch Zeit. Beim nächsten Weltcup in Pokljuka sieht die Welt schon anders aus."

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