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Kampf mit den Elementen und sich selbst: Michael Greis hat's derzeit schwer © imago

Deutschlands Biathleten und Langläufer sind zwei Monate vor Olympia unter Druck: Die Form stimmt nicht, die Zuversicht schwindet.

München - Bislang kein Einzel-Podestplatz, Stars wie "Gold-Lena" Neuner oder Tobias Angerer noch nicht für Olympia qualifiziert.

In der Medaillenschmiede des deutschen Wintersports häufen sich zwei Monate vor den Winterspielen die Probleme.

Die Biathleten und Skilangläufer gewannen 2006 in Turin zusammen 15 der 29 deutschen Olympiamedaillen, vier Jahre später gibt es vor allem bei den Spezialisten erste Zweifel an Trainingsaufbau und Personal (BERICHT: Ein Greenhorn rettet die Bilanz).

"Das wird schwer"

"Es hakt irgendwo. Wir müssen alles gründlich analysieren", sagt Skilangläufer Angerer, der immerhin drei Olympiamedaillen und zwei Gesamtweltcupsiege auf dem Konto hat.

Am Wochenende landete er in Davos auf einem schwachen 29. Platz. Er hat die eigentlich für einen wie ihn locker zu schaffende Norm für Vancouver - einmal Platz acht oder zweimal Rang 15 im Weltcup - noch nicht erfüllt.

Gleiches gilt für den einstigen Gesamtweltcupsieger Rene Sommerfeldt oder Claudia Künzel und Evi Sachenbacher-Stehle, immerhin Olympiasiegerinnen von 2002.

"Das wird schwer bis Olympia, speziell bei den Frauen ist der Rückstand schon sehr groß. Und die schlechten Ergebnisse zehren natürlich am Selbstvertrauen", sagte Bundestrainer Jochen Behle. (DATENCENTER: Der Weltcup-Kalender)

"Einfach nicht spritzig"

Er hatte vor der Saison in Frauen-Chefcoach Janko Neuber und Sprint-Trainer Tor Arne Hetland neues Personal verpflichtet, doch genau in diesen Bereichen häuft sich die Kritik. "Wir haben superhart trainiert und sind einfach nicht spritzig genug", sagt Sachenbacher-Stehle.

Behle hat nach dem Debakel von Davos erste Konsequenzen gezogen.

Der in Davos als 62. einmal mehr blamierte Sprint-Medaillenkandidat Josef Wenzl muss vorerst im Alpencup starten, das mit dem Weltcup-Wechselspiel Biathlon und Langlauf verheizte Supertalent Miriam Gössner bekommt nach ihrem 70. Rang von Davos eine Pause.

Neuner enttäuscht

"Sie ist ein 19-jähriges Mädchen und einfach müde im Kopf", sagt Behle. Beim Weltcup der Skijäger am Wochenende in Pokljuka wird die Staffel-WM-Zweite im Skilanglauf nicht starten.

Die öffentliche Diskussion über den Olympia-Start der Biathletinnen Gössner und Neuner im Skilanglauf hat bei den Beteiligten Spuren hinterlassen.

Die sechsmalige Weltmeisterin Neuner startete nach einem Infekt mit den enttäuschenden Plätzen 28 und 29 in Hochfilzen in den Olympia-Winter. Fünf Skijägerinnen haben die Norm für Vancouver erfüllt, Neuner nicht. "Auch Lena steckt so eine Situation nicht so einfach weg. Man darf sich in der Weltspitze keine Fehler mehr leisten", sagte Bundestrainer Uwe Müssiggang.

Nach der von ihr gelaufenen schnellsten Schlussrunde der gesamten Weltelite im Jagdrennen macht sich Müssiggang aber Hoffnungen auf eine Leistungssteigerung von Neuner in Pokljuka.

Laufform stimmt

Auch beim Rest des erfolgverwöhnten Frauen-Teams stimmt immerhin die Laufform, aber am Schießstand zittern die Nerven. Selbst in der Staffel reichte es am Sonntag erstmals seit drei Jahren nicht mehr für einen Platz auf dem Treppchen. "Da spielen die Olympia-Qualifikation und die Olympia-Einsätze im Kopf eine Rolle", sagte Müssiggang.

Die deutschen Biathlon-Männer erlebten in den Einzelrennen ein Debakel, Staffel-Olympiasieger Michael Rösch hat das Vancouver-Ticket nach erschreckend schwachen Leistungen noch nicht gelöst. Immerhin reichte es aber in der Staffel mit Platz drei erstmals zum Stockerl, und Trainerfuchs Frank Ullrich glaubt, dass es in seiner letzten Saison "jetzt aufwärts geht".

Michael Greis war in Turin als dreimaliger Olympiasieger König der Spiele und bleibt trotz aller Probleme vom Erfolg der deutschen Mission Gold in Vancouver überzeugt: "Wir können sicher bis Olympia noch zulegen, ob das bei den anderen auch so ist, weiß ich nicht."

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