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Miriam Gössner gewann 2009 Gold bei der Junioren-WM im Biathlon © getty

Der Kampf um Gössner nimmt kein Ende. Olympia-Sündenbock Birnbacher nimmt sich Neuner beim Weg aus der Krise zum Vorbild.

Von Andreas Kloo

München - Das Saisonfazit der deutschen Biathleten könnte unterschiedlicher nicht sein. Während Magdalena Neuner mit ihren beiden Olympia-Goldmedaillen und dem Triumph im Gesamtweltcup bei den Damen alles überstrahlt, haben die Herren an der Medaillen-Nullrunde von Vancouver hart zu knabbern.

Arnd Peiffer und Simon Schemp entschädigten sich in Khanty-Mansiysk zumindest noch mit Mixed-Gold, unterstützt von Simone Hauswald und Magdalena Neuner.

Hauswald war die einzige, die in Vancouver neben Neuner mit Bronze im Massenstart noch eine Medaille für das Biathlon-Team einheimste.

Nun trennt sich allerdings der Weg der beiden Damen. Hauswald beendet ihre Karriere auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit, Neuner dagegen ist noch immer erfolgshungrig.

"Sehe noch viel Potential"

"Ich bin noch längst nicht am Ziel und sehe noch viel Potential in mir", droht sie beinahe der Konkurrenz. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

Nach ihren überragenden Erfolgen in dieser Saison erwartet sie keine Übersättigung bei sich, sondern eher Entspanntheit. "Ich werde die nächsten Jahre alles mit Freude mitnehmen. Ich kann doch jetzt alles gelassen angehen, schließlich habe ich schon jetzt alles erreicht", blickt die 23-Jährige voraus.

Trio tritt ab

Dennoch wird der Druck auf Neuner in der nächsten Saison erst einmal steigen. Nach den Rücktritten von Hauswald, Kati Wilhelm und Martina Beck wird sich das öffentliche Interesse umso mehr auf die fünfmalige Weltmeisterin fokussieren.

"Die drei verkörperten in den letzten Jahren den Großteil des deutschen Nationalteams und reißen eine große Lücke", sagt die Wallgauerin auf Nachfrage von Sport1.de zum personellen Umbruch.

Aus dem Erfolgsteam der letzten Jahre ist nur noch Andrea Henkel mit dabei. Doch auch die Karriere der 32-Jährigen neigt sich dem Ende entgegen.

"Sehr schwere Entscheidung" für Gössner

So ruhen nun die Hoffnungen auf Langlauf-Leihgabe Miriam Gössner: "Von Miriam Gössner weiß man ja, dass sie in der Loipe pfeilschnell ist. Jetzt muss sie nur noch das Schießen in den Griff kriegen. Dann haben wir ein junges starkes Team und brauchen uns vor keinem verstecken", freut sich Neuner schon auf die Verstärkung durch die 19-Jährige.

Doch die ist sich noch immer nicht sicher, ob sie überhaupt zum Biathlon zurückkehren wird. "Ich möchte den Biathlon nicht kampflos aufgeben, auch wenn mir der Langlauf sehr ans Herz gewachsen ist", zeigt sich die Staffel-Silbermedaillengewinnerin von Vancouver hin- und hergerissen.

Die "sehr schwere Entscheidung" werde aber erst endgültig nach Rücksprache mit ihren Trainern fallen.

Fischer statt Kirchner

Einen personellen Umbruch gibt es bei den Herren nur im Trainerbereich. Frank Ullrich tritt nach 12 Jahren zurück, Mark Kirchner übernimmt. Damen-Bundestrainer Uwe Müssiggang ist von nun an als Cheftrainer für den Gesamtbereich verantwortlich.

Andreas Birnbacher empfindet die Umbesetzung aber nicht als gravierend: "Für uns wird ohnehin am Stützpunkt Ruhpolding Fritz Fischer die Haupt-Trainingsarbeit leiten", erklärt der 28-Jährige im Gespräch mit Sport1.de.

Birnbacher war bei Olympia der Sündenbock des deutschen Staffel-Desasters. Als Zweitplatzierter musste er nach einer Fehler-Serie zweimal in die Strafrunde, so dass die Medaillen unerreichbar waren.

So blieben die Herren erstmals seit 1968 ohne Edelmetall.

Mentales Training geplant

"Aber wir wissen die Ansatzpunkte. Das Problem ist, dass das Niveau in diesem Jahr brutal gestiegen ist, gerade auch was das Schnell-Schießen und vor allem auch -treffen angeht", nennt Birnbacher die Gründe für das Scheitern.

Beim Weg aus der Krise will sich der Oberbayer an Neuner orientieren, die seit dieser Saison erfolgreich mit einem Mentaltrainer zusammenarbeitet.

"Ich werde in dieser Richtung auf jeden Fall etwas machen", kündigt Birnbacher an. Denn

an seinen Fähigkeiten an sich zweifelt er nicht: "Ich weiß, dass ich gut Schießen kann. Im Training schaffe ich regelmäßig eine Serie von acht oder zwölfmal Null. Und im Wettkampf bleiben dann doch wieder zwei Scheiben stehen. Das ist alles Kopfsache."

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