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Miriam Gössner gehört wie einige Biathlon-Kollegen zum Team Erdinger Alkoholfrei © getty

Miriam Gössner ist zurück im Biathlon. Im Interview der Woche vor dem Weltcup-Auftakt spricht sie über den Umbruch im Team.

Von Andreas Kloo

München - Um Miriam Gössner herrscht ein großes Gezerre. Die Biathletin half bei WM 2009 und Olympia 2010 bei den Langläufern aus.

Dabei gewann sie mit ihren Staffel-Kolleginnen jeweils die Silbermedaille.

In diesem Winter will sie sich zwar zunächst wieder voll auf Biathlon konzentrieren.

Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle gibt den Kampf um die 20-Jährige aber noch nicht auf. Er versucht weiterhin, sie von einem dauerhaften Wechsel in seine Sparte zu überzeugen.

Im SPORT1-Interview der Woche will auch Miriam Gössner eine Rückkehr in den Langlauf nicht ausschließen. "Wenn sie mich mal wieder brauchen, würde ich sehr gerne wieder Langlauf machen", bekennt sie.

Standortbestimmung in Östersund

Im Biathlon ist der Druck auf die Garmischerin gestiegen. Nach den Rücktritten von Kati Wilhelm, Martina Beck und Simone Hauswald steht die Nachwuchs-Generation unter Zugzwang.

Der Weltcup-Auftakt in Östersund (ab 16.20 Uhr im LIVE-TICKER) ist eine erste Standortbestimmung.

Vor dem ersten Rennen spricht Miriam Gössner bei SPORT1 über den personellen Umbruch bei den Biathletinnen, ihren großen Traum, und was sie sich von ihrem Freund, dem Biathleten Simon Schempp, abschauen kann.

SPORT1: Nach Ihrem olympischen Ausflug zum Langlauf starten Sie wieder im Biathlon. Verlief der Wechsel vom einen Team ins andere reibungslos?

Gössner: Ich wurde bei den Biathletinnen wieder sehr gut aufgenommen. Beide Mannschaften sind total nett, ob das Langlauf-Team oder das Biathlon-Team.

SPORT1: Ist es denn ein Wechsel auf Dauer? Gehen Sie in Zukunft nur noch im Biathlon an den Start?

Gössner: Ich habe gesagt, wenn sie mich mal wieder brauchen und meine Form passt, würde ich sehr gerne wieder Langlauf machen.

SPORT1: Mit Kati Wilhelm, Martina Beck und Simone Denkinger sind gleich drei "alte Hasen" zurückgetreten. Wie groß ist die Lücke, die die drei hinterlassen?

Gössner: Es macht sich konkret im täglichen Training bemerkbar. Die drei fehlen uns schon sehr. Sie sind immer für uns eingestanden, wenn es Probleme gab, sind auf die Trainer zugegangen und haben Probleme der Mannschaft zum Ausdruck gebracht. Jetzt müssen wir da selbst ran.

SPORT1: Und sportlich fehlt das Trio auch. Die drei haben in den letzten Jahren zahlreiche Medaillen abgeräumt. Steigt jetzt der Druck auf das restliche Team?

Gössner: Nein, wir haben immer noch zwei, drei Siegläuferinnen im Team, allen voran Magdalena Neuner und Andrea Henkel.

SPORT1: Wann dürfen wir Sie zu den Siegläuferinnen im Biathlon rechnen?

Gössner: Ich musste erst einmal hart kämpfen, damit ich mich überhaupt für das Weltcup-Team qualifizieren konnte. Da fehlt also schon noch einiges.

SPORT1: Was fehlt Ihnen denn noch zu einer Siegläuferin? Was müssen Sie verbessern?

Gössner: Vor allem im Schießen muss ich besser werden, aber auch läuferisch will ich mich weiter entwickeln.

SPORT1: Was haben Sie sich als Saisonziel gesetzt? Die WM im März spielt dabei sicher eine entscheidende Rolle?

Gössner: Mit der Weltcup-Qualifikation habe ich ein wichtiges Ziel schon erreicht. Jetzt geht es darum, dass ich mich weiter verbessere.

SPORT1: In der Saisonvorbereitung trainierten Damen- und Herren-Team meistens an den gleichen Orten. In den letzten Jahren waren die beiden Mannschaften oftmals getrennt. Was bringt diese Zusammenführung?

Gössner: Ich finde das gut. Zunächst einmal, weil ich so meinen Freund, den Simon, öfter sehe. Außerdem werden wir so wieder alle eine Mannschaft. Das stärkt den Teamgeist.

SPORT1: Schauen Sie sich denn von Ihrem Freund biathlonmäßig was ab?

Gössner: Ja, er gibt mir schon Tipps. Fürs Schießen beispielsweise. Wir versuchen uns gegenseitig zu helfen. Aber eher hilft er mir als ich ihm.

SPORT1: Wie haben Sie denn die Probleme der Olympia-Bewerbung München 2018 verfolgt? Sie wären dann ja noch im besten Sportler-Alter.

Gössner: Ich wäre dann 27. Olympia in München und Garmisch wäre für mich der Wahnsinn. Die Langlauf- und Biathlon-Wettbewerbe würden direkt vor meiner Haustür in Oberammergau stattfinden. Ich würde alles dafür geben, um das zu erleben.

SPORT1: Dennoch gab es auch viele kritische Stimmen aus der Bevölkerung an der Bewerbung. In Garmisch wollten einige Grundstücksbesitzer ihre Flächen nicht freigeben und stellten die Organisatoren vor große Probleme. Können Sie diese Leute verstehen, die nicht hinter der Olympia-Bewerbung stehen?

Gössner: Diese Leute haben einfach mit Sport nichts zu tun, die leben in einer völlig anderen Welt. Sie kämpfen um ihr Eigentum und zwingen kann man niemanden. Wenn sie nicht wollen, dann wollen sie nicht.

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