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Mark Kirchner setzt auf die Erfolgsstaffel von Stoschi
Mark Kirchner gewann bei Olympia 1992 Gold im Sprint © imago

Mit dem Staffel-Sieg in Oberhof tritt Herren-Trainer Mark Kirchner aus dem Schatten seines Vorgängers. Seine Art ist neu.

Oberhof - Für einen kurzen Moment blitzte der Schalk in den Augen von Mark Kirchner.

"Was, erst zwei? Das hatte ich gar nicht so auf dem Schirm", sagte der Herren-Trainer der Biathlon-Männer auf die Frage, ob er sich Sorgen mache, dass bisher nur Michael Greis und Andreas Birnbacher die WM-Norm geschafft haben.

So überraschend wie sein feinsinniger Humor war zuvor auch der Staffelsieg seiner Männer beim Heimweltcup in Oberhof.

Schritt aus Ullrichs Schatten

Für Kirchner war der Triumph bei zweistelligen Minusgraden und eisigem Wind vor 17.000 Zuschauern am Grenzadler ein erster Schritt aus dem langen Schatten seines Vorgängers Frank Ullrich.

Nach dem schwachen Abschneiden ohne Medaille bei den Olympischen Spielen in Vancouver war Kirchner vom Assistenten zum Disziplintrainer aufgerückt, mit dem ehemaligen Publikumsliebling Fritz Fischer an seiner Seite.

Nach der Zeit unter dem autoritären Trainer Frank Ullrich schienen vor dem Winter die Rollen klar verteilt. Fischer, nie um einen lockeren Spruch verlegen, sorgt für die gute Stimmung in der Mannschaft. Der dreimalige Olympiasieger Kirchner gibt den Chef.

Entspannte Atmosphäre

Doch so cool und abgeklärt sich Kirchner mit seinem Dreitagebart und den auffälligen Koteletten auch nach außen gibt, es herrscht nicht nur zwischen den Trainern, sondern auch zu den Athleten ein guter Draht.

Bei aller Ernsthaftigkeit bleibt immer Zeit für ein kurzes verbales Scharmützel, der Ton bleibt entspannt.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

"Haben das Potenzial"

Vor allem aber stellt sich Kirchner vorbehaltlos vor seine Athleten. Als auch in diesem Winter die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurückblieben, wurde der 40-Jährige nicht müde zu betonen, wie viel Potenzial in seiner jungen Mannschaft stecke.(DATENCENTER: Wintersport-Ergebnisse)

"Außerdem ist das Feld im Weltcup viel enger zusammengerückt. Zwischen einem Topresultat und Platz 30 liegen nur minimale Unterschiede. Wir sind noch nicht da, wo wir hin wollen. Es ist ein harter Kampf. Aber wir haben das Potenzial", sagte der siebenmalige Weltmeister Kirchner.

Insgesamt 100 Strafrunden

Bei der verrückten Staffel in Oberhof, die mit insgesamt 100 Strafrunden und mehr als 350 Nachladern Biathlon-Geschichte schrieb, zeigte sich Kirchner mal wieder von seiner coolen Seite.

"Das ist Biathlon", kommentierte Kirchner trocken den wilden Ritt seines Startläufers Christoph Stephan, der nach einer Strafrunde und Platz 21 noch an die Spitze des Feldes stürmte.

Ganz unberührt ließ Kirchner der spektakuläre Heimsieg dennoch nicht: "Ich habe als Sportler schon viele verrückte Rennen erlebt, aber das setzt noch einen drauf", sagte Kirchner. Lächelnd.

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