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Andrea Henkel gewann 2006/07 den Gesamt-Weltcup © getty

Einem simplen Zettel verdankt Andrea Henkel ihren starken Heimspiel-Auftritt. Mit zwei Podest-Plätzen belohnt sie die Fans.

Oberhof - Nein, diesmal hat sie keiner aus dem Mittagsschlaf gerissen oder aus der Dusche geholt.

Frisch und ausgeschlafen ging Andrea Henkel bei ihrem Heimspiel an den Start. Ein simpler Zettel am Briefkasten genügte, um die heißblütigen Fans in Oberhof davon abzuhalten, bei ihrem Biathlon-Star Sturm zu klingeln.

Die 33-Jährige bedankte sich auf ihre Art: Mit zwei Podestplätzen beim Weltcup in ihrem Wohnzimmer, der Rennsteig-Arena.

Star zum Anfassen

"Es hat sich keiner getraut, mich zu stören. Aber sobald ich einen Fuß vor die Tür gesetzt hatte, gab es kein Halten mehr", sagte Henkel.

Die zweifache Olympiasiegerin von Salt Lake City 2002 wohnt nur zehn Fußminuten vom Epizentrum des Oberhofer Biathlon-Wahnsinns entfernt und ist damit im wahrsten Sinne des Wortes ein Star zum Anfassen.(DATENCENTER: Wintersport-Ergebnisse).

Aber statt Henkel in ihrer Vorbereitung zu stören, erzeugten die insgesamt 101.000 Zuschauer an den fünf Wettkampftagen genau das, was ihre Heldin so liebt, was Magdalena Neuner zwingt, Ohrstöpsel zu tragen, und was Helena Ekholm fast einen Hörschaden bescherte: Höllenlärm.

Volles Stadion als Ansporn

"Es ist verdammt hart, hier gegen eine Deutsche zu laufen. Am Birxsteig war es so unglaublich laut, ich hatte Angst um mein Gehör", sagte Ekholm, die Henkel im Massenstart auf den letzten Metern noch abfing und deren totalen Triumph damit verhinderte.

Für Henkel waren die große Anfeuerung und der zweite Platz nach Rang drei im Sprint am Samstag aber Lohn genug: "Ich bin mit dem zweiten Platz sehr zufrieden. Für mich ist ein volles Stadion keine Belastung, sondern Ansporn. Die Zuschauer waren hier die ersten drei Tage sehr tapfer angesichts des Wetters und unserer schlechten Staffel."

Henkel beweist Kampfgeist

Mit Klasse, Köpfchen und ihrem großen Kämpferherzen zahlte Henkel ihren Fans das Vertrauen zurück.

Beim Sprint verblüffte sie alle Experten, als sie nach dem ersten Treffer die Einstellungen an ihrem Gewehr änderte, weil sie den Wind spürte.

Im Massenstart kämpfte sie sich trotz zweier Strafrunden an die fehlerfreien Ekholm und Swetlana Sleptsowa heran und ergriff auf der Schlussrunde sogar die Initiative: "Ich habe mir gedacht: Das geht hier noch schneller. Die vierte Runde hat aber schon wehgetan."

Keine Gedanken ans Karriereende

Rechtzeitig vor den Highlights des Winters ist die Grande Dame der deutschen Biathletinnen wieder in Topform.

Nächste Station ist Ruhpolding, wo Henkel noch nie auf dem Treppchen gestanden hat. Der Ehrgeiz ist da, diese Serie zu beenden.

Über das eigene Karriereende, das Henkel für die WM 2012 an gleicher Stelle angekündigt hat, mag die 33-Jährige derzeit gar nicht reden: "Ich denke nicht viel ans Ende meiner Laufbahn." Ihre Fans werden das gerne hören.

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