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Ole Einar Björndalen gewann bei Olympia in Salt Lake City in allen vier Wettbewerben Gold © getty

Im Interview der Woche spricht Ole Einar Björndalen über Saison-Probleme, deutsche Konkurrenz und den Tempo-Trend am Schießstand.

Von Rainer Nachtwey

München - Eigentlich hat er längst alles erreicht, was es zu erreichen gibt - und doch hat er immer noch nicht genug.

Ole Einar Björndalen ist mit sechs Goldmedaillen der erfolgreichste Biathlet aller Zeiten bei Olympia, mit sechs Gesamt- und 19- Disziplinsiegen der erfolgreichste im Weltcup und mit 14 Titeln der erfolgreichste bei Weltmeisterschaften.

Trotzdem treibt den nun 37-Jährigen noch der Hunger an, die einmalige Erfolgsbilanz weiter aufzubessern - auch wenn die Sportart für ihn immer fordernder wird.

Im SPORT1-Interview der Woche spricht Ole Einar Björndalen über die Schwierigkeiten in der aktuellen Saison, die WM im März, die deutschen Aussichten dort und den Trend zum Tempo am Schießstand.

SPORT1: Herr Björndalen, Sie hatten in den Weltcup-Winter einen glänzenden Auftakt mit einem Sieg und zwei zweiten Plätzen. Zuletzt aber verpassten Sie die Podestränge, hatten mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Sind Sie trotzdem zufrieden mit dem Saisonverlauf? (DATENCENTER: Alle Biathlon-Ergebnisse)

Ole Einar Björndalen: Vor Weihnachten lief es sehr gut. Über die Weihnachtstage habe ich hart trainiert und wollte dann im Januar voll angreifen. Aber dann kam eine Viruserkrankung dazwischen. Seitdem lief es nicht mehr so richtig. Wenn du körperlich nicht topfit bist, hast du keine Chance. Jetzt ist das Virus abgeklungen, und ich habe zwei Rennen in Antholz bestritten. Die liefen zwar nicht optimal, aber ich bin wieder gesund, und der Körper reagiert wieder auf das normale Training. Ich bin zuversichtlich für die Weltmeisterschaft.

SPORT1: Das heißt, Sie haben keine Beschwerden mehr?

Björndalen: Ich fühle mich gut, und die Blutwerte sagen das auch. Das ist das Wichtigste.

SPORT1: Haben sich Ihre Ziele für diese Saison durch die Krankheit geändert?

Björndalen: Mein Hauptziel war der Gesamtweltcup. Das hat sich erledigt. Wenn Du krank bist, hast du keine Chance. Ich musste einige Rennen auslassen, deshalb ist es sehr schwierig, den Vorsprung aufzuholen. Tarjei (Boe, Anm. d. Red.) und Emil (Hegle Svendsen, Anm. d. Red.) haben einen großen Vorsprung und sind immer noch in Super-Form. Daher ist die Weltmeisterschaft in Russland das Ziel.

SPORT1: Sie fehlen im vorläufigen Aufgebot der norwegischen Langlauf-Mannschaft für die Nordische Ski-WM in Oslo. Besteht noch eine Chance, dass Sie bei der Heim-WM teilnehmen können?

Björndalen: Oslo ist ein schwieriges Thema. Ich hätte in den Rennen schnell laufen müssen, aber wegen der Krankheit konnte ich das nicht unter Beweis stellen. Das ist nicht so verlaufen, wie ich mir das vorgestellt hatte.

SPORT1: Ist dadurch das Thema Oslo bereits erledigt? (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

Björndalen: Ich denke, noch nicht. Das hängt von meiner Entwicklung in den nächsten Wettkämpfen ab. Wenn ich wieder zu meiner super Form zurückfinde und bei den Rennen das beweisen kann, dann ist alles möglich. Aber im Moment schaut es nicht danach aus - nein.

SPORT1: Sie haben vorher die starke Form von Boe und Svendsen angesprochen: In den Einzel-Wettbewerben dominieren die Norweger, haben neun der 14 Saisonrennen gewonnen. Was macht die Norweger besser als andere Nationen?

Björndalen: Wir haben in der Vorbereitung sehr gut und hart trainiert. Wir sind eine großartige Gruppe mit großen Talenten und guten Trainern. Wir waren zu Saisonbeginn schon sehr weit. Man muss natürlich auch Glück haben. Aber jetzt kommen die anderen Nationen auf. Die Russen, Deutschen, Franzosen und Schweden sind sehr stark. Das wird sicherlich eine spannende Weltmeisterschaft.

SPORT1: Die Deutschen waren in der Staffel zuletzt zweimal erfolgreich. Was trauen Sie den Deutschen bei der WM in Khanty Mansysk zu?

Björndalen: Sie haben super Athleten und können alles erreichen. Sie können auch in den Einzel-Wettbewerben gewinnen. In der Staffel haben sie es ja bewiesen. Greis und Peiffer kommen immer besser in Form. In Ruhpolding und Antholz sind sie sehr stark gelaufen. Sie weisen eine steigende Tendenz auf.

SPORT1: In den letzten Jahren hat das schnelle Schießen am Schießstand ungemein an Bedeutung gewonnen. Wie erklären Sie das?

Björndalen: Um in der Weltspitze mitzuhalten, muss man sehr schnell laufen. Auf einfachen Strecken gibt es aber keinen großen Unterschied in der Laufzeit. In Antholz ist das zum Beispiel der Fall. Ruhpolding und Oberhof sind weitaus schwerer, da fällt das läuferische Können mehr ins Gewicht. Im Schießen kannst du aber leichter die Sekunden reinholen. Das versucht jeder, und dadurch steigt das Niveau von Wettkampf zu Wettkampf weiter an.

SPORT1: Heißt das, dass im Laufe der Saison die Schießgeschwindigkeit immer schneller wird?

Björndalen: Ja, zu Saisonbeginn war es noch langsamer als jetzt. Aber es ist auch eine Wellenbewegung. Ich weiß nicht woher das kommt, aber es steckt irgendwie an. Wenn andere Athleten schneller schießen, dann ziehst du mit.

SPORT1: Sie haben auf Ihrem Gewehr "41° C" stehen. Ist das ihre Lieblingstemperatur für den Sommerurlaub?

Björndalen:(lacht): Das wäre vielleicht ein bisschen zu heiß. Nein, das ist der Name meines Sportgetränks. Ich habe damit gute Erfahrungen während des Trainings und der Wettkämpfe gemacht. Da steckt viel Forschung dahinter, und ich bin sehr zufrieden damit.

SPORT1: Aber zieht es Sie nach der Saison sofort ins Warme, weg vom Schnee?

Björndalen: Das ist unterschiedlich. Manchmal fahre ich sofort ins Warme, aber das ist nicht immer sofort möglich. Manchmal muss ich vorher noch ein paar Termine wahrnehmen.

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