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Simon Schempp feierte 2009 sein Debüt im Weltcup © dapd

Die Saison mit der WM in Ruhpolding als Höhepunkt steht vor der Tür. Doch das deutsche Team hatte zuletzt ganz andere Probleme.

Von Andreas Kloo

München - An den letzten Winter hat Simon Schempp keine guten Erinnerungen.

Regelmäßig überkam den 23-Jährigen eine rätselhafte Erschöpfung in Training und Rennen.

In einer ersten Diagnose wurde sogar eine Herzmuskelentzündung als Ursache gennannt. Dieser Verdacht bestätigte sich zum Glück für Schempp zwar nicht, doch die Ärzte fanden keine körperliche Ursache für Schempps Erschöpftheit.

Über Monate hinweg blieb der Schwarzwälder im Ungewissen.

"Da macht man sich schon seine Gedanken"

"Das ist schon hart, wenn einfach keine Besserung eintritt und einem die Ärzte auch nichts Konkretes sagen können", blickt der Schwarzwälder im Gespräch mit SPORT1 anlässlich eines Termins seines Sponsors Erdinger Alkoholfrei zurück.

Schempp fürchtete zwischendurch das Ende seiner Karriere: "Da macht man sich schon seine Gedanken, wenn man seinen Sport nicht mehr ausüben kann".

Die genaue Ursache für seine langwierigen körperlichen Problem kennt Schempp bis heute nicht. Aber eine Krankheit schlossen die Ärzte aus. Offenbar musste Schempps Körper Überbelastungen im Training Tribut zollen.

Schempp will sich damit aber nicht mehr genauer befassen: "Das Wichtigste ist für mich, dass ich wieder normal trainieren kann".

Lehrreiche Zeit

Für den Mixed-Weltmeister von 2010 waren die harten Monate der Ungewissheit auch eine lehrreiche Zeit.

Er hat gelernt, auf wen er sich in schwierigen Zeiten verlassen kann.

"Meine Freunde aus meiner Jugendzeit haben mir in dieser Zeit Halt gegeben. Mit denen habe ich in dieser Zeit viel unternommen", erzählt er. Und er hat gelernt, es nun etwas langsamer angehen zu lassen.

"Ich denke jetzt Schritt für Schritt. Und der nächste Schritt ist erst einmal, mich für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren", wischt er den Gedanken an eine Medaille bei der Heim-WM in Ruhpolding beiseite.

Not-OP bei Gössner

Am 29. Februar 2012 startet das große Event des Winters, die Weltmeisterschaft im eigenen Land.

Doch auch bei einigen von Schempps Teamkollegen wurde die Vorfreude auf das Saison-Highlight durch schwierige Erlebnisse kurzzeitig getrübt. Dies gilt vor allem für Schempps Ex-Freundin Miriam Gössner.

Die 21-Jährige spürte im Sommer plötzlich starke Magenschmerzen. Die Ärzte stellten eine Darmverschlingung fest, Gössner musste sich einer Not-Operation unterziehen.

Die Garmischerin erholte sich aber relativ schnell von dem Eingriff, trainierte wieder und hat nun ebenso wie Schempp den Sprung ins Team für den Weltcup-Auftakt in Östersund geschafft.

Ebenfalls mit im Team ist der dreifache Goldmedaillengewinner von Turin, Michael Greis. Der 35-Jährige zog sich im Sommer einen Riss des Syndesmosebands zu und geht deshalb mit gedämpften Erwartungen in den Winter

Rösch im Leistungsloch

Beinahe wäre auch jemand ins Aufgebot für Östersund gerutscht, der schon weg vom Fenster war: Michael Rösch.

Der Staffel-Olympiasieger von 2006 fiel im letzten Jahr nach privaten Problemen in ein Leistungsloch und flog aus dem A-Kader.

Cheftrainer Uwe Müssiggang schrieb Rösch jedoch nicht ab: "Wer es einmal geschafft hat, oben anzukommen, hat den Nachweis erbracht, dass es geht", sagte er über den Altenberger, der sich in den drittklassigen Wettbewerben IBU-Cup und Deutschland-Pokal "über Wasser hielt".

Deutscher Meister im Sprint

Bei den Deutschen Meisterschaften auf Skirollern im September zahlte es sich für Rösch aus, dass er noch nicht aufgegeben hat. Überraschenderweise holte er sich dort den Titel im Sprint. Für die Nominierung für Östersund reichte es allerdings noch nicht.

"Wir haben eine sehr leistungsstarke Männermannschaft, und da waren andere insgesamt einen Tick besser als Rösch und Stephan", begründete Müssiggang seine Entscheidung.

Für den Weltcup eine Woche später in Hochfilzen erhielt Rösch allerdings eine Start-Garantie. (DATENCENTER: Biathlon 2011/12)

Saison-Aus für Wolf

Schempp, Gössner und Rösch haben ihre schwierigen Erlebnisse überwunden, doch ein neues Sorgenkind kam beim deutschen Biathlon-Team hinzu.

Alexander Wolf verletzte sich am Fußwurzelknochen und fällt nach einer OP für den gesamten Winter aus. Möglicherweise steht dem 32-Jährigen gar das Karriereende bevor.

Zumindest er muss den Traum von einer Heim-Medaille abhaken, für Schempp, Gössner und auch Rösch lebt er nach wie vor.

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