vergrößernverkleinern
Arnd Peiffer (l., mit Michael Greis) gewann im Weltcup vier Rennen - viermal einen Sprint © imago

Die Biathleten sehen den Östersund-Auftakt als Vorbereitung auf den Höhepunkt. Für die WM formulieren sie bei SPORT1 hohe Ziele.

Von Rainer Nachtwey und Andreas Kloo

München/Östersund - Als Gentleman des deutschen Wintersports hält er sich natürlich vornehm zurück.

Doch so ganz ohne Kampfansage will Arnd Peiffer nicht in die Biathlon-Saison starten, die für die Herren am Mittwoch mit dem 20 Kilometer Einzelrennen in Östersund (ab 17.15 Uhr LIVE-TICKER) ihren Auftakt nimmt und ihren Höhepunkt in der WM in Ruhpolding findet.

"Bei der Heim-WM will ich natürlich eine Medaille mitnehmen", sagt der Sprint-Weltmeister, dem der Gentleman-Beiname von DSV-Präsident Alfons Hörmann verliehen wurde, im Gespräch mit SPORT1.

Training auf Heim-WM ausgerichtet

Die Aufmerksamkeit der deutschen Biathleten liegt diese Saison ganz auf den Titelkämpfen im bayrischen Biathlon-Mekka. "Es ist einmalig, als Sportler eine Heim-WM laufen zu dürfen", führt Peiffer weiter aus.

Bundescheftrainer Uwe Müssiggang hatte daher die Vorbereitung auf den "Wettkampfhöhepunkt" ausgelegt. (DATENCENTER: Biathlon 2011/12)

"Wir bauen unser Training ohnehin nicht so auf, dass wir schon zu Beginn der Saison unbedingt die vordersten Plätze erreichen wollen. Wenn es so kommt freuen wir uns, aber in unserer Trainingskonzeption gehen wir anders vor", sagt der ehemalige Damen-Coach bei SPORT1.

Norweger laufen im Langlauf-Weltcup mit

Bei den gegnerischen Nationen erwartet Müssiggang eine ähnliche Ausrichtung, klammert eine dabei aber aus. "Bei den Norwegern sieht es ein bisschen anders aus. Da wollen die Athleten teilweise im Langlauf starten und müssen sich daher früh in der Saison für bestimmte Wettbewerbe qualifizieren", erklärt er.

So starteten Lars Berger, Emil Hegle Svendsen und Gesamtweltcupgewinner Tarjei Boe beim Auftakt der Spezialisten im heimischen Sjusjoen und rangierten unter den Top 20.

Tora Berger belegte bei den Damen hinter der alles in Grund und Boden rennenden Landsmännin Marit Björgen, Charlotte Kalla und Vibeke Skofterud sogar Platz vier - noch vor Gesamtweltcup-Siegerin Justyna Kowalczyk.

Comeback der Österreicher

Neben den Norwegern sieht Müssiggang "die beiden Fourcades (die französischen Brüder Simon und Martin, Anm. d. Red.), Russen, Italiener - die muss man auf der Rechung haben - und Österreicher" als härteste Gegner.

"Ich denke, die Österreicher haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und werden dieses Jahr auf jeden Fall angreifen. Das Potential haben sie. Das haben sie mit ihren Staffelsiegen unter Beweis gestellt."

Homogenität im Team

Seine Mannschaft sieht er gegen die harte Konkurrenz gerüstet. "Wer sich in der deutschen Mannschaft durchsetzt, ist ein Top-Athlet", sagt Müssiggang. " Man muss schon eine super Leistung bringen, um in der Mannschaft dabei zu sein."

Dabei stellt der 60-Jährige die Homogenität der Truppe heraus: "Alle fühlen sich sehr wohl. Sie sind füreinander da, sie kämpfen miteinander, sie kämpfen gegeneinander. Gegeneinander natürlich im positiven Sinn. Es gibt eine normale Konkurrenz, die auch angestrebt ist."

Neben dem im letzten Jahr als Vierter im Gesamtweltcup besten Deutschen Peiffer zählt Müssiggang vor allem auf die beiden Routiniers im Team, Michael Greis und Andi Birnbacher. (BERICHT: Stephan streicht Saison).

Rückstand bei Greis

Vom dreifachen Turin-Olympiasieger Greis, der aufgrund eines Syndesmose-Risses im August sechs Wochen Trainingspause einlegen musste, erwartet er zum Saisonauftakt allerdings keine Wunderdinge.

"Der Michi hatte die größten Probleme mit seiner Fußverletzung. Aber das ist relativ schnell geheilt und wir sind sehr optimistisch, dass er den Trainingsrückstand dank seiner hohen Grundlagenausdauer, die er sich als arrivierter Läufer aufgebaut hat, schnell aufholt", sagt Müssiggang.

Greis selbst geht gelassen in die drei Rennen von Östersund. "Meine Erwartungen habe ich nicht hoch geschraubt. Und vom Kopf nimmt es jede Menge Druck weg", führt der Gesamtweltcupsieger von 2006/2007 aus. "Die WM ist noch weit genug weg."

Schempp im Kommen

Und auch das zweite deutsche Sorgenkind, Simon Schempp, der sich in der vergangenen Saison mit rätselhafter Erschöpfung auseinandersetzen musste, sieht Müssiggang auf einem sehr guten Weg: "Er hat auf dem Ski und auf den Rollern sehr gute Leistungen gezeigt." (DSV-Sorgenkinder: Mysteriöse Erschöpfung und Not-OP)

Birnbacher hingegen nimmt sich bereits zum Auftakt viel vor. "Man muss schon am Anfang eine gute Form haben, um die Qualifikation für die WM schnell zu schaffen. Dann fällt schon mal ein bisschen Druck ab", sagt der 30-Jährige bei SPORT1.

Mit Freude statt Druck

Druck - dieses Wort fällt, kaum dass das Wort Heim-WM ausgesprochen ist. Die deutschen Biathleten setzen sich bereits frühzeitig mit dem Thema auseinander.

"Wichtig ist, dass man den Druck von außen und den Medien nicht zu nah an sich ranlässt und sich auf seine Sachen konzentriert, sagt Schempp im Gespräch mit SPORT1.

Und Birnbacher fügt hinzu: "Es ist schwierig. Das ganze Jahr ist nur von der Heim-WM die Rede. Auch die Trainer sprechen die ganze Zeit davon."

Dennoch hat er eine Lösung parat: "Wichtig ist, dass man sich nicht auch noch selbst unter Druck setzt und sagt: 'Ich muss, ich muss, ich muss'. Es soll immer noch eine Freude sein, bei der Heim-WM laufen zu dürfen. Mit Freude klappt es auch besser."

"Weiß, dass es funktioniert"

Und Peiffer hat sich bei jemandem Rat geholt, der diese Situation im Vorjahr durchgemacht hat.

"Ich habe mich mit Felix Neureuther ausgetauscht. Er hat gesagt, dass es schon einen riesiger Druck ist. Wobei er den Nachteil hatte, dass er alleine im Fokus stand. Bei uns verteilt sich das auf mehrere Personen."

Zumal die Situation für den Sprint-Weltmeister nicht allein wegen der Druck-Verteilung eine andere ist: "Der Titel gibt mir natürlich Selbstbewusstsein. Ich weiß, dass es funktionieren kann. Aber ich bin natürlich noch sehr erfolgshungrig."

Und Peiffer hat einen weiteren Vorteil auf seiner Seite: "Ich weiß, dass ich beim Sprint in Ruhpolding starten darf."

Als Titelverteidiger ist er bereits qualifiziert.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel