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Magdalena Neuner holte bei Olympia 2010 in Vancouver zwei Mal Gold © imago

Neuner geht mit Selbstbewusstsein, aber auch mit Gedanken ans Privatleben in den Winter. Bei SPORT1 erklärt sie ihre neuen Wege.

Von Andreas Kloo

München - Magdalena Neuner ist fit wie noch nie.

Das ist ihr deutlich anzusehen.

Bei allen Presseterminen in der Saisonvorbereitung strahlt sie eine große Lockerheit aus.

"Ich war in der Vorbereitung so wenig krank wie nie die letzten Jahre. Nur vier Tage Schnupfen", erklärt sie ihren optimalen körperlichen Zustand vor dem Weltcup-Auftakt in Östersund (Do., ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER).

In den letzten Jahren hatte die Olympiasiegerin in Sommer und Herbst immer mit teils mehrwöchigen Erkältungen zu kämpfen.

Vor allem das DSV-Trainingslager im finnischen Muonio machte ihrer Gesundheit immer stark zu schaffen. (DSV-Sorgenkinder: Mysteriöse Erschöpfung und Not-OP).

"Jeder ist Individualsportler"

Deshalb ging sie diesmal in der Vorbereitung andere Wege und trainierte abseits des Teams mit ihrer Trainingsgruppe in Mittenwald, in der Oberhofer Skihalle und im Südtiroler Obertilliach.

Die Trainer waren zunächst offenbar weniger erfreut über Neuners Alleingang.

Aber Neuner stellt bei SPORT1 klar: "Es hat nichts mit der Mannschaft zu tun oder mit der Kompetenz der Trainer."

Als Teamsportlerin sieht sie sich aber wohl nicht: "Jeder ist Individualsportler. Man darf nicht alle über einen Kamm scheren. Manchen macht das Training in Muonio gar nichts aus. Die freuen sich sogar auf die drei Wochen da oben. Ich bin da aber empfindlicher", führt die Wallgauerin weiter aus.

DSV unterstützt Neuner

Von einigen DSV-Kollegen bekommt die zehnfache Weltmeisterin auch Zuspruch für ihre Entscheidung:

"Muonio ist nicht jedermanns Sache. Da wird es den ganzen Tag nicht hell. Und die Magdalena hat da negative Erfahrungen gesammelt", springt ihr Andreas Birnbacher bei SPORT1 zur Seite.

Auch von seiten des Verbands wurden Neuner keine Steine in den Weg gelegt:

"Da hieß es, wir sehen ja selbst, dass du zuletzt immer krank wirst. Und wir wollen ja auch, dass du erfolgreich bist", berichtet Neuner von den entscheidenden Gesprächen mit dem DSV-Präsidium.

Training mit Jungs als Ansporn

Der Solo-Trip der 24-Jährigen scheint sich auszuzahlen. Bei den Deutschen Meisterschaften auf Skirollern im September räumte sie drei Einzel-Titel ab (Voting: Lisicki, Heidler oder Gold-Lena?).

Die Nationalen Titelkämpfe waren die einzigen Vergleichspunkte, die Neuner in diesem Jahr vor dem Saisonstart hatte, um ihren Leistungsstand einordnen zu können. Ein Problem für sie?

"Ich brauche keine Vergleichspunkte", entgegnet sie voller Selbstbewusstein auf die SPORT1-Frage. "Ich kann mich an den Jungs aus meiner Trainingsgruppe messen, auch wenn ich da keine Chance habe. Aber das spornt mich an."

Gold-Hymne als Traum

Neuner scheint bereit für die Saison, die für die Damen am Donnerstag mit dem Einzelrennen in Östersund (ab 17.15 Uhr LIVE-TICKER) startet. "Ich denke, ich bin sehr gut vorbereitet und hoffe, dass ich das in Östersund nachweisen kann" sagt sie vor dem Auftakt.

Den Höhepunkt des Winters, die Heim-WM in Ruhpolding Ende Februar (DATENCENTER: Biathlon 2011/12), hat sie fest im Blick:

"In Ruhpolding ganz oben auf dem Siegerpodest zu stehen und die deutsche Hymne zu hören - das wäre das Größte. Das möchte ich gerne erreichen. Der Gedanke daran hat mir geholfen, mich immer wieder im Training raus zu quälen".

Mit sechs Medaillen aus sechs Wettbewerben hat sich die Blondine ein riesiges Ziel gesteckt. Für sie selbst ist das aber keine große Sache. "Ich möchte das Ergebnis vom Vorjahr steigern und das ist nach fünf Medaillen nun sechs", erklärt sie lapidar.

Vorfreude statt Druck

Auch vor dem großen Druck, der auf sie und ihre Teamkollegen bei der Heim-WM niederprasseln wird, hat sie keine Angst.

Durch Mentaltraning hat Neuner gelernt, das Positive aus Stresssituationen zu ziehen. Bei den Weltmeisterschaften ist das für sie die Atmosphäre.

"Das wird in dem neuen Stadion eine riesige Stimmung geben. Ich kann mich richtig darauf freuen. Zumal dann sehr viele Freunde von daheim live im Stadion sein werden und mir die Daumen drücken", blickt sie freudig auf die Tage in Ruhpolding voraus.

Diskussionen um Rücktritt

Es könnten Neuners letzte Tage im Biathlon-Sport sein. "Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, ob ich in Nove Mesto noch dabei bin", sagte "Gold-Lena" zuletzt in einem "Bild-Interview" mit Blick auf die WM 2013 und gab damit Rücktrittsgerüchten neue Nahrung.

Mittlerweile ruderte sie zwar etwas zurück: "Ich betrachte es als normal, dass ich mir auch Gedanken über mein Leben nach dem Sport mache. Wann das beginnt, dass weiß ich noch nicht."

Aber wenn sie wirklich ihr Ziel von sechs Medaillen in sechs Wettbewerben bei der Heim-WM erreicht, stellt sich schon die Frage. Wie soll sie das noch toppen?

Mit 25 Jahren wäre sie dann auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angekommen.

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