vergrößernverkleinern
Magdalena Neuner gehört im Liegend- schießen zu den weltbesten Schützinnen © imago

Lena Neuners Ära geht zu Ende: Starallüren sind ihr seit jeher fremd. Sie mag aber nicht "die Süße aus Wallgau" sein.

München - Als Magdalena Neuner im Januar 2006 erstmals in die Weltcup-Loipe ging, dachte wohl niemand an den Beginn einer neuen Biathlon-Ära.

Mit 18 Jahren gab die damals noch unbekannte Ausnahmekönnerin in Ruhpolding ihr Debüt.

Es folgten zwei olympische Goldmedaillen, zehn WM-Titel und zwei Weltcup-Gesamtsiege. Die heute 24 Jahre alte Biathlon-Königin ist in ihrem Sport das Maß aller Dinge - und trotzdem immer bodenständig geblieben.

"Ich weiß, was bei mir zu Hause in der Vitrine steht - und das ist nicht wenig. Es gibt eigentlich nichts mehr, das ich unbedingt gewinnen muss", sagt Neuner (Neuner macht 2012 Schluss.

Biathlon-Hype dank Neuner

Was überheblich klingen mag, ist keinesfalls so gemeint.

Die Rekordweltmeisterin macht sich schlicht keinen Druck mehr und geht lockerer denn je in ihre Rennen. Mit dem 25. Weltcupsieg und zwei dritten Plätzen zum Auftakt im schwedischen Östersund legte sie im noch jungen Winter sogar den besten Saisonstart ihrer Karriere hin.

Mit ihren Erfolgen, zu denen bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver neben dem Gewinn von zwei Goldmedaillen auch einmal Silber zählt, löste Neuner in den vergangenen Jahren einen ungeahnten Hype aus und entwickelte sich neben Maria Höfl-Riesch zum Gesicht des deutschen Wintersports.

"Mich hat das so aufgeregt"

Der Aufstieg zur besten Biathletin der Welt begann schon in jungen Jahren.

"Ich musste in unheimlich kurzer Zeit reif werden und ziemlich viel lernen", sagt sie heute und spricht auch über die Schattenseiten des Lebens im Rampenlicht: "Mich hat das so aufgeregt, dieses Goldmädel zu sein, die kleine blonde Lena, die Süße aus Wallgau."

Unter permanenter Beobachtung

Mit der näherrückenden Heim-WM in Ruhpolding (29. Februar bis 11. März 2012), bei der sie den Gewinn von sechs Medaillen anpeilt, nimmt der Rummel um die Blondine wieder Fahrt auf.

"Es gab schon Tage, da hatte ich nicht mal Lust, den Müll vor die Tür zu bringen, weil da immer jemand war", sagte die Sportlerin des Jahres 2007.

Mittlerweile sei es besser geworden, die Fans haben gelernt, ihre Privatsphäre respektieren: "Ich gebe gerne viele Autogramme. Aber zu Hause möchte man schon seine Ruhe haben."

Entspannung beim Stricken

Dort im heimischen Wallgau, einem Dorf in Oberbayern mit knapp 1400 Einwohnern, wartet neben der Familie auch Freund Josef. Mit ihrem "Sepp" ist sie seit mehr als zwei Jahren liiert (Mit 24: Neuner denkt an Rücktritt).

"Wir sind glücklich, das passt super, und ich bin mir sehr sicher mit ihm", sagte Neuner der "Bild": "Vielleicht ziehen wir nach dem Winter zusammen."

Fernab von Loipe und Schießstand genießt Neuner die spärliche Zeit mit Freunden und pflegt ihre Hobbys, zu denen neben Stricken auch das Harfespielen zählt.

"Dabei kann ich so wunderbar abschalten", sagt Neuner. Wer sich übrigens die Strickkünste der Zollhauptwachtmeisterin ansehen möchte, kann das im Internet unter magdalena-strickt.de jederzeit tun.

Karriere als TV-Sternchen?

Ihre Triumphe haben Neuner im Gegensatz zu vielen ihrer Konkurrentinnen im Weltcup-Zirkus auch finanzielle Unabhängigkeit beschert.

"Ich leiste mir keine extravaganten Dinge", hat sie mal gesagt, auch den Begriff der Werbemillionärin hört sie trotz etlicher finanzkräftiger Geldgeber nicht gerne.

Die einzige große Investition sei es bisher gewesen, das Haus ihrer Oma für ihre Eltern zu kaufen. Ansonsten lebe sie ein ganz normales Leben.

Wie es nach der Karriere vielleicht weitergehen könnte, hat Gold-Lena kürzlich getestet. Für sechs Szenen ihrer Lieblingsserie "Sturm der Liebe" stand sie in München vor der Kamera.

Ungewohnt sei es gewesen, auch wenn es viel Spaß gemacht habe. Genauso war es einst auch bei ihrem ersten Weltcuprennen gewesen. Vor knapp sechs Jahren landete sie im Sprint von Ruhpolding übrigens nur auf Rang 41 - und ging trotzdem ihren Weg.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel