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Magdalena Neuner gewann bisher 13 WM-Medaillen, davon zehnmal Gold © getty

Nach zwei Weltcup-Siegen in Oslo kann nur eine Erkältung Magdalena Neuner stoppen. Die ist bitter enttäuscht und stolz zugleich.

Oslo - Erst jubelte Magdalena Neuner ausgelassen über zwei souveräne Siege, dann flossen bittere Tränen der Enttäuschung.

Die Rekord-Weltmeisterin musste nach ihren Galavorstellungen am Holmenkollen völlig überraschend die Teilnahme am Massenstart-Rennen in Oslo absagen.

Eine immer schlimmer werdende Erkältung zwang Neuner am Sonntag wenige Minuten vor dem Weltcup in die Knie.

Zuvor hatte keine der Kontrahentinnen sie auf ihrem Siegeszug aufhalten können (BERICHT: Henkel siegt - Neuner sagt ab).

"Ein Start wäre unvernünftig gewesen"

"Es war eine reine Gefühls- und Bauchentscheidung. Es wäre einfach unvernünftig gewesen, an den Start zu gehen, aber das war schon eine schwere Entscheidung", sagte Neuner: "Ich bin jetzt eher stolz drauf, dass ich so vernünftig war."

Das sah auch Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig so. "Das ist auch als Vorsichtsmaßnahme mit Blick auf die Weltmeisterschaft zu sehen. Sie soll dort gesund sein", sagte Hönig: "Wir werden auch die nächsten Entscheidungen pro WM treffen."

Und Teamarzt Jan Wüstenfeld sagte: "Was ich gehörte habe, sind auch ein paar Tränen geflossen." (492945BILDER: Neuners Karriere)

Medizinische Abteilung zieht Notbremse

Zuvor hatte Neuner in Oslo souverän den Sprint sowie die Verfolgung gewonnen und wollte eigentlich den Sieg-Hattrick perfekt machen. (BERICHT: Neuner gewinnt Verfolgung)

Doch die Signale ihres Körpers stoppten die Doppel-Olympiasiegerin kurzfristig, die medizinische Abteilung zog die Notbremse.

"Lena war vor dem Rennen draußen und hat noch ihre Ski getestet. Beim Laufen hatte sie dann arge Bedenken, dass sie richtig krank wird. Sie hat eine Erkältung, die jetzt durchgeschlagen ist", sagte Wüstenfeld.

Neuner angriffslustig

Einen Tag zuvor war sich Neuner noch sicher gewesen, dass sie auf dem Weg zu sechs Medaillen bei der Heim-WM in Ruhpolding und dem dritten Sieg im Gesamtweltcup nichts und niemand aufhalten kann.

"Bei mir wird es immer besser, ich merke das", sagte sie schon mit leicht kratziger Stimme: "Wo viele jetzt schon richtig Federn lassen, da geht es bei mir noch gut und gerade erst so richtig los. Die Kurve geht nach oben."

In Kontiolahti am Start

Doch plötzlich ging es körperlich bergab, das hatte sich in den letzten Tagen angedeutet. Zu Beginn der Woche stand sogar auf der Kippe, ob sie überhaupt in Oslo antreten kann.

Nachdem sich Deutschlands Sportlerin des Jahres von einer Erkältung erholt hatte, startete sie leicht angeschlagen.

Der Start bei der WM-Generalprobe in der kommenden Woche im finnischen Kontiolahti ist derweil nicht mehr fraglich.

"Ich habe mich dafür entschieden, diesen Wettkampf zu machen", sagte Neuner in Absprache mit Hönig und den Ärzten. Ihr Programm bis zur Heim-WM (29. Februar bis 11. März) geht demnach so weiter, wie es bisher geplant war.

Bloß kein Risiko

Risiken wolle man bei der Ausnahmekönnerin aber weiter nicht eingehen, damit sie beim Saisonhöhepunkt, dem letzten ihrer Karriere, bei vollen Kräften ist.

Bei aktuellen Temperaturen von weniger als 20 Grad unter Null gestalten sich Starts in Finnland ohnehin schwierig und müssen gut durchdacht werden.

Familie und Sepp erstmals an der Strecke

In einer für ihre Gegnerinnen erschreckend starken Form hatte Neuner am Samstag noch überlegen gewonnen und sich so einen Besuch in der Loge des norwegischen Königs Harald V. verdient.

Auch ihre Familie mit Freund Sepp jubelte ihr erstmals an der Strecke zu, als sie mit einem strahlenden Lächeln die Ziellinie überquerte.

Doch die schönen Erinnerungen werden nun von dem Rückschlag verdrängt, der sie auf der Zielgeraden ihrer Karriere vorerst ausgebremst hat.

Henkel-Sieg kleiner Trost

Ein kleiner Trost war immerhin, dass in Andrea Henkel eine Teamkollegin in die Bresche sprang und sich zum Abschluss des Sieg im Massenstart sicherte (DATENCENTER: Biathlon-Ergebnisse 2011/12).

"Ich bin sehr glücklich darüber", sagte die Thüringerin nach ihrem ersten Saisonsieg. Auch die 34-Jährige hofft, dass Neuner schnell wieder ins Team zurückkehrt und an ihre starken Leistungen anknüpft.

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