vergrößernverkleinern
Magdalena Neuner hat bei Olympia in Vancouver 2010 drei Medaillen gewonnen © getty

Magdalena Neuner schockiert vor dem WM-Auftakt die Konkurrenz mit einer ultimativen Ansage. Sie will es einer Legende gleichtun.

Aus Ruhpolding berichtet Andreas Kloo

Ruhpolding - Magdalena Neuner hat schon vor diesem Winter für einen kleinen Paukenschlag gesorgt, als sie ihr hohes Ziel von sechs Medaillen aus sechs WM-Rennen verkündete.

Nun - einen Tag vor WM-Beginn - hat die Doppel-Olympiasiegerin noch einen drauf gesetzt.

"Ich will zum Abschluss meiner Karriere sechs WM-Medaillen gewinnen, am liebsten natürlich sechsmal Gold", verkündete sie auf der Auftaktpressekonferenz des Deutschen Skiverbandes in Ruhpolding.

Inspiriert zu diesem Ziel der Maximalausbeute hat sie der Norweger Ole Einar Björndalen. "Er ist ein Vorbild für mich. Das ist ein Ziel, das ich mir noch setzen kann, das schaffen, was er geschafft hat", erklärte Neuner.

Wie Björndalen bei Olympia 2002

Björndalen hatte bei seinem Jahrhundert-Auftritt bei Olympia 2002 in allen vier Rennen, in denen er an den Start ging, Gold gewonnen.

In Salt Lake City fehlten allerdings noch die Wettbewerbe Massenstart und Mixed-Staffel im Programm. Neuner kann deshalb sogar sechsmal Gold davontragen (DATENCENTER: Die Weltcup-Wertung).

Erste Chance im Mixed-Bewerb

Anfangen will sie damit schon am Donnerstag in der Mixed-Staffel (Do., ab 15.15. Uhr im LIVE-TICKER): "Wir haben super Chancen, in der Mixed-Staffel Gold zu gewinnen. Wir sind alle absolute Siegläufer", sagte die 25-Jährige voller Selbstbewusstsein.

Neben Neuner werden für Deutschland Andrea Henkel, Andreas Birnbacher und Arnd Peiffer bilden.

Neuner will von vorsichtigen Tönen sie nichts wissen: "Warum sollten wir uns hier hinsetzen und tiefstapeln? Wenn ich die Wahl habe zwischen Bronze und Gold, nehme ich doch Gold. Warum nicht nach den Sternen greifen?"

Björndalen adelt Neuner

Sollte Neuner wirklich das schier Unmögliche möglich machen, und ein halbes Dutzend Gold abräumen, würde sie auch in der ewigen WM-Bestenliste mit Björndalen gleichziehen.

[image id="d61d9909-6366-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Der führt das Rekord-Ranking derzeit mit 16 Titeln an 523184(DIASHOW: Der DSV-Kader für Ruhpolding).

Allerdings ist es durchaus möglich, dass der wiedererstarkte 38-Jährige in Ruhpolding noch weitere Titel zu seiner Sammlung hinzufügt (BERICHT: Björndalen mit Medaillenhunger).

Björndalen selbst adelte Neuner am Dienstag: "Sie hat einfach alles gewonnen, und wir werden sie sehr vermissen. Der Biathlonsport wird sicher ein paar Jahre brauchen, um eine neue Magdalena Neuner zu finden."

Die Wallgauerin freute sich über die Lobeshymne der norwegischen Legende: "Das gibt mir noch einmal einen kleinen Selbstbewusstseinsschub".

Müssiggang nicht überrascht

An Selbstbewusstsein hat sie aber eigentlich schon mehr als genug.

Das machen ihre hohen Zielsetzungen deutlich. Neuner verteidigt ihr forsches Auftreten: "Man sollte sich immer konkrete Ziele setzen. Wenn man sich wirklich Gold wünscht, tut man auch noch mehr dafür", erklärt sie die psychologischen Hintergründe.

Chef-Bundestrainer Uwe Müssiggang zeigte sich von Neuners forschen Tönen nicht überrascht: "Ich kenne die Lena schon eine Weile. Das gehört bei ihr dazu".

Bremsen will er sie deshalb nicht. "Es wäre albern, wenn Lena nur unter die Top 10 laufen will."

Vettel zollt Respekt

Diese klaren Ziele imponieren auch einem anderen deutschen Spitzensportler. Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel zollte Neuner Respekt für ihre Rücktrittsentscheidung: "Ich finde es gut, dass sie dazu steht und sie ihr klares Ziel vor Augen hat, dass es auch noch andere Dinge gibt außer dem Sport."

Neuner wird nach der Saison im Alter von erst 25 Jahren ihre Karriere beenden. Von Abschiedsstimmung kann aber bei ihr keine Rede sein.

Vielmehr freue sie sich, "dass es jetzt endlich losgeht, darauf habe ich lange gewartet."

Locker wie nie

Neuner verbreitete bei ihrem ersten Auftritt demonstrative Lockerheit. Vor allem das Abschlusstrainingslager in Südtirol habe bei ihr noch einmal für Entspanntheit gesorgt.

"Es herrschte eine tolle Mannschaftsstimmung, wir hatten schöne gemeinsame Abende", erzählte die zehnfache Weltmeisterin.

Auch Müssiggang war Neuners Lockerheit nicht entgangen: "Das ist kein gespieltes Relaxtsein", stellte er klar. Er deutet Neuners positive Stimmungslage auch als Zeichen, dass die frühe Rücktrittserklärung schon zu Saisonbeginn die richtige Entscheidung war: "So hat sie sich viele Fragen erspart."

Ob ihr Ziel mit den sechs Goldmedaillen nicht zu hoch gegriffen war, darauf wird Neuner dann auf der Strecke eine Antwort geben.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel