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Uschi Disl (r.) feierte 47 Weltcup-Siege, 2006 beendete sie ihre Karriere © getty

Uschi Disl traut Magdalena Neuner bei der WM alles zu. Auch Michael Greis hat sie auf der Rechnung. Der SPORT1-Expertencheck.

Aus Ruhpolding berichtet Andreas Kloo

Ruhpolding - Magdalena Neuner ist das Aushängeschild für den Biathlonsport in Deutschland schlechthin. Doch in einer Kategorie ist ihr eine andere deutsche Biathletin voraus. Uschi Disl hat noch immer mehr Weltcup-Siege auf dem Konto als ihre junge Nachfolgerin.

47mal stand sie - die Staffel mit eingerechnet - ganz oben auf dem Podest, bei Neuner sind es derzeit noch 44. Am Saisonende tritt die Wallgauerin von der Biathlon-Bühne ab. Um Disl noch zu verdrängen, muss sie sich also sputen.

Zunächst mal aber geht Neuner mit hohen Zielen in die Heim-WM in Ruhpolding. Bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt sprach sie gar von sechs Goldmedaillen (BERICHT: Neuner greift nach den Sternen).

Große Erfolge, großer Erfahrungsschatz

Derartige Erfolge konnte Disl bei Weltmeisterschaften im eigenen Land nicht einheimsen. Zwar räumte sie immerhin acht WM-Goldmedaillen in ihrer Karriere ab.

Bei den Titelkämpfen in Ruhpolding 1996 und in Oberhof 2004 hatte sie aber jeweils großes Pech.

"Meine Erinnerungen an Heim-Weltmeisterschaften sind weniger gut. Sowohl in Ruhpolding als auch in Oberhof war ich krank. In Oberhof war ich dann zum letzten Rennen wieder fit, bin dann aber gestürzt. Es hat nicht sollen sein, aber dem weine ich nicht nach", erzählt die 41-Jährige bei SPORT1.

Neben ihren großen Erfolgen hat Disl in den 16 Jahren, in denen sie im Biathlon-Weltcup aktiv war, auch einen großen Erfahrungsschatz gesammelt.

Diese Erfahrungen bringt sie ein, um im SPORT1-Expertencheck die wichtigsten Fragen zur Biathlon-WM (Do., ab 15.15. Uhr im LIVE-TICKER) zu beantworten.

Uschi Disl über:

die Vor- und Nachteile der Gastgeberrolle:

Ein Vorteil ist es sicher nicht, der Druck wird dadurch nicht kleiner. Man will natürlich vor eigenem Publikum eine gute Leistung zeigen. Durch die Heim-Weltcups sind es die Sportler zwar gewöhnt. Aber das Medienaufkommen und die Zahl der Pressetermine sind nochmal um ein gutes Stück höher.

Magdalenas Neuners hohe Zielsetzung von sechs Medaillen:

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Die Lena macht das mit Ansage. Ihr Mentaltrainer hat ihr wahrscheinlich dazu geraten. Sie kann aber sehr gut mit Druck umgehen, sie ist ein cooler Typ. Ich traue es ihr zu. Sie war in diesem Winter in fast jedem Rennen auf dem Treppchen. Außerdem hat sie fast keine Konkurrenz. Wenn Lena einigermaßen trifft, gewinnt sie.

Neuners gefährlichste Rivalinnen:

Wenn sie einen guten Tag haben, sind das - neben Darya Domracheva- die Kaisa Mäkäräinen und die Tora Berger. Und ich hoffe noch ein wenig auf Andrea Henkel. Mit ihrem Sieg in Oslo hat sie gezeigt, dass sie auf dem aufsteigenden Ast ist.

die Medaillenchancen der deutschen Herren:

Es ist das Schöne bei den Herren, dass sie rechtzeitig zur Heim-WM wieder vorne mitmischen. In den letzten Jahren musste man hoffen, dass es einer in die Top 10 schafft. Aber nun können sie bei der WM tatsächlich Medaillen absahnen.

die heißesten DSV-Kandidaten bei den Herren:

Dem Andi Birnbacher würde ich es gönnen. Da muss mal ein Weltmeister-Titel hier. Er hat bislang eine tolle Saison hingelegt (DATENCENTER: Die Weltcup-Wertung). Wenn er die Nerven behält, was er in dieser Saison schon bewiesen hat, kann er es auch schaffen. In der Vergangenheit wollte er wohl immer zu viel und hat zu viel nachgedacht. Nun geht er viel lockerer mit dem Druck um und kann zeigen, was er wirklich drauf hat.

Arnd Peiffer hat auch gezeigt, dass er es kann. Um Gold zu holen, gehört aber neben einer guten Vorbereitung und einer guten Form auch das notwendige Quäntchen Glück am Tag X hinzu. Aber Arnd hat genau die gleichen Chancen wie Andi Birnbacher.

Greis' Last-Minute-Ticket:

Die Trainer haben sich seine Trainingsleistungen sicher genau angeschaut. Hätte er keine Leistung gebracht, würde er nicht starten. Und wenn er bei der WM einen guten Tag erwischt, dann ist alles möglich.

Sollte er im Einzel vier Mal Null schießen und die Konkurrenz sich Fehler erlauben, hat er sehr gute Chancen. Und das Einzelrennen ist für den Michi der ultimative Wettkampf (523184DIASHOW: Der DSV-Kader für Ruhpolding).

die Zukunft des Biathlonsports in Deutschland:

Da mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Biathlon ist nicht umsonst Wintersportart Nummer eins. Eine natürliche Spannung ist da bereits gegeben. Und vielleicht schaufelt sich nach Lenas Rücktritt eine der anderen Mädls frei.

Der Miri Gössner würde ich es gönnen. Sie hat das Potential vorne mitzulaufen, hat aber beim Schießen immer wieder ihre Probleme. Mir ist aufgefallen, dass sie dann gut schießt, wenn es um nichts mehr geht und die Podestplätze bereits außer Reichweite sind. Das ist für mich ein eindeutiges Zeichen, dass sie es kann, in bestimmten Situationen aber anscheinend den Kopf nicht frei hat.

Langläuferinnen für den Biathlon zu rekrutieren:

Das kann man vergessen. Wenn das wirklich ein ernst gemeintes Vorhaben ist, dann geht das nicht innerhalb eines Jahres. Die Langläuferinnen müssen erst einmal schießen lernen. Zu Thomas Pfüllers Vorschlag kam es, weil sich der DSV mehr auf den Biathlon konzentrieren will, da das die größte Einnahmequelle für den Verband ist.

Bundestrainer Uwe Müßiggang hat aber bereits klargestellt, dass das falsch verstanden wurde. Einen derartigen Plan gibt es nicht. Wenn sich aber eine Langläuferin im Biathlon versuchen will, dann würde man ihr keine Steine in den Weg legen.

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