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Christoph Stephan wurde 2007 in Martell dreifacher Juniorenweltmeister © getty

Christoph Stephan sprintet im Massenstart von Antholz zum Überraschungssieg. Lena Neuner wird das Schießen zum Verhängnis.

Antholz - Magdalena Neuner war nach dem Schieß-Debakel von Antholz am Boden zerstört, Christoph Stephan schwebte nach seinem ersten Weltcup-Sieg im siebten Himmel.

Der 23-Jährige aus Oberhof feierte als krasser Außenseiter im Massenstart den größten Erfolg seiner Karriere und rettete die Ehre der deutschen Biathleten bei der WM-Generalprobe.

Zuvor hatte Magdalena Neuner in Führung liegend den scheinbar sicheren Sieg vergeben, als sie im letzten Schießen alle fünf Scheiben verfehlte.

Dem Stockbruch zum Trotz

Während Neuner bittere Tränen der Enttäuschung weinte, tanzte Stephan vor Glück: "Seit ich zehn Jahre bin, habe ich dieses Ziel. Jetzt freue ich mich riesig."

Im Spurt verwies er den Österreicher Dominik Landertinger trotz eines Stockbruchs auf dem letzten Meter um 0,2 Sekunden auf Platz zwei.(DATENCENTER: Ergebnisse)

Der Sieg kam für den Thüringer völlig unverhofft, war er doch aufgrund von Darmproblemem zuvor kaum von der Toilette heruntergekommen, wie er freimütig erzählte.

Der Dank geht an den Chef

Bundestrainer Frank Ullrich lief jubelnd durchs Antholzer Skistadion, die 15.000 Fans sangen bei Kaiserwetter: "So ein Tag, so wunderschön wie heute."

Stephan hatte es bewusst auf die Sprint-Entscheidung ankommen lassen. "Auf der Zielgeraden macht mir keiner was vor", sagte der Polizeimeister mit einem Grinsen.

Der Triumph wurde ihm mit 10.000 Euro Prämie versüßt, sein Dank ging an den Chef: "Das war das Geburtstagsgeschenk für Frank Ullrich und dafür, dass er uns trotz der Querelen im Frühjahr nicht im Stich gelassen hat."

Erst der zweite deutsche Sieg

Ullrich, der am Samstag 51 Jahre alte wurde, machte seinem Schützling ein "Wahnsinnskompliment" und freute sich nach dem Pech im Jagdrennen über einen gelungen Abschluss des Wochenendes.

Es war er der zweite Sieg der deutschen Biathleten in diesem Winter. Tags zuvor war Michael Greis beim Sieg des Schweden Björn Ferry einen Kilometer vor dem Ziel gestürzt und nur auf Rang sechs gelandet.

Neuners Anschlag "war eigentlich gut"

Tiefe Enttäuschung gab es dagegen bei den Frauen nach dem verschenkten Sieg von Magdalena Neuner. "Für die Lena tut es mir furchtbar leid. Die ersten vier waren knapp vorbei und ihr Anschlag - auch wenn das jetzt komisch klingt - war eigentlich gut", sagte Bundestrainer Uwe Müssiggang.

Mit Blick auf die WM in Pyeongchang/Südkorea in drei Wochen ist dem Coach dennoch nicht bange: "Wir haben gezeigt, dass wir in jedem Rennen aufs Podest können. Das ist auch in Pyeongchang unser Anspruch."

Die entzauberte "Gold-Lena" verließ sichtlich bedient die Arena am Antholzer See. "Ich glaube, ich muss das nicht kommentieren", sagte die Weltmeisterin aus Wallgau. Nach dem Schieß-Debakel reichte es trotz der schnellsten Schlussrunde nur zu Platz sieben.

Vier Zehntel zu langsam

Der Sieg ging wie schon im Jagdrennen an Russland. Statt Anna Bulygina stand einen Tag später Jekaterina Jurjewa auf der obersten Stufe des Podests und baute die Führung im Gesamtweltcup vor Kati Wilhelm auf 47 Punkte aus.

Wilhelm verpasste als Vierte im Massenstart-Rennen das Podest um knapp vier Zehntelsekunden.

Die Biathlon-Karawane zieht sich nun fast drei Wochen zurück, bevor es zur WM nach Pyeongchang (14. bis 22. Februar) geht.

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