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Unter Verdacht: Jekaterina Jurjewa gewann bei der WM 2008 Gold © getty

Die Namen der des Dopings verdächtigen Biathleten sind weiter nicht offiziell. Dennoch sperrt die IBU die Sportler provisorisch.

München - Kollektives Schweigen statt Dementis in Russland, Sorgen beim Weltverband und beim TV.

Im sich abzeichnenden großen Doping-Skandal im Biathlon (Dopingfälle im Biathlon bestätigt) sind die Verdächtigen nach Bekanntwerden der positiven A-Probe vom Weltverband IBU provisorisch gesperrt worden.

Mit dem Ergebnis der von den Betroffenen beantragten Öffnung der B-Probe wird noch vor Beginn der WM in Pyeongchang/Südkorea (14. bis 22. Februar) gerechnet.

"Die B-Proben sollen am 9. Februar in Österreich geöffnet werden, erst dann können wir sagen, was weiter passiert", erklärte der in der IBU als Vizepräsident für den Leistungssport zuständige Olympiasieger Wladimir Smirnow (Kasachstan).

Trio auf Tauchstation

Sollten die Ergebnisse ein Dopingvergehen bestätigen, dann werde, so erläuterte IBU-Generalsekretärin Nicole Resch das weitere Prozedere, "die provisorische Sperre bis zu einer Anhörung durch ein unabhängiges Hearing-Panel verlängert".

Das Gremium besetzt die IBU mit unabhängigen Spezialisten. Es soll innerhalb von vier Wochen zusammentreten, um die betroffenen Sportler zu befragen.

Die in verschiedenen russischen Medien unter Verdacht gestellten Team-Stars Jekaterina Jurjewa (Positiver Test auch bei Jurjewa), Albina Achatowa und Dimitri Jaroschenko blieben auf Tauchstation und bereiten sich offenbar weiter in Südkorea auf den WM-Einsatz vor.

"Doping, Doping"

Russlands Biathlon Union RBU behauptete auf ihrer Homepage unverdrossen, keine Kenntnis von Dopingvergehen (Resch: "Wir haben den betreffenden Verband informiert") zu haben.

Einzig WM-Starterin Olga Saizewa äußerte sich in einem von der Agentur "Allsports" zitierten Tagebuch-Eintrag: "Immer wieder hören wir Doping, Doping. Ich kann dazu nichts sagen. Jeder versucht, auf seine Weise sein Ziel zu erreichen. Leider."

Und Jaroschenkos Heimtrainer Waleri Sacharow räumte nach einem Telefonat mit seinem Schützling in der Zeitung Sowjetski Sport ein: "Die Situation in der Mannschaft ist ziemlich angespannt. Dass sich etwas zusammenbraut, haben alle schon vor dem Abflug nach Korea erfahren."

Erfolgsstory gefährdet

Der deutsche IBU-Vizepräsident Alfons Hörmann sprach dagegen von einer "im höchsten Maße unerfreulichen Situation. Dadurch wird die gesamte Erfolgsstory des Biathlons gefährdet. Im jetzigen Stadium von einer Krise zu sprechen, geht mir allerdings zu weit."

Der in der IBU für das Marketing zuständige Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV) bestätigte, dass die gerade verhandelten neuen Verträge "selbstverständlich Klauseln in Bezug auf Dopingfälle" beinhalten.

Aktuell hofft der Weltverband angesichts von jüngsten Rekord-Einschaltquoten auf deutlich höhere Einnahmen durch den noch nicht perfekten neuen TV-Vertrag für den Zeitraum von 2010 bis 2014.

"Gnadenlos gegen Wand"

Eine für den 20. Februar in Pyeongchang vorrangig zum Thema TV/Marketing einberufene Sitzung der IBU-Exekutive wird sich, so vermutet Hörmann, wahrscheinlich intensiv mit der Dopingproblematik beschäftigen.

"Wir können nur Schaden vom Biathlon abwenden, wenn wir weiter konsequent kontrollieren und alle Betrüger gnadenlos gegen die Wand laufen lassen" sagte Hörmann.

Um die künftigen TV-Rechte bemüht sich maßgeblich auch die Vereinigung von Europas öffentlich-rechtlichen Sendern (EBU) mit ARD und ZDF, die bei einem Dopingskandal in der beliebtesten Wintersport-Disziplin der deutschen TV-Zuschauer in Zugzwang geraten würden.

"Ein Krisengespräch zum Thema Doping im Biathlon gab es innerhalb der ARD nicht. Zunächst bleiben die weiteren Entwicklungen abzuwarten, doch wir werden das Thema natürlich intensiv beobachten und innerhalb unserer Übertragungen journalistisch kritisch damit umgehen", erklärte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky.

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