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Miriam Gössner debütierte 2009 im Biathlon-Weltcup © imago

Die Sprint-Siegerin schießt in der Verfolgung schwach, läuft aber famos. Henkel ist beste Deutsche, die Landsmänner enttäuschen.

Oberhof - Hoffnungsträgerin Miriam Gössner verlor am Ende im dichten Nebel kurz den Durchblick. Zehn Fehler am Schießstand - ein echter "Shooting-Star" ist sie noch nicht (BERICHT: Gössner holt zweiten Weltcup-Sieg).

Dennoch feierten Gössner und die deutschen Biathletinnen mit 23.500 begeisterten Fans in Oberhof eine Riesen-Sause. Ungeachtet des fast schon traditionellen Schmuddelwetters im Thüringer Wald wurde die Skiarena am Rennsteig zu einer einzigen Partymeile. (DATENCENTER: Ergebnisse und Termine)

Vor ihren zehn Fehlschüssen im abschließenden Verfolgungsrennen hatten Gössner mit ihrem zweiten Saisonsieg und Andrea Henkel als Dritte bereits im Sprint am Samstag das perfekte Unterhaltungsprogramm geliefert.

Lokalmatadorin Henkel rettete die Feier dann mit einem ordentlichen siebten Platz zum Abschluss am Sonntag.

Keine DSV-Männer in den Top 10

Die deutschen Männer kommen dagegen im WM-Winter nicht recht in Schwung und verpassten nach einer durchwachsenen Leistung am Schießstand auch in der Verfolgung vordere Plätze.

Beim erneuten Sieg des überragenden Russen Dimitri Malyschko (33:22,9 Minuten/0 Fehler) sorgte Erik Lesser (Frankenhain/+2:19,5 Minuten/2 Fehler) als 13. für das beste deutsche Resultat.

Rang zwei ging wie im Sprint an Jewgeni Garanitschew (Russland/+42,1/1) vor dem fehlerfreien Tschechen Ondrej Moravec (+49,9).

Sieben Fahrkarten von Peiffer

Der frühere Weltmeister Arnd Peiffer (Clausthal-Zellerfeld/+3:33,8) verbaute sich seine gute Ausgangsposition aus dem Sprint und erreichte nach sieben Schießfehlern als 29. abgeschlagen das Ziel.

Simon Schempp (Uhingen/+3:13,0/4) wurde 26. und hatte auf die Spitzenränge wie Johannes Kühn (Reit im Winkl/+6:09,7/8) als 53. beträchtlichen Rückstand.

Berger-Jägerin Nummer eins

"Wenn man fünf Fehler gleich am Anfang schießt, ist man erst mal demotiviert. Ich habe aber trotzdem versucht zu kämpfen", sagte Gössner nach einem spektakulären Verfolgungsrennen: "Ich kann gut schießen, das habe ich schon gezeigt, soviele Fehler habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Ich kann mit dem zehnten Platz dennoch zufrieden sein."

Grund zur Freude hatte Gössner trotz des Fehler-Festivals am Schießstand vor allem beim Blick auf die Weltcup-Statistik. (SERVICE: Alles zum Biathlon)

In der überholte sie die Tschechin Gabriela Soukalova und ist nun hinter der Norwegerin Tora Berger Zweite. "Es wäre lustig, wenn es jetzt so weiterginge", sagte Gössner. Sie sei sich aber "sehr sicher, dass es in den nächsten Wettkämpfen wieder schwieriger wird".

Auch wegen des ordentlichen Abschneidens in Oberhof wollte Frauen-Trainer Gerald Hönig seiner derzeit besten Athletin keine Vorwürfe machen. "Sauer bin ich wegen des Schießens eigentlich nicht. Wir müssen sicherlich über die Fehler reden und den Wettkampf akribisch analysieren", sagte Hönig danach.

Henkel aus dem Krankenstand auf das Podest

Im Hype um die 22 Jahre alte Vorzeige-Athletin aus Garmisch ging es fast unter, dass auch Henkel direkt vom Krankenbett aufs Podest gelaufen war und als Siebte im abschließenden Rennen eine beachtliche Vorstellung ablieferte.

Hinter Gössner ist Henkel jetzt die Nummer drei im Gesamtweltcup.

Start war kein Fehler

"Auf jeden Fall habe ich die Bestätigung, dass der Start kein Fehler war", sagte Henkel. Im Staffelrennen hatte die 35-Jährige wegen eines grippalen Infekts noch pausieren müssen.

"Es tat auch mal gut, das Ganze von der Couch anzuschauen. Ich freue mich natürlich, dass meine Serie gehalten hat", sagte Henkel, die seit 2007 in Oberhof in jedem Jahr eine Podiumsplatzierung erreicht hat.

Männer auf Formsuche

Während die Frauen nach anfänglichen Schwierigkeiten pünktlich zur heißen Phase des WM-Winters immer besser in Schwung kommen, liefen die Männer ohne ihren derzeit Besten Andreas Birnbacher (Grippe) trotz eines erstarkten Arnd Peiffer (Clausthal-Zellerfeld), der im Sprint Zwölter wurde, der Auftaktform hinterher.

Die weiteren DSV-Athleten verpassten dagegen den Sprung unter die besten 25.