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Kati Wilhelm holt bei der WM die zweite Medaille © getty

Kati Wilhelm holt bei der WM ihre zweite Medaille, bei den Herren herrscht lange Zeit Verwirrung um den Sieger des Jagdrennens.

Pyeongchang - Gold und Silber für Kati Wilhelm, ein zweiter Platz für Simone Hauswald und ein nie zuvor erlebtes Chaos - bei der Biathlon-WM in Pyeongchang/Südkorea ging es auf und neben der Loipe hoch her.

Norwegens Sprint-König Ole Einar Björndalen verirrte sich im Jagdrennen, wurde von der Jury auf Platz drei verbannt und nach Protesten doch noch zum Sieger gekürt.

Zudem sorgte Andrea Henkel für eine Schrecksekunde, als sie versehentlich beim Aufwärmen einen Schuss abgab, zum Glück niemanden traf und trotzdem den Regeln entsprechend disqualifiziert wurde.

Wilhelm freut sich über ersten Titel seit 2001

"Ich bin total glücklich, diese Einzelmedaillen waren extrem wichtig für mich. Darauf habe ich lange gewartet", sagte Kati Wilhelm (Zella-Mehlis), die zuletzt 2001 in Pokljuka einen WM-Solotitel gefeiert hatte.

Die Thüringerin gewann vor der Geisterkulisse von kaum 500 Zuschauern den Auftakt-Sprint vor ihrer Teamgefährtin Simone Hauswald und wurde in der Jagd nur von Helena Jonsson bezwungen. Olga Saizewa (Russland) wurde jeweils Dritte.

Bei den Männern krönte sich Ole-Einar Björndalen mit den Titeln Nummer 11 und 12 zum erfolgreichsten Biathleten aller Zeiten. Für die besten Resultate der insgesamt enttäuschenden deutschen Männer sorgten Michael Greis (Sprint/7.) und Michael Rösch (Jagd/9.). (DATENCENTER: Alle Biathlon-Ergebnisse )

Strecken "einer WM unwürdig"

"Jetzt habe ich bei meiner ersten WM gewonnen und bei meiner wahrscheinlich letzten", meinte Wilhelm und vergoss Freudentränen bei der Siegerehrung.

Bei katastrophalen Schneebedingungen nach tagelangem Dauerregen kam die 32-Jährige ebenso gut zurecht wie tags darauf bei plötzlich einsetzender grimmiger Kälte und einer Piste, die sich "stellenweise in eine richtige Eisbahn" verwandelte.

"Die Strecken hier sind einer WM unwürdig", lautete das eindeutige Fazit der deutschen Paradeläuferin.

Hauswald widmet Titel der Mutter

"Dass ich ausgerechnet bei dieser speziellen WM meine erste Einzelmedaille gewinnen konnte, macht ich überglücklich, und ich widme die Medaille zur Hälfte meiner Mama", sagte Simone Hauswald.

Ihre aus Südkorea stammende Mutter Kye-Soon war mit südkoreanischer und deutscher Flagge ausgerüstet unter den wenigen Tribünengästen. Im Jagdrennen fiel Hauswald durch acht Fehler auf Platz 12 zurück.

Neuner stürzt im Jagdrennen

Enttäuschend endete der WM-Auftakt für die sechsmalige Weltmeisterin Magdalena Neuner. Die Topfavoritin aus Wallgau kam nach zu vielen Schießfehlern über die Ränge 8 und 11 nicht hinaus und stürzte zu allem Überfluss noch auf der Schlussabfahrt des Jagdrennens.

"Ich habe mich überschlagen. Jetzt muss ich erstmal mein Hinterteil behandeln lassen", meinte Neuner. 66185(DIASHOW: Der deutsche WM-Kader)

"Schreck-Schuss" von Henkel

Ganz schlimm hätte das Malheur von Andrea Henkel ausgehen können. Die Titelverteidigerin in Sprint und Jagdrennen wurde nach Sprint-Rang sechs vor der Jagd wegen eines schweren Regelverstoßes disqualifiziert.

Beim Aufwärmen mit der Waffe in einem speziellen Trainingsraum legte sie ein falsches (gefülltes) Magazin ein. Ein scharfer Schuss löste sich. Die Kugel durchschlug eine Holzwand und landete in einer Stahltür.

"Zum Glück ist niemand verletzt worden", sagte Kati Wilhelm, die unmittelbar neben ihrer Teamkollegin übte: "Wir haben alle einen Riesen-Schreck bekommen."

Tschudow zwischenzeitlich Weltmeister

Der organisatorisch komplett missratene WM-Auftakt endete im völligen Chaos. Nach Björndalens Fahrfehler und einer am Ende nicht zu ermittelnden Zahl weiterer Läufer legte Russlands Team Protest ein.

Die Jury erkannte nach langer und hitziger Diskussion auf Regelverstoß und Bestrafung, was Maxim Tschudow (Russland) zum zwischenzeitlichen Weltmeister machte.

"Der blanke Wahnsinn!"

Doch die verärgerten Norweger konterten mit einem Gegenprotest. Die Appelations-Jury gab diesem statt und stellte die alte Rangfolge wieder her. "Kein Athlet hat sich einen Zeitvorteil verschafft", lautete die Begründung von Jury-Chef Gottlieb Taschler (Italien).

Da waren Björndalen ("Ich hatte nie geglaubt, auf dem falschen Weg zu sein.") und Kontrahent Tschudow ("Ich fühle mich nicht als Weltmeister. Die Entscheidung ist nicht im Interesse des Sports.") längst im Hotel.

Michael Greis fasste die Kritik zusammen: "Die Strecken-Präparation ist wie alles hier: Der blanke Wahnsinn!"

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