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Neuner wurde von Müssiggang nicht für das 15-km-Rennen nominiert © getty

Der Druck auf das russische Team bei der WM wächst. Die deutschen Athleten sind entrüstet über den Umgang mit der Doping-Affäre.

Pyeongchang - Nach dem größten Dopingskandal der Biathlon-Geschichte wächst bei der WM in Pyeongchang der Druck auf das darin verwickelte russische Team.

"Wir können nicht verstehen, wie locker die hier mit ihrer Situation umgehen, und sind fassungslos über die Dreistigkeit", sagte Magdalena Neuner stellvertretend für die entrüstete Skijäger-Szene.

Weltverbands-Präsident Anders Besseberg (Norwegen) beklagte zu Wochenbeginn "eine durch den russischen Dopingfall ausgelöste große Splittung der Biathlon-Familie und Fronten, die gegeneinander kämpfen".

Die Schweden sprachen nach Morddrohungen aus Russland auf der Sitzung der Mannschaftsleiter öffentlich über den Boykott des Weltcup-Finales in Chanty Mansijsk.

Nach mehreren fragwürdigen Auftritten ihrer Sportler versprach wenigstens die Sportdirektorin der russischen Biathleten, Jelena Anikina, "harte Strafen."

Wilhelm in Rage

Nachdem die zweifache Bronzemedaillen-Gewinnerin Olga Saizewa offiziell jeden kritischen Kommentar zum erwiesenen Dopingvergehen ihrer Teamgefährten Albina Achatowa, Jelena Jurjewa und Dimitri Jaroschenko abgelehnt hatte, war bereits Sprint-Weltmeisterin Kati Wilhelm in Rage geraten und hatte fehlendes Unrechtsbewusstsein im russischen Team beklagt.

Neuner schilderte ihre Eindrücke so: "Die Russen sind extrem gut gelaunt und scherzen viel. Das ist krass und enttäuschend, wie die mit dem Thema umgehen. Wir haben ein Problem damit und gehen den Russinnen aus dem Weg." (DATENCENTER: Alle Biathlon-Ergebnisse )

Verdacht der Systematik

Der in Pyeongchang bekannt gewordene sechste positive Test, der einer beim Weltcup in Oberhof entnommenen Probe Jaroschenkos entstammt (damit Jaroschenko dreimal überführt, Jurjewa zweimal und Achatowa einmal), verstärkte den Verdacht des systematischen Dopings in der russischen Mannschaft. (Gedoptes Trio "nur die Spitze des Eisbergs")

"Wir werden herausfinden, ob das nur die Spitze des Eisbergs ist. Ich bin überzeugt davon, wenn es noch mehr Doping im Biathlon gibt, werden wir es entdecken", sagte Besseberg.

Morddrohungen für Schweden

Wolfgang Pichler ist "überzeugt davon, dass 90 Prozent der Biathleten sauber sind". 66185(DIASHOW: Der deutsche WM-Kader)

Der deutsche Trainer der Schweden forderte nach Morddrohungen gegen seine Team-Mitglieder Mathias Nielsson und Björn Ferry Sicherheits-Garantien der russischen Regierung für seine Mannschaft beim Weltcup-Finale in Chanty Mansijsk (26. bis 29. März).

"Die dopen, wir haben den Ärger"

"Wir können uns nicht vorstellen, zu einem Weltcup zu fahren, bei dem wir Angst um unser Leben haben müssen. Die Russen wollen schließlich die Olympische Spiele 2014 ausrichten. Die müssen für unsere Sicherheit garantieren", sagte Pichler.

"Die Russen haben gedopt, und wir haben den Ärger. Das kann doch nicht wahr sein."

Doper als "Idioten" bezeichnet

Mathias Nielsson hatte in seinem Internet-Blog die russischen Doper als "Idioten" bezeichnet und war in den letzten Tagen ebenso massiv aus Russland bedroht worden wie die französischen Brüder Simon und Martin Fourcade. Besseberg forderte die Schweden in der Mannschaftsführer-Sitzung auf, eine Dokumentation der Vorfälle zu erstellen.

Nach Jurjewas Auftritt im russischen TV ("Ich habe ein reines Gewissen. Und nicht nur ich, sondern die anderen auch.") ruderte Jelena Anikina zurück. Sie versprach "intensive Untersuchungen, an deren Ende wir alle Beteiligten zur Verantwortung ziehen werden".

Achatowa-Gatte Mannschaftsarzt

Einen WM-Abzug der restlichen Mannschaft (Anikina: "Nur Gott kann wissen, ob noch mehr Doping im Team ist.") oder wenigstens der selbst von Jurjewa verdächtigten Teamärzte lehnt die Sportdirektorin des russischen Verbandes ab.

Dabei ist in Pyeongchang ausgerechnet der Ehemann der erwischten Achatowa, Andrej Dimitrijew, als Arzt der Männermannschaft im Einsatz.

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