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Miriam Gössner gewann zweimal Gold bei Biathlon-Weltmeisterschaften © imago

Miriam Gössner trainiert nach ihrem Fahrradunfall unter Schmerzen. Die Teilnahme in Sotschi wird ein Wettlauf mit der Zeit.

Aus Ruhpolding berichtet Andreas Kloo

Ruhpolding - Miriam Gössner war schon wieder zu Späßen aufgelegt.

"Und ich hoffe, dass ihr mich am Sonntag alle wählen werdet", imitierte sie in die Kamera lächelnd eine Kandidatin für den bayerischen Landtag.

Gössner wirkte auf dem Pressetermin in Ruhpolding entspannt, lässig saß sie in Jeans und weißer Trainingsjacke da und beantwortete die Fragen der Journalisten.

Dabei ist sie körperlich alles andere als topfit.

Ständige Rückenschmerzen

Vier Monate sind seit ihrem schweren Fahrradunfall vergangen. Und von normalem Biathlon-Training kann noch immer keine Rede sein. Rückenschmerzen sind ihr ständiger Begleiter.

Mit Joggen oder Skirollertraining versucht sie sich die notwendige Ausdauer für den Biathlon zu holen. Doch an manchen Tagen muss sie die Trainingseinheit nach zehn Minuten wieder abbrechen.

"Wenn ich zu viel mache, dann merke ich es sofort, dann kann ich meine Sachen packen und wieder heimgehen." An solchen Tagen geht es Gössner nicht so gut.

Dennoch versucht es die Garmischerin dann am nächsten Tag wieder aufs Neue. Gössner ist dankbar, dass sie überhaupt noch Sport treiben kann.

Dreieinhalb Stunden gelähmt

Am 10. Mai diesen Jahres hing ihre Biathlon-Karriere am seidenen Faden. Beim Mountainbike-Training mit ihrer Schwester Christina in Norwegen war die Blondine verhängnisvoll gestürzt.

Richtig erinnern an den Unfallhergang kann sie sich nach wie vor nicht. Die Minuten, als sie auf der Straße lag, und ihre Beine nicht mehr spürte, sind Gössner aber nach wie vor präsent.

"Bitte las mich wieder laufen können! Es muss gar nicht Sport sein. Hauptsache, ich kann wieder gehen", betete sie damals. Erst nach dreieinhalb Stunden wurde Gössner erlöst, sie konnte ihre Beine wieder bewegen.

"Die schlimmsten dreieinhalb Stunden ihres Lebens", nannte ihre Freundin Magdalena Neuner diese Zeit zurecht.

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"Wichtigere Dinge als Sport"

Drei Lendenwirbel brach sich Gössner bei dem Sturz, nur knapp schrammte sie an der Querschnittslähmung vorbei.

DSV-Teamarzt Dr. Bernd Wolfarth spricht von einem kleinen Wunder.

Gössner ist dankbar für dieses Wunder und zog ihre Lehren daraus. "Es hat mir gezeigt, dass es auch wichtigere Dinge im Leben gibt als den Sport", erklärte sie ihre Erkenntnis.

Olympia als Motivation

Die Schmerzen im Rücken würden ein bis drei Jahre bleiben, lautete die niederschmetternde Prognose der Ärzte.

Umso erstaunlicher, dass die 23-Jährige das Training wieder auf sich nimmt. "Der Sport macht mir einfach wahnsinnig viel Spaß", erklärte sie ihre Grundmotivation.

Und ein großes sportliches Ziel hat die Halb-Norwegerin nach wie vor vor Augen: Sotschi 2014. "Olympia ist in diesem Winter das einzige, was zählt", sagte sie.

Einstieg im Januar plausibel

Deshalb fände sie es auch nicht so schlimm, wenn sie den Weltcup-Start in Östersund Ende November verpassen würde, obwohl sie gleichzeitig sagte: "Natürlich wäre ich da gerne dabei."

Am ehesten denkbar bei Gössners aktuellem Fitnessstand scheint ein Weltcupeinstieg Anfang Januar in Oberhof.

Die Trainer schilderten am Donnerstag in Ruhpolding, dass Gössner ein fixer Platz im Weltcup-Team bereitgehalten wird.

Doppelstart wieder möglich

Auch an Olympia haben die Trainer schon gedacht und sowohl eine Biathlon- als auch eine Langlaufakkreditierung für Gössner reserviert.

Im vorigen Winter war sie nach der Biathlon-WM auch bei den Langlauf-Titelkämpfen an den Start gegangen und verpasste dabei die Bronzemedaille um die Winzigkeit einer halben Sekunde.

Doch dieses Doppelmedaillenunternehmen scheint für Gössner derzeit so weit entfernt wie die Färöer-Inseln vom Fußball-WM-Titel.

Deshalb sagte Gössner auch: "Damit beschäftige ich mich nicht so sehr, ich will erst einmal gesund werden."

"Dann klappt es eben nicht"

Dann aber gibt die Langlauf-Staffelmedaillengewinnerin von Vancouver 2010 doch zu, bereits mehrere Notfallszenarien in der Tasche zu haben.

"Es gibt einen Plan A, einen Plan B, einen Plan C und einen Plan D", verriet sie. Plan D wäre dann wohl der Super-Gau: das Verpassen von Olympia.

Wobei Gössner klarstellt, dass es für sie kein Super-Gau wäre. "Wenn es nicht klappt, dann klappt es eben nicht und ich starte in der nächsten Saison wieder durch", sagte sie und machte damit deutlich, was sie in diesem Jahr gelernt hat.

Für Gössner gibt es wichtigere Dinge als Sport.

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