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Ole Einar Björndalen steht vor seinem sechsten Sieg im Gesamt-Weltcup © getty

Vor dem Weltcup-Finale diskutiert Björndalen die Probleme der Skijäger. Frank Ullrich will sich von Dopingvorwürfen reinwaschen.

Chanty-Mansijsk/Leipzig - Dopingvorwürfe gegen den deutschen Männer-Coach Frank Ullrich (Steinigen verstärkt Druck auf Ullrich), der nicht aufgeklärte Fall um drei gedopte russische Topstars (Von Aufklärung keine Spur), Diskussionen im Athletenkreis und die Gastgeber unter Beobachtung (Personenschutz für Schweden):

Der längst nicht mehr heilen Biathlon-Familie steht in Chanty-Mansijsk ein turbulentes Saisonfinale (ab Do., 14.15 Uhr LIVE) bevor.

Der spannende Kampf um die Kristallkugeln der Weltcup-Gesamtsieger, in den auch Olympiasiegerin Kati Wilhelm eingreift, gerät dabei fast zur Nebensache.

DSV wertet Wirths Aussagen ab

Der von ehemaligen Topathleten der Verstrickung in das DDR-Dopingsystem bezichtigte Frank Ullrich erwägt rechtliche Schritte, nachdem der Deutsche Skiverband (DSV) die Aussagen des bisherigen Hauptbelastungszeugen Jürgen Wirth als "unglaubwürdig" und "wahrheitswidrig" eingestuft hatte. (Ullrich wehrt sich)

"Wir werden uns in einer Untersuchungskommission nochmals umfassend mit den Anschuldigungen befassen", sagte DSV-Sprecher Stefan Schwarzbach. (Ordnete Ullrich Doping an?)

Zudem verweist der DSV auf eine Meldung des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) vom Januar 1992, wonach Ullrichs Aussage, dass er weder als Aktiver noch als Trainer mit Dopingfragen direkt oder indirekt befasst gewesen sei, als "glaubwürdig" eingeschätzt wurde.

Auch der Sportausschussvorsitzende Peter Danckert setzt sich für Ullrich ein und sieht die Doping-Vorwürfe als verjährt an. "Wer 20 Jahre als Trainer im gesamtdeutschen Sport tätig war, dem sollte man, was auch immer da im Einzelnen war, diese Dinge nicht mehr vorhalten dürfen. Wir haben ein Grundprinzip des Rechtsfriedens auf der Verjährung", sagte der SPD-Politiker im Bayrischen Rundfunk.

Aussprache mit Björndalen

Unterdessen traf sich der fünfmalige Olympiasieger Ole Einar Björndalen am Mittwoch in Chanty-Mansijsk mit einigen Vertretern der insgesamt 24 angereisten Teams zu einer internen Aussprache, um Probleme innerhalb der Skijäger-Zunft zu diskutieren.

Der Norweger wird am Samstag (11 Uhr Ortszeit) im Treff mit der IBU-Spitze als Chef des Athletenkomitees Positionen und Forderungen der Aktiven vortragen.

Derweil wird sich die Aufklärung der Dopingfälle von Russlands Teamstars Jekaterina Jurjewa, Albina Achatowa und Dimitri Jaroschenko wahrscheinlich bis in den Frühsommer hinziehen.

Unterlagen wohl erst im April beim Weltverband

Bekannt ist bisher nur, das vom überführten Trio ein sogenanntes Epo-Biosimilar und keine Epo-Substanz der neuen Cera-Generation zur Manipulation genutzt wurde.

Der Präsident des Weltverbandes IBU, Anders Besseberg, erklärte vor seiner Abreise zum Kongress der olympischen Sportverbände in Denver, dass er bis Anfang April mit dem Eingang der kompletten Unterlagen aus dem Dopinglabor Lausanne rechnet.

Danach werden IBU und der russische Verband RBU ihre Untersuchungen und Anhörungen durchführen und Strafen festlegen.

Wilhelm hat die besseren Karten

Auf der sportlichen Seite hat Wilhelm (Zella-Mehlis/872 Punkte) im Duell um den mit immerhin 25.000 Euro dotierten Triumph im Gesamtweltcup gegen Helena Jonsson (Schweden/894) die besseren Chancen, obwohl die Rivalin vor den letzten drei Saisonrennen 22 Punkte vorn liegt.

Allerdings werden die Zähler aus den drei individuell schwächsten Wettkämpfen gestrichen.

Da Wilhelm in zwei Rennen fehlte und einmal nur 40. war, wird maximal ein Punkt gestrichen, Jonsson verliert mindestens 43 Zähler und muss deshalb insgesamt besser abschneiden. (DATENCENTER: Der Biathlon-Weltcup)

Wer tritt Neuners Erbe an?

"Es geht um jeden Punkt. Ich werde kämpfen bis zum Schluss und will mir die große Kristallkugel holen", sagte Wilhelm.

Die Thüringerin gewann bereits 2006. Danach triumphierten Andrea Henkel (2007) und Magdalena Neuner (2008). Wilhelm kann außerdem noch die Disziplinwertungen in Sprint, Jagd sowie Massenstart gewinnen.

Bei den Männern steht Ole Einar Björndalen (924) angesichts von 71 Zählern Vorsprung auf Verfolger Tomasz Sikora (Polen/853) vor der erfolgreichen Titelverteidigung und dem sechsten Gesamtsieg seiner Karriere.

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