Sprint-Weltmeisterin Kati Wilhelm erklärt im Tagebuch, warum sie bei der Siegerehrung die Tränen nicht zurückhalten konnte.

Liebe Biathlon-Freunde,

Am Freitagmittag war meine Laune noch nicht so gut:

Die Streckenbedingungen waren super schlecht, das letzte Training fiel im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Wie erwartet hieß es am Samstagmorgen, dass der Damen-Sprint wohl ausfallen würde. Doch mittags dann die Meldung: Der Damen-Sprint findet planmäßig statt.

Als wir ins Stadion kamen, war klar, an den Streckenbedingungen hatte sich nichts geändert. Dünne wässrige Eisschneeschicht, Einsinken bei jedem Laufschritt und die steile Abfahrtskurve durch den tiefen Schneematsch ? das war schon echt gefährlich. Schlechte Bedingungen und das bei einem WM-Rennen!

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Mit Startnummer 87 ging?s dann für mich los. Wir hatten gehofft, dass es im Laufe des Rennens kälter wird und damit die Strecke etwas anzieht. Aber schon bei der ersten Abfahrt in der Stadionkurve war mir klar, dass diese Rechnung nicht ganz aufgegangen war.

Für mich lief es trotzdem super: zweimal Null Fehler und ich kam sehr gut vorwärts. Als ich ins Ziel lief wusste ich, dass das Ergebnis nicht schlecht sein würde. Bis ich realisiert habe, dass es für Gold reicht! In mir brach ein Freudenfest aus!!

Endlich, darauf hatte ich so lange gewartet und darauf hin gearbeitet ? die erste Einzel-WM Medaille seit 2001 und dann auch noch GOLD!!! Ich habe mich riesig gefreut, was ihr ja auch bei der Siegerehrung sehen konntet; da konnte ich mir ein paar kleine Freudentränchen nicht verkneifen.

Super motiviert bin ich dann gestern mit Startnummer 1 zum Verfolgungswettkampf. Über Nacht war es sehr kalt geworden, so dass die Veranstalter viel Neuschnee schießen konnten: Die Strecke war nun super präpariert.66185(DIASHOW: Der deutsche WM-Kader

Leider kam dann der kleine Vorfall mit Andrea dazwischen. Im Zuge des Trockentrainings hat sie aus Versehen ein vermeintlich leeres Magazin in das Gewehr eingefügt. Leider wusste sie nicht, dass noch Reserveschüsse im Magazin waren, und so löste sich ein scharfer Schuss beim Fixieren der zehn Meter von ihr entfernten Trainingsschießwand.

Auch wenn glücklicher Weise nichts passiert ist ? wir laufen normalerweise nicht vor dem Gewehr einer Kollegin herum ? reagierte die IBU regelkonform und schloss Andrea vom Verfolger aus. Wir erfuhren dies gemeinsam mit ihr, etwas später, draußen beim Anschießen. Sie war natürlich sehr betrübt und zerschlagen, da ihre Ausgangsposition für das Jagdrennen recht gut war.

Der Wettkampf selbst war dann mal wieder die reinste Windlotterie am Schießstand. Und trotz meiner insgesamt sechs Schießfehler, den anderen ging es eben auch nicht besser, konnte ich mich über mein zweites WM-Einzel-Edelmetall freuen!!!! Glückwunsch hier auch an Helena Jonsson zum Gold!

Heute haben wir wettkampffrei. Trainiert haben wir natürlich trotzdem. Mal sehen, ob wir noch etwas von der Umgebung sehen, bevor es wieder dunkel wird.

Drückt mir bitte weiter die Daumen!

Eure Kati

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