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Susi Erdmann gewann als Rodlerin und Bobpilotin fünf Weltmeistertitel © SPORT1

Vor der WM bekennt Ex-Champion Susi Erdmann, manchmal wieder in den Bob steigen zu wollen - und eine große Sucht.

Von Markus Körner

München - Wenn es um Geschwindigkeit geht, macht Susi Erdmann so schnell niemand ein X für ein U:

Dreimal wurde die 43-Jährige im Rodeln unter anderem Weltmeisterin, einmal mehr in den Neunzigern gar Europameisterin.

Danach dominierte Erdmann auch im Bob, gewann nicht zuletzt 2003 und 2004 den WM-Titel, ehe sie nach den Olympischen Spielen in Turin langsam Abschied nahm vom professionellen Sport.

Inzwischen fördert Erdmann den Bob-Nachwuchs - die Liebe zum Eiskanal ist aber so oder so geblieben: Die gebürtige Blankenburgerin aus dem Harz fährt immer noch, allerdings nur zum Spaß.

"Es hat mir so einen Kick gegeben"

Im Interview der Woche mit SPORT1 erklärt Erdmann, warum sie ein Geschwindigkeitsjunkie ist, dass sie auch heute noch mit der Weltspitze mithalten könnte - und welche Erwartungen sie an die am Freitag (ab 10.15 Uhr im LIVE-TICKER) beginnende Bob- und Skeleton-WM in Königssee stellt.

SPORT1: Susi Erdmann, der Eiskanal am Königssee - dort finden jetzt die Weltmeisterschaften der Bob und Skeleton-Fahrer statt. Ist die Strecke legendär?

Susi Erdmann: Das stimmt, die Weltcup- Bahn am Königssee ist ? auch nach den Umbauarbeiten im letzten Jahr - eine, wenn nicht die, technisch anspruchsvollste Bobbahn auf der Welt. Auch erreicht man hier Spitzenwerte beim Tempo: Auf 130 km/h kommt man. Hier braucht es eine ordentliche Portion Athletik.

SPORT1: Bedeutet das für die deutschen Bobstars, dass sie gute Karten auf den Gewinn von Medaillen haben?

Erdmann: Die Deutschen kommen von der Athletik. Klar, unsere Mädels haben auf jeden Fall die Möglichkeit, ihre Stärke auszuspielen. Alle deutschen Pilotinnen, die starten, haben eine Chance, ja.

SPORT1: Reizt es Sie eigentlich nicht noch einmal, in den Bob zu steigen und mitzufahren?

Erdmann: Ja, ich muss sagen es juckt schon. Wenn ich mir die Wettbewerbe anschaue, glaube ich, ich könnte noch mithalten.

SPORT1: Was ist das Besondere am Bobfahren? Sie waren im Rodeln sehr erfolgreich und sind dann in den Bob gestiegen.

Erdmann:

Und Bobfahren ist ein Team-Sport. Ich bin ein absoluter Team-Player. Es hat mir Spaß gemacht die Mannschaft zu führen und zu leiten. Man muss Verantwortung für die jungen Mädels übernehmen. Ich habe dadurch Qualitäten an mir entdeckt, die ich vorher noch nicht kannte.

SPORT1: Hat man als Bobpilotin da einen Stab hinter sich, oder wie muss man sich das vorstellen?

Erdmann: Ich bin durch den Bobsport auch zur Unternehmerin geworden. Das muss finanziert werden, und so habe ich angefangen, bei Sponsoren anzuklopfen. Ich hatte kein Management, habe immer alles alleine gemacht. Das war eine irre spannende Aufgabe. Als ich den Bob ausprobiert habe, hat es mir so einen Kick gegeben, dass ich dabei geblieben bin, weil ich das aufregend und spannend fand. Das war meine Motivation.

SPORT1: Was ist denn der Reiz am Bob?

Erdmann: Die Geschwindigkeit natürlich. Ich bin schon ein Geschwindigkeitsjunkie, ich liebe Geschwindigkeit. Das Arbeiten mit den Fliehkräften in den Griff zu bekommen und ? ähnlich wie beim Motorsport - die Ideallinie der Strecke in der Kurve zu finden, das macht Bobfahren so interessant. Die Linie zu treffen und die Geschwindigkeit aus der Kurve mitzunehmen, ist ein irres Gefühl. Das macht schon süchtig.

SPORT1: Als "TV- Sportler" hat man den Eindruck, man muss beim Bobfahren kaum etwas tun. Täuscht der Eindruck, und wie wird denn das Gefährt gelenkt?

Erdmann: Als Lenker gibt es zwei Kabel, die mit dem Lenkgestänge verbunden sind. Eigentlich kann man vor allem in den Kurven lenken, allerdings sind das nur minimale Bewegungen, das ist eine Kunst. Auf der Geraden lässt man dann laufen.

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