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Stefan Lindemann holte 2004 bei der WM in Dortmund die Bronzemedaille © getty

Stefan Lindemann siegt im internen Stallduell hauchdünn und sichert sich bei seinem Comeback das Olympia-Ticket für Vancouver.

Mannheim - Der Wettkampf war hochspannend, die Entscheidung hochemotional.

Sieger Stefan Lindemann, der knapp besiegte Peter Liebers und die gemeinsame Trainerin Viola Striegler lagen sich engumschlungen in den Armen und die Betreuerin ließ ihren Tränen freien Lauf.

"Ich freue mich für Stefan, bin aber auch glücklich darüber, dass Peter so ein fairer Sportsmann ist", sagte Striegler und strahlte dabei ihre beiden Schützlinge an.

Für die Trainerin war es eine nervenaufreibende Zerreißprobe, für die Athleten ein internes Berliner Stallduell um das Olympia-Ticket und den Titel eines deutschen Eiskunstlauf-Meisters

Nach Verletzungspausen zurück zu alter Klasse

Mit dem besseren Ende für Lindemann, der mehr als zwei Jahre lang verletzungsbedingt keine Wettkämpfe bestreiten konnte und mit 29 Jahren mehr als einmal an ein vorzeitiges Karrierreende dachte.

"Das waren teilweise sehr schwere Zeiten und die Arbeit der letzten Monate war verdammt hart. Aber was ich jetzt hier erleben darf, ist fast der größte Glücksmoment meines Lebens", erklärte der einstige Junioren-Weltmeister, der in Mannheim bereits seinen siebten nationalen Titel einfuhr.

Langwierige Adduktorenprobleme hatten den Oberfeldwebel der Bundeswehr nahezu verzweifeln lassen.

Liebers: "Stefan war der Bessere"

Letztlich war es ein einziger Sprung, der den Ausschlag zugunsten des Routiniers gab. Titelverteidiger Liebers versuchte sich vergeblich am vierfachen Toe-Loop.

Hätte der 21-Jährige den "Königssprung" gestanden, er hätte im Flugzeug an die kanadische Pazifikküste gesessen. Überaus fair erkannte er bei aller verständlichen Enttäuschung den Erfolg seines Trainingspartners an: "Stefan war der Bessere, ich gönne ihm den Sieg."

Schließlich gehört dem Sportsoldaten die sportliche Zukunft. Langfristig bis 2018 sowieso, aber auch der olympische Winter ist für Liebers noch nicht vorbei.

Lindemann wird zwar in Vancouver und zuvor bei den Europameisterschaften im Januar in Tallinn die Deutsche Eislauf-Union (DEU) repräsentieren, den DEU-Startplatz für die Welttitelkämpfe im März in Turin jedoch reichte er an seinen Kollegen weiter.

Lindemann will Trainer werden

Denn dem gebürtigen Erfurter geht es im allerletzten Wettkampf seiner Karriere darum, sein olympisches Trauma von Turin 2006 zu überwinden.

Seinerzeit "lief alles völlig daneben" (Lindemann) und am Ende stand ein deprimierender 21. Platz: "Mit einem solchen Ergebnis wollte ich Olympia für mich persönlich einfach nicht abschließen."

Als Athlet zumindest, denn der 1,62 m kleine Athlet, der seinen größten internationalen Erfolg mit WM-Bronze 2004 in Dortmund feierte, hat den festen Plan, als Trainer im Eiskunstlauf-Geschäft zu bleiben.

Eine Perspektive, die ihm schon jetzt für seine letzten beiden Auftritte auf dem Eis die nötige Gelassenheit verleiht: "Die Vorfreude auf diese neue Aufgabe ist bereits da."

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