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Nach Bronze bei Olympia nun Silber bei der WM: Aljona Savchenko und Robin Szolkowy © getty

Nach dem Gewinn der Silbermedaille bei der WM in Turin wandelt Savchenko auf den Spuren von Trapattoni. Steuer wird sentimental.

Turin - Als Silber gewonnen und die Fortsetzung der Karriere verkündet war, wandelte Aljona Savchenko auf den Spuren von Kulttrainer Giovanni Trapattoni.

"Jetzt aufhören wäre schade. Wir haben doch noch nicht fertig. Irgendwie sind wir für den Paarlauf geboren", sagte die gebürtige Ukrainerin und die Freude blitzte aus ihren Augen.

Partner Robin Szolkowy genoss den Moment gemäß seines Naturells mit einem Lächeln nach innen (Silber ist nicht das Ende).

Dass sie ihren Weltmeistertitel an Pang Qing und Tong Jian aus China weiterreichen mussten, dass sie erstmals seit drei Jahren ohne internationalen Sieg geblieben waren, dass sie bei Olympia in Vancouver die größte sportliche Enttäuschung ihrer Laufbahn erlebt hatten, dies alles war im Palavela von Turin nur noch Geschichte.

Steuer wird sentimental

Eindrucksvoll aktualisiert von einer fast makellosen Kür, die mehr als ein Indiz dafür war, was die beiden Chemnitzer auf dem Weg zu den Winterspielen von Sotschi 2014 erreichen können und wollen.

Da wurde sogar der sonst so unerbittliche Trainer Ingo Steuer geradezu sentimental: "Unser Olympia-Bronze hat eine Energie freigesetzt, die bis Sotschi reichen wird. Und der zweite Platz von Turin war für mich Gold wert." 203822(DIASHOW: Die Paarlauf-Kür in Vancouver)

"Aljona und Robin haben um jedes Element gekämpft und eine ihrer größten Leistungen geboten."

Keine Überredungskünste nötig

Vielleicht auch aus der Gewissheit heraus, ein noch fernes, aber vor allem gemeinsames, Ziel gefunden zu haben.

Denn die Übereinkunft, die dritten gemeinsamen Winterspiele angehen zu wollen, war schon im Februar in Chemnitz nach der Rückkehr aus Kanada gefallen.

Nach eigenem Bekunden musste dazu auch der zeitweise rücktrittswillige Szolkowy, immerhin fast 31 Jahre alt, nicht überredet werden: "Wir haben das so gemeinsam entschieden."

Wie sehr das sächsische Trio auf das Olympia-Gold fixiert gewesen sein muss, verriet Steuer eher ungewollt in einem Nebensatz.

Siegautomatismen sollen zurückkehren

"Bei einem Sieg in Vancouver hätte es wohl nur noch ein oder zwei gemeinsame Jahre gegeben", bekannte der Coach, der sich wünscht, dass die Siegautomatismen aus den beiden vor-olympischen Wintern wieder nach Chemnitz zurückkehren.

Dafür aber müssen sich seine Schützlinge neuen Herausforderungen stellen, auch dies war ein Fingerzeig der Turiner WM-Entscheidung.

Die Zukunft des modernen Paarlaufs liegt weiterhin in ausgefeilter Choreographie, aber eben auch in den Vierfach-Würfen, an denen sich die diesmal drittplatzierten Europameister Yuko Kawaguti und Alexander Smirnow versuchten.

"Können kein Eis mehr sehen"

Noch scheiterten die beiden Russen, aber Steuer ist klar, dass sich auch sein Paar diesem Trend wird stellen müssen. Angst haben seine Schützlinge davor nicht.

"Wir haben ja eine Menge Erfahrung und im Training auch solche Experimente schon 'mal gemacht'", sagte Szolkowy.

Konkrete Vorgaben aber existieren noch nicht, denn erstmals in seiner zehnjährigen Trainerlaufbahn hat Steuer (VIDEO: Steuer ringt sich Stolz ab) im wahrsten Sinne des Wortes noch keinen Plan für die beiden Programme des nach-olympischen Winters, er warb um Verständnis:

"Wir können alle kein Eis mehr sehen, ich fahre jetzt erstmal mit meinem Bruder und meinem Sohn in den Urlaub."

Kompromisslösung mit der DEU muss her

Bis Mitte Mai, wenn wieder mit dem Training begonnen wird, soll auch eine Kompromisslösung mit der Deutschen Eislauf-Union (DEU) auf den Weg gebracht werden.

Momentan lehnt das Bundesinnenministerium (BMI) wegen Steuers Stasi-Tätigkeit eine Honorierung ab.

Savchenko/Szolkowy müssen ihren Coach aus eigener Tasche finanzieren, deutsche Nachwuchspaare können nicht mit Steuer arbeiten, weil der DEU die dafür erforderlichen finanziellen Mittel fehlen.

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