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Ilhan Mansiz gewann mit dem FC Augsburg 1993 die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft © imago

Ilhan Mansiz, der türkische Held der Fußball-WM 2002, ist jetzt Eiskunstläufer. Im SPORT1-Interview der Woche erklärt er, warum.

Von Martin Hoffmann

München - Fußballstar, Schauspieler, Werbefigur, Moderator: Der in Kempten geborene Ilhan Mansiz ist bekannt als Mann mit vielen Talenten.

Mit seinem neuesten Karriere-Plan hat der türkische Ex-Nationalspieler aber nun alle überrascht: Er wird Eiskunstläufer.

Gemeinsam mit Lebensgefährtin Olga Bestandigowa will der 35-Jährige zu Olympia 2014 in Sotschi.

Seine aus der Slowakei stammende Partnerin war schon 2002 in Salt Lake City mit ihrem Bruder dabei gewesen und hatte für ihr Heimatland Rang 17 belegt.

Karriere-Ende mit 30

Im selben Jahr war Mansiz gerade der türkische Volksheld, hatte er die Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Japan in Südkorea doch mit drei Treffern bis ins Halbfinale geschossen - der größte Erfolg der Verbandsgeschichte.

In Deutschland schaffte der Paradiesvogel nie den Durchbruch, obwohl er beim 1. FC Köln und Hertha BSC unter Vertrag stand. Wegen anhaltender Knieprobleme infolge eines Unfalls musste Mansiz seine erste Sportler-Karriere 2006 beenden - mit gerade einmal 30 Jahren - und ging neue Wege im Fernsehen, wo er unter anderem die türkische Variante von "Quiz Taxi" moderierte.

Einen Comeback-Versuch als Fußballer bei 1860 München brach Mansiz ab, um auf dem Eis neu durchzustarten.

Im Interview der Woche mit SPORT1 spricht er über die neue Herausforderung, die Reaktionen der Freunde und die Tücken des Eiskunstlaufs für einen Ex-Fußballer.

SPORT1: Herr Mansiz, ein ehemaliger Fußballer der mit 35 zum Eiskunstläufer umschult und zu Olympia will. Das klingt verrückt...

Mansiz: Das ist es auch. Bislang hat das glaube ich auch noch niemand probiert, aber ich und Olga lieben die Herausforderungen. Wir beide sind der Überzeugung, dass ein Mensch die unmöglich scheinenden Dinge möglich machen kann, wenn er hart arbeitet. Und darum glauben wir an unser Ziel.

SPORT1: Sie und Ihre Partnerin haben sich bei einer Prominenten-Eislaufshow kennen gelernt. Wie entwickelte sich daraus die Idee, das professionell zu betreiben?

Mansiz: Das ging relativ schnell. Olgas Profi-Karriere lag damals auf Eis und ich habe sie gefragt wieso. Das Problem war, dass sie keinen neuen Partner gefunden hatte. Darauf hat es bei uns beiden Klick gemacht und wir haben uns gefragt: Hey, wieso probieren wir es nicht zusammen?

SPORT1: Wie sahen denn die Reaktionen von Freunden und alten Fußballer-Kollegen auf Ihre Zweit-Karriere aus?

Mansiz: Unterschiedlich. Einige wollten, dass ich weiter Fußball spiele, andere hätten mich nach der Karriere eher im Fernsehen vermutet. Die negativen Meinungen haben wir aber ausgeblendet, wir glauben fest an das, was wir tun.

SPORT1: Welche Fußballer-Fertigkeiten können Sie denn auf dem Eis einbringen?

Mansiz: Wenige, Eiskunstlauf ist ja eine komplett andere Sportart, wo es eher darum geht, beweglich zu sein anstatt kräftig gebaut. Was aber natürlich hilft, ist die Einstellung, durch harte Arbeit zu erreichen, was ich mir vornehme - auch wenn es gerade nicht gut läuft. Das hat man im Fußball ja oft genug. Die ständigen Duelle mit anderen, das Wiederaufstehen nach Niederlagen: Solche Erfahrungen helfen, nicht nur in anderen Sportarten, sondern auch im Leben.

SPORT1: Welche Umstellung fällt am schwersten?

Mansiz: Es fällt schwer, überhaupt erst einmal zu lernen auf dem Eis zu stehen. Die Grundlagen des Eislaufens zu lernen und zu verstehen, braucht schon ziemlich viel Zeit. Und dann kommen erst die richtigen technischen Herausforderungen auf einen zu.

SPORT1: Hatten Sie denn vorher keine Eis-Erfahrung?

Mansiz: Nein, überhaupt nicht. Ich war mit 32 das erste Mal auf dem Eis. Regelmäßig bin ich das erst seit einem Jahr und auch das nicht kontinuierlich. Und weil ich und Olga auch so unterschiedliche Voraussetzungen haben, gehen wir alles schrittweise an und haben uns viele Etappenziele gesetzt, die wir zu einem gewissen Zeitpunkt erreicht haben wollen. 2012 ist der erste Wettbewerb angedacht, spätestens 2013 müssen wir uns für Olympia qualifizieren.

SPORT1: Sind die Knieprobleme aus der Fußballerzeit ein Hindernis?

Mansiz: Es hat sich in den vergangenen zwei Jahren enorm verbessert. Dank meines Therapeuten habe ich überhaupt erst die Möglichkeit, wieder am Sportlerleben teilzuhaben.

SPORT1: Sie haben als Fußballer in Deutschland, der Türkei und Japan gespielt, haben die Türkei ins WM-Halbfinale 2002 geschossen, aber auch zahlreiche Tiefen erlebt. Was ist ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Mansiz: Ganz klar: Der Höhepunkt war die WM 2002, aber es gab auch nationale Highlights. Aber das Schöne an meiner Karriere war allgemein, dass mir selten etwas leicht gemacht wurde und ich mich trotzdem durchgekämpft habe.

SPORT1: Sie waren Fußballer, Schauspieler, Moderator, Werbefigur, jetzt Eiskunstläufer. Womit überraschen Sie uns als Nächstes?

Mansiz: Ich habe tatsächlich die nächste Überraschung parat. Im Moment arbeite ich aber mit aller Ernsthaftigkeit an dem Eiskunstlaufprojekt, bis es - hoffentlich erfolgreich - beendet wird.

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