vergrößernverkleinern
Savchenko/Szolkowy wollen in Tokio den dritten WM-Titel nach 2008 und 2009 holen © getty

Trainer Steuer mimt nach dem EM-Gold seiner Paarläufer den gütigen Pädagogen. Szolkowy macht der Savchenko-Blackout zu schaffen.

München - Dem Sieg, der aus der Kälte kam, folgten ungewohnt warme Worte von Trainer Ingo Steuer.

"Das war eine ganz starke Leistung, Aljona und Robin haben super gekämpft", lobte der sonst so strenge Coach.

Hätte der schwere Pirouetten-Patzer von Aljona Savchenko unter normalen Bedingen eisiges Schweigen des 44-Jährigen hervorgerufen, so gab sich Steuer nach dem vierten europäischen Paarlauf-Titel für seine Schützlinge als verständnisvoller Pädagoge.

"Es war hart für sie, nach zwei Minuten waren die Arme fast eingefroren", resümierte Steuer Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News.

"Wir sind wieder da"

Das im wahrsten Sinne des Wortes erzitterte Gold, es war wie eine wärmende Salbe für die geschundenen Sportlerseelen der beiden Chemnitzer, die bei Olympia 2010 in Vancouver an ihrem eigenen Druck zerbrachen und gerade noch eine Bronzemedaille retten konnten.

"Wir sind wieder da, besser kann man es nicht ausdrücken", sagte Szolkowy.

Luft nach oben

Nach einem olympischen Winter ohne Titel hielten sich die beiden Ex-Weltmeister mit ihrer "Pink-Panther-Kür" und einer Mischung aus alter Routine und neuem Selbstbewusstsein die Konkurrenz aus Russland vom Leibe.

Dass über Aljonas Blackout hinaus noch Luft nach oben ist, war dem Duo bei aller Freude über den Sieg durchaus bewusst.

Savchenko: "Bei der WM in Tokio darf ich einen solchen Fehler nicht machen."

Sieg dank pfiffiger Choreo

In der kühlen Berner Arena triumphierte letztlich die pfiffige Choreografie der neuen Champions über die kalte Pracht der entthronten Titelverteidiger Yuko Kawaguti und Alexander Smirnow - aber es war knapp.

Savchenko kreischte wie ein kleines Mädchen, ihr Partner ballte erleichert die Fäuste, als die Entscheidung zugunsten der Deutschen gefallen war.

"Für diesen Nervenstress bin ich nicht geboren", sagte der 31-Jährige anschließend und schnaufte tief durch.

Zahl der Konkurrenten steigt

Doch die psychischen Belastungen werden bei den Welttitelkämpfen nicht geringer sein, denn die Zahl der potenziellen Konkurrenten steigt.

In der japanischen Hauptstadt gehen nicht nur die Titelverteidiger Pang Qing und Tong Jian aus China aufs Eis, ihren ersten gemeinsamen internationalen Start absolvieren auch die russischen Meister Tatjana Wolososchar und Maxim Trankow, die in Bern wegen einer noch nicht abgelaufenen Wechselfrist gesperrt waren.

Mit Schwung zur WM

Den dritten WM-Titel nach 2008 und 2009 haben Savchenko/Szolkowy dennoch fest im Visier.

"Wir haben die EM ohne Erkältung überstanden, das ist schon mal positiv. Jetzt gilt es vor den Weltmeisterschaften ordentlich Schwung zu holen", sagte Szolkowy und meinte damit wohl auch den finanziellen Aspekt.

Denn zu der EM-Siegprämie von 30.000 Dollar (ca. 22.000 Euro) kommt mindestens noch einmal die doppelte Summe durch mehrere Schaulaufen in der Schweiz hinzu, die in den kommenden Wochen anstehen.

"Fühlte mich wie schockgefroren"

Von solchen Einnahmemöglichkeiten können Maylin Hausch und Daniel Wende vorerst nur träumen, ein achtbarer sechster Platz brachte ihnen lediglich 6000 Dollar (ca. 4400 Euro) ein.

Auch die Kür der beiden Oberstdorfer litt unter der eisigen Atmosphäre, eine Hebefigur (Lasso) musste Wende aus Sicherheitsgründen abbrechen: "Ich fühlte mich wie schockgefroren und wollte meine Partnerin nicht gefährden. So ein Aussetzer ist mir noch nie passiert."

Elfte wurden bei ihrem gemeinsamen internationalen Debüt Katharina Gierok (Krefeld) und Florian Just (Essen).

Ein noch bescheidenes Erfolgserlebnis, aber das von Karel Fajfr betreute Paar erspart sich durch diese Platzierung zumindest die Vor-Qualifikation für die europäischen Titelkämpfe 2012 in Sheffield.

Zum Forum - Jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel