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Die deutsche Meisterin Sarah Hecken landete bei der EM auf Rang elf © getty

Nach tagelangem Zögern hat sich die ISU entschieden die WM zu verlegen. Die Suche nach einem Ersatzort gestaltet sich schwierig.

Hamburg - Die Vernunft hat gesiegt: Unter dem Eindruck einer weiterhin drohenden Nuklearkatastrophe in Japan hat der Weltverband ISU die für kommende Woche in Tokio geplanten Weltmeisterschaften nach tagelangem Zögern abgesagt.

Die Welttitelkämpfe sollen nun im April an einem anderen Austragungsort stattfinden.

"Unter Berücksichtigung der Sicherheitsaspekts für alle Teilnehmer und Zuschauer ist eine Austragung der WM zum vorgesehenen Termin in Tokio nicht möglich", hieß es in einer offiziellen ISU-Erklärung.

Darüber hinaus wurde darauf verwiesen, dass weltweit viele Außenministerien ihren Bürgern derzeit von nicht zwingend notwendigen Reisen in den Großraum Tokio abraten.

"Die Menschen haben andere Sorgen"

Das Auswärtige Amt in Berlin hatte eine solche Empfehlung bereits am Samstagnachmittag ausgesprochen, am Sonntagabend beschloss daraufhin das Präsidium der DEU prophylaktisch, seine Athleten nicht nach Japan zu schicken.

"In diesen Tagen fühlen wir mit dem japanischen Volk. Unsere Gedanken sind bei den Familien der Opfer und denen, die ihr Heim verloren haben", sagte DEU-Vizepräsidentin Elke Treitz.

Stellvertretend für seine Schützlinge Aljona Savchenko und Robin Szolkowy hatte sich Trainer Ingo Steuer längst innerlich von den Titelkämpfen in der Yoyogi-Halle, die beim Erdbeben keine ernsten Schäden davongetragen hatte, verabschiedet: "Die Menschen vor Ort haben derzeit ganz andere Sorgen als Eiskunstlaufen."

Savchenko/Szolkowy wollten in der japanischen Hauptstadt im Paarlauf ihren dritten WM-Titel binnen vier Jahren gewinnen. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

Kritik an Hinhaltetaktik

Unverständnis herrschte bei vielen Beobachtern darüber, dass ISU-Präsident Ottavio Cinquanta nicht schon am Samstag die Gelegenheit genutzt hatte, am Rande der Eisschnelllauf-Weltmeisterschaften in Inzell eine Verlegung zu verkünden.

Stattdessen verwies der 72 Jahre alte Italiener am Sonntag auf noch fehlende Informationen und führte auch die Interessen der Sponsoren als Grund für seine Hinhaltetaktik ins Feld.

Die schwere Aufgabe des ISU-Eventmanagers und früheren DEU-Sportdirektors Peter Krick wird es nun sein, schnellstmöglich einen neuen Austragungsort zu finden.

Suche nach Ersatztermin

Dem Vernehmen nach wurden bislang die Städte Lausanne, Turin, Vancouver und Taipeh kontaktiert.

Gegen Bern, erst im Januar Schauplatz der diesjährigen Europameisterschaften, gibt es starke Vorbehalte wegen der fehlenden Heizung in der Wettkampfhalle.

Als frühestmöglicher Nachholtermin gilt die Woche vom 11. bis 17. April.

Logistische Probleme

Vielen deutschen Läufern bereitet die WM-Verschiebung logistische Probleme.

Im Bundesleistungszentrum Oberstdorf steht im April nur eine der drei Eishallen unter einem Dach zur Verfügung, in Chemnitz soll das Eis Ende März abgetaut werden.

"Ich werde natürlich versuchen, eine Ausnahmeregelung für Aljona und Robin zu erwirken", kündigte Coach Steuer an.

Auch World Team Trophy abgesagt

Der neue Termin bietet der ISU immerhin die Option, erstmals die bislang separat ausgetragene World Team Trophy in das WM-Programm zu integrieren.

Der für Mitte April in Yokohama vorgesehene Wettbewerb wurde am Montag ebenfalls abgesagt.

Schon 2014 im russischen Sotschi soll dieser Wettkampf zum Programm der olympischen Winterspiele gehören.

Eine Entscheidung darüber will das Internationale Olympische Komitee in wenigen Wochen treffen.

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