vergrößernverkleinern
Aljona Savchenko (l.) und Robin Szolkowy wurden bereits sieben Mal deutsche Meister © getty

Sogar der Trainer weint. Aljona Savtchenko und Robin Szolkowy holen ihr drittes WM-Gold. Nur das Feiern klappt nicht recht.

Moskau - Als sogar Trainer Ingo Steuer weinen musste, waren Aljona Savchenko und Robin Szolkowy die historischen Dimensionen ihres dritten Weltmeistertitels erst so richtig bewusst.

"Wir haben deutsche Eiskunstlauf-Geschichte geschrieben", sagte die gebürtige Ukrainerin fast ehrfürchtig und ihr sonst so introvertierter Partner ging zumindest verbal richtig aus sich heraus - für seine Verhältnisse: "Das war das Größte, was wir bisher erlebt haben."

In der Höhle des Löwen tanzten und sprangen die beiden Chemnitzer nahezu an die Perfektion heran. Geschmeidig wie Raubkatzen, passend zum "Pink-Panther-Thema", glitten die Europameister über das Eis des Moskauer Megasport-Palastes. (Mit "Pink Panther" zum dritten WM-Gold)

"Alles so traumhaft"

Selbst Gestik und Mimik waren punktgenau abgestimmt. Ein gelungenes Gesamtkunstwerk, dass den sonst so hartgesottenen Coach nicht nur wegen des Weltrekordes von 217,85 Punkten geradezu sentimental werden ließ: "Es war alles so traumhaft, ich hatte Tränen in den Augen."

Waren Savchenko/Szolkowy nach ihrer Enttäuschung in Bronze bei den letztjährigen Olympischen Winterspielen in Vancouver noch im Zweifel über die Fortsetzung ihrer Karriere, durften sie sich nach ihrer ganz persönlichen magischen Moskauer Nacht als die großen Gewinner der nach-olympischen Saison fühlen.

Sechs Starts, sechs Siege - die Dominanz der Jahre 2008 und 2009, als die siebenmaligen deutschen Meister ähnlich überlegen agierten, ist zurückgekehrt zu den beiden Sachsen.

Großes Ziel Olympia 2014

Und sie soll anhalten, am besten bis Olympia 2014, dem letzten ganz großen Ziel der Steuer-Schützlinge. (Machen Sie es wie SPORT1 und Savchenko/Szolkowy: Unterstützen Sie München 2018)

"Auf Wiedersehen, wir sehen uns in Sotschi", rief Savchenko dem überaus fairen und fachkundigen Moskauer Publikum zu, das die "Germanskis" ebenso lautstark feierte wie ihre Landsleute Tatjana Wolososchar und Maxim Trankow (210,73), die Zweite vor den chinesischen Titelverteidigern Pang Qing und Tong Jian (204,12) wurden.

Was das Feiern anging, bewegten sich Savchenko und Szolkowy sowie ihr Umfeld allerdings eher auf Regionalliga-Niveau.

"Ich gehe dann mal schlafen", kündigte Steuer ernsthaft an, Aljona traf sich mit ihren aus Kiew angereisten Eltern und Szolkowy hatte noch gar keinen Plan. Auch von den deutschen Funktionären war niemand so richtig in Sektlaune, die entsprechenden Getränke hatte keiner mitgebracht. Udo Dönsdorf, Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union: "Dafür bin ich nicht zuständig."

Vergleich nervt

Kleine Indizien, die erklären, warum die neuen Weltmeister immer noch bei weitem nicht die Popularität ihrer Vorgänger Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler erreicht haben, die 1963 und 1964 "nur" zweimal WM-Gold gewonnen hatten. Ein Quervergleich, der die aktuellen Champions eher nervt. Steuer: "Das ist eine ganz andere Zeit gewesen. Damals gab es nur zwei Fernsehprogramme und die Straßen waren leer gefegt."

Das relativ geringe Interesse lag aber auch vielleicht am ungewöhnlichen Termin Ende April lag. Die Weltmeisterschaften mussten bekanntlich wegen der atomaren Katastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima von Tokio nach Moskau verlegt und um vier Wochen verschoben werden.

"Eislauf, Eislauf, Eislauf"

Diesem Ereignis ist auch der letzte Auftritt der deutschen Paarlauf-Weltmeister geschuldet. Am 2. Mai wirken Savchenko/Szolkowy bei einer Benefiz-Gala in St. Petersburg mit.

Danach beginnt praktisch schon wieder die Arbeit an zwei neuen Programmen für den nächsten Winter, die eisige Kufenkunst ist längst zum Ganzjahressport geworden. Szolkowy hat damit seinen Frieden gemacht: "Auszeiten gibt es fast nicht mehr. Für uns heißt es nur noch: 'Eislauf, Eislauf, Eislauf'".

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News).

Zum Forum - Jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel