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Kein Blick, kein Wort: Nancy Kerrigan (l.) und Tony Harding © imago

Ein Eiskunstlauf-Drama entsetzte vor 15 Jahren die Welt: Der Schlag aufs Knie von US-Profi Nancy Kerrigan machte Schlagzeilen.

München - Ein gezielter Schlag mit der Eisenstange auf ihr rechtes Knie machte Nancy Kerrigan am 6. Januar 1994 weltberühmt und steinreich.

Ein gewisser Shane Stant, angeheuert vom Ex-Ehemann der Kerrigan-Konkurrentin Tonya Harding, hatte die damals 24-Jährige bei den US-Meisterschaften der Eiskunstläufer in Detroit nach dem Training attackiert.

"Warum? Warum ich?", schrie die am Boden liegende Kerrigan mit vor Angst und Schmerz verzerrtem Gesicht. Das Bild ging um die Welt.

Kampf um Olympia

Die Frage nach dem Warum war schnell beantwortet.

Eine Clique aus dem Dunstkreis von Tonya Harding, die bis heute schwört, nichts von den Plänen gewusst zu haben, wollte deren Chancen auf eine Olympia-Nominierung für Lillehammer verbessern und gleichzeitig die Haupt-Konkurrentin aus dem Wettbewerb nehmen.

Letzteres gelang, Kerrigan konnte bei den US-Meisterschaften nicht mehr antreten.

Legendäre Kür

In Lillehammer startete sie trotzdem, das NOK der USA nominierte sie trotz fehlender sportlicher Qualifikation anstelle der damals 13-jährigen Michelle Kwan.

Tonya Harding erstritt ihren Platz im Team vor einem Gericht.

Es folgte die legendäre Damenkür in Lillehammer, mit geradezu unerträglicher Spannung erwartet, bei der weltweit so viele Menschen zusahen wie nie zuvor in der Olympia-Geschichte.

"Eishexe" verliert die Nerven

Tonya Harding, als "Eishexe" ausgepfiffen und in der Szene geächtet, riss nach den ersten 45 Sekunden ihrer Kür der Schnürsenkel eines Schlittschuhs.

Sie durfte nochmal anfangen, doch ihre Nerven hielten der Belastung nicht mehr stand. Tränenüberströmt verließ die 23-Jährige nach ihrem Kür-Debakel das Eis.

Die Frau, die als zweite Läuferin der Geschichte nach der Japanerin Midori Ito den dreifachen Axel stand, verschwand als Achte in der sportlichen Versenkung. Nancy Kerrigan, Disneys strahlendes Showgirl, wurde Zweite, geschlagen nur um einen Zehntelpunkt von der 16-jährigen Ukrainerin Oksana Bajul.

Disney zahlt Millionen

Disney hatte sich da bereits die Rechte an dem Kerrigan-Drama gesichert, angeblich verdiente Nancy innerhalb eines Jahres mehr als zehn Millionen Dollar in der Werbung.

Parallel dazu begann der soziale Abstieg von Tonya Harding, der sich schon bald als unaufhaltsam erwies.

Im März 1994 wurde sie wegen Behinderung der polizeilichen Ermittlungen und Falschaussage zu 160.000 Dollar Geldstrafe und drei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt, zusätzlich musste sie 500 Stunden Sozialdienst leisten. Vom US-Verband wurde sie auf Lebenszeit gesperrt.

Erfolglos im Boxring

Während Tonya Harding sich mit Gelegenheitsjobs durchs Leben kämpfte, eine zweite - erfolglose - Karriere im Boxring startete und drei Tage im Gefängnis verbrachte, weil sie ihrem Ex-Freund eine Radkappe über den Schädel gezogen hatte, etablierte sich Nancy Kerrigan in der Welt der Reichen und Schönen.

1995 heiratete sie ihren Manager Jerry Solomon und brachte die Kinder Matthew (1996), Brian (2005) und Nicole (2008) zur Welt. Mit ihrer Familie lebt sie in Lynnfield/Massachussetts, wo sie sich um ihre Kinder und um ihre Stiftung zugunsten sehbehinderter Menschen kümmert.

Gebrochene Harding

Und Tonya Harding? Die "Eishexe" lebt als Einsiedlerin mit ihrem Hund in einem gemieteten Holzhaus in den Wäldern von Vancouver.

In einem vielbeachteten Interview, das der Schweizer Journalist Peter Hossli im Dezember 2008 mit ihr führte, gibt sie freimütig zu, dass die Ereignisse von damals sie gebrochen haben.

Bei Nancy Kerrigan habe sie sich mehrfach entschuldigt, ob die Entschuldigung angenommen wurde, weiß sie nicht: "Es kümmert mich nicht mehr, diese Bürde ist weg. Heute bin ich froh, noch am Leben zu sein."

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