Bei der Doping-Affäre Pechstein geht es um mehr als das persönliche Schicksal der Athletin. Es geht um einen Präzedenzfall.

Claudia Pechstein ist es gewohnt, sich auf Glatteis zu bewegen.

Normalerweise kämpft sie dabei nur gegen eine Konkurrentin. Seit Freitag aber streitet sie gegen die Windmühlen, die sich nach dem gegen sie vorgebrachten Doping-Vorwurf zu drehen begannen.

Nachdem der Weltverband ISU aufgrund eines auffälligen Blutprofils eine zweijährige Sperre verkündet hat, stürzt auf Pechstein all das ein, was eine Doping-Affäre mit sich bringt.

Doch der Fall Pechstein ist keine gewöhnliche Doping-Affäre. Der Name der renommierten Athletin steht nicht mehr im Vordergrund. Es handelt sich um einen Präzedenzfall des internationalen Spitzensports.

[image id="00291482-65e6-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Der internationale Sportgerichtshof muss nun entscheiden, ob eindeutige Indizien tatsächlich Grundlage für eine Sperre sein dürfen, auch ohne positive Probe.

Die Indizienkette der ISU ist - ergänzend zu den überraschend starken Resultaten Pechsteins im vergangenen Winter - durchaus schlüssig. Angeblich hat die ISU seit drei Jahren so etwas wie eine Zielfahndung gegen Pechstein durchgeführt. Diese wurde dann anhand des neuen WADA-Codes, der Sperren aufgrund von Indizien zulässt, zum Abschluss gebracht.

Diesem WADA-Code hat sich auch die Athletin Pechstein bewusst unterworfen. Ihr Argument, es habe bei ihr nie einen positiven Dopingtest gegeben, läuft deshalb ins Leere.

Was Pechstein letztlich aber doch vor einer Sperre bewahren könnte, ist das Verhalten der ISU, nachdem man die ungewöhnlichen Blutwerte der Athletin festgestellt hatte. Nach Pechsteins Aussage sei ihr von Seiten der Offiziellen zweimal ein "Kuhhandel" angeboten worden.

Verbands-Vize Gerhard Zimmermann räumt ein, er könne nicht ausschließen, dass die Juristen Pechstein ein Verschweigen des Verfahrens angeboten hätten, sollte sie ihre Karriere beenden. Offenbar sind sich die Rechtsexperten der ISU bewusst gewesen, sich trotz des WADA-Codes auf dünnem Eis zu bewegen.

Und so ist es in einem Fall, in dem selbst renommierte Doping-Jäger wie Werner Franke sich nicht zu einer klaren Verurteilung Pechsteins durchringen können, am CAS, Licht ins Dunkel zu bringen.

Für die Sportwelt, vor allem für deren Ausdauerdisziplinen, hat das Urteil ähnlich weitreichende Konsequenzen, wie einst das Bosman-Urteil auf den internationalen Fußball.

Gibt der CAS der ISU Recht, wären die Fahnder Doping-Sündern einen entscheidenden Schritt näher auf die Pelle gerückt.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel