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Claudia Pechstein errang insgesamt 34 WM-Medaillen - und droht nun das Karriere-Aus © getty

Der Internationale Verband verneint einen Deal mit der unter Dopingverdacht stehenden Athletin. Pechstein fürchtet auch um ihren Job.

Frankfurt/Main - Der Präsident des Internationalen Eislauf-Verbandes ISU, Ottavio Cinquanta (Italien), hat den Vorwurf eines "Kuhhandels" mit Claudia Pechstein vehement zurückgewiesen.

"Das ist sicherlich nicht in Ordnung, uns einen solchen Deal zu unterstellen", sagte Cinquanta der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ).

Gerd Heinze, Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), und Pechstein hatten Gerhardt Bubnik, dem Vorsitzenden der ISU-Rechtskommission, einen "Kuhhandel" vorgeworfen.

Der Tscheche soll angeboten haben, dass Dopingverfahren gegen die fünfmalige Olympiasiegerin einzustellen - wenn Pechstein ihre Karriere denn beendet.

"Diese Äußerungen aus Deutschland haben mich überrascht", sagte Bubnik.

"Wir waren da außen vor"

Hintergrund: Gerhard Zimmermann, für Eisschnelllauf verantwortlicher ISU-Vizepräsident und bis vor vier Jahren DESG-Präsident, hatte zuvor gesagt, dass es "unter den Juristen" durch Chefankläger Bubnik "einen entsprechenden Vorschlag gegeben haben könnte".

Allerdings: Bis ins ISU-Präsidium sei dieser nicht vorgedrungen: "Wir waren da außen vor. Die Disziplinarkommission ist zuständig."

"Nur eine Weiterentwicklung"

Unterdessen verteidigte Cinquanta das Vorgehen seines Verbandes: "Wir sind nie glücklich, wenn es solche Fälle gibt. Aber wir sind auch nicht dumm."

Und weiter: "Wir haben ein neues Verfahren, und das mussten wir anwenden. Es ist von der WADA eingesetzt worden, und wir folgen dem."

Die ISU hatte Pechstein nur anhand von Indizien wegen Blutdopings für zwei Jahre gesperrt (Grenzwert in 14 Fällen erhöht). Ein WADA-Code lässt dies seit Anfang des Jahres zu.

Die Methode sei "nur eine Weiterentwicklung", sagte Cinquanta: "Früher schrieb man auf der Schreibmaschine, heute auf dem Computer."

Möglichen Schadensersatzklagen im Fall einer Niederlage der ISU (Präzedenzfall mit weltweiter Dimension) vor dem internationalen Sportgerichtshof CAS, bei dem das Pechstein-Lager Einspruch einlegen wird, sieht Cinquanta gelassen entgegen: "Wer ins Restaurant geht und einen guten Wein bestellt, muss ihn auch bezahlen können."

Es kommt wohl noch schlimmer

Die Eisschnelllauf-Olympiasiegerin muss derweil um ihre berufliche Absicherung als Beamtin bangen.

Die Bundespolizei hat wie angekündigt ein Disziplinarverfahren gegen die Olympiasiegerin eingeleitet.

"Das ist ein ganz normaler Vorgang. Wir müssen so handeln, wenn ein Verdacht vorliegt", sagte Pressesprecher Jörg Kunzendorf.

Bundespolizei leitet Disziplinarverfahren ein

Pechstein, die vom Eisschnelllauf-Weltverband ISU in der vergangenen Woche wegen auffälliger Blutwerte ohne positiven Dopingbefund für zwei Jahre gesperrt worden war, ist seit 1993 für die Bundespolizei tätig.

Die Berlinerin hatte mit dem Verfahren bereits gerechnet. Vorerst hat Pechstein noch nichts zu befürchten.

Bis zur Entscheidung durch den Sportgerichtshof CAS ruht das Verfahren.

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