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Claudia Pechstein bestreitet jemals unerlaubte Hilfsmittel benutzt zu haben © getty

Die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft erneuert ihre Kritik am Weltverband - und bleibt bei ihrer Version eines "Kuhhandels".

München - Im Dopingfall der fünfmaligen Olympiasiegerin Claudia Pechstein wirft die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) dem Weltverband ISU schwerwiegende Versäumnisse vor.

"Wenn der Verband mit dem Indizienbeweis vorgeht, dann ist es seine Aufgabe, dass er allen möglichen Ursachen nachgeht, ehe er eine Entscheidung fällt. Das ist nicht geschehen", sagte der von der DESG eingesetzte Stuttgarter Rechtsanwalt Marius Breucker während einer Pressekonferenz in München.

Im Beisein von DESG-Präsident Gerd Heinze, Sportdirektor Günter Schumacher und Teamchef Helge Jasch erklärte er weiter, dass die möglichen "Reserveursachen" einer Krankheit oder Blutanomalie von der ISU nicht berücksichtigt worden seien. "Weshalb der Verband das nicht getan hat, ist unverständlich", sagte Breucker.

Neue Vorwürfe gegen ISU

Die ISU hat dieser Darstellung bereits mehrfach widersprochen.

Breucker verwies zudem auf die ISU-Statuten, wonach einzig ein erhöhter Retikulozyten-Wert, wie er bei Pechstein vorliegt, angeblich nicht ausreiche, um eine Schutzsperre oder dergleichen zu verhängen. Dafür bedürfe es weiterer Blutwertindikatoren.

Derzeit liegt von der ISU eine erstinstanzliche Entscheidung vor, Pechstein für zwei Jahre zu sperren. Dagegen wird die DESG innerhalb einer Drei-Wochen-Frist vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS Berufung einlegen, wie es auch Pechstein bereits angekündigt hat. (Präzedenzfall mit weltweiter Dimension)

Breucker rechnet damit, dass es im weiteren Verfahrensverlauf zu einer mündlichen Verhandlung kommen wird.

Entscheidung erst in drei bis sechs Monaten

"Die Dauer wird sich dann in einem Zeitrahmen von drei bis sechs Monaten bewegen", sagte er.

Heinze wiederholte unterdessen, dass ihm Gerhardt Bubnik, der Vorsitzende der ISU-Rechtskommission, telefonisch den Vorschlag unterbreitet habe, den Fall Pechstein unter den Teppich zu kehren, sollte die Berlinerin ihre Karriere sofort beenden. (Polizei durchleuchtet den Fall Pechstein)

Bubnik habe gefragt, sagte Heinze, ob man einverstanden sei: "Wenn Claudia ihre Karriere beendet, dann wird davon nichts publik." Bubnik bestreitet den Sachverhalt.

Pechstein war am 3. Juli von der ISU wegen "abnormaler Werte und abnormaler Veränderungen" im Blutprofil für zwei Jahre gesperrt worden.

Bereits 14 Proben mit erhöhten Werten

Der Weltverband hatte sich auf einen Test während der Mehrkampf-WM am 6. und 7. Februar im norwegischen Hamar berufen.

Pechstein, von der mittlerweile 14 Proben mit einem erhöhten Retikulozyten-Wert seit 2000 vorliegen, beteuert vehement ihre Unschuld.

Die 37 Jahre alte Berlinerin will in Vancouver 2010 letztmals an Olympischen Winterspielen teilnehmen.

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